Schweiz
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Bieler Rentner Peter Hans Kneubühl wird verwahrt



ZUR URTEILSVERKUENDUNG IM FALL KNEUBUEHL STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Peter-Hans Kneubuehl sort de la prison menotte pour se rendre dans la salle du tribunal d'arrondissement du Seeland afin d'entendre le verdict de son proces ce vendredi 18 janvier 2013 a Bienne - Biel. Le tribunal a juge Kneubuehl irresponsable. Le retraite qui avait defie la police durant dix jours a Bienne en septembre 2010, il s'etait retranche chez lui pour s'opposer par la force a la vente aux encheres de sa maison. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Harte Strafe für Peter Hans Kneubühl Bild: KEYSTONE

Der Bieler Rentner Peter Hans Kneubühl, der 2010 vor der Zwangsräumung seines Hauses auf Polizisten schoss und einen von ihnen schwer verletzte, wird verwahrt. Das hat das Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Biel entschieden.

Das Gericht entsprach mit diesem Urteil einem Antrag der Bewährungs- und Vollzugsdienste (BVD) des Kantons Bern. Sie hatten 2018 die vom Bieler Gericht gegen Kneubühl verhängte stationäre Massnahme aufgehoben, weil sich der renitente Bieler Rentner nicht therapieren lassen wollte.

Das Schweizerische Strafgesetzbuch gibt dieser Behörde das Recht, in diesem Fall bei einem Gericht die Verwahrung zu beantragen. Dies, wenn zu erwarten ist, dass der Täter weitere Taten in der Art der begangenen begeht. Die BVD des Kantons Bern sind der Ansicht, Kneubühl stelle für die Gesellschaft weiterhin eine Gefahr dar.

An der Gerichtsverhandlung in Biel, welche am Donnerstag begonnen hatte, forderte auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Verwahrung. Kneubühl selber, welcher im Regionalgefängnis Thun blieb, liess via seinen Pflichtverteidiger ausrichten, er beantrage die Abweisung des Antrags und die Entlassung aus der Sicherheitshaft.

Mehrere Tage lang auf der Flucht

Peter Hans Kneubühl hielt die Stadt Biel im September 2010 tagelang in Atem. Seine Liegenschaft im Bieler Lindenquartier sollte öffentlich versteigert werden. Ursache für die Räumung des Hauses war ein langer Erbschaftsstreit mit seiner Schwester.

Am Tag der geplanten Hausbesichtigung, dem 8. September, verschanzte sich Kneubühl im Haus. Kontaktversuche durch Behörden und die Polizei scheiterten.

An den folgenden Tagen gab der Rentner mehrere Schüsse ab. Einer verletzte einen Polizisten schwer am Kopf. Danach gelang Kneubühl die Flucht. Mehrere Tage lang fahndete ein Grossaufgebot der Polizei erfolglos nach ihm. Erst am 17. September wurde er gefasst.

Therapie verweigert

Das Bieler Regionalgericht verhängte 2013 gegen Kneubühl eine stationäre therapeutische Massnahme. Es befand, der Rentner weise einen Verfolgungs- und Beeinträchtigungswahn mit querulatorischer Komponente auf. Er sei nicht schuldfähig. Deshalb sei auf eine Freiheitsstrafe zu verzichten.

Das bernische Obergericht und das Bundesgericht bestätigten später im Wesentlichen dieses Urteil und insbesondere die verhängte Massnahme.

Das bernische Obergericht hielt 2013 in seinem Urteil fest, Kneubühl habe geltend gemacht, seine Schwester kontrolliere einen allmächtigen Justiz- und Polizeiapparat. Der Schweizer Überwachungsstaat befinde sich im Würgegriff der Frauenbewegung. Seine eigenen kriminellen Handlungen blende der Rentner völlig aus.

Schon damals sagten die Berner Oberrichter, Kneubühl müsse die Chance einer Therapie bekommen. Doch wenn er sie nicht packe, drohe die Verwahrung.

Verwahrungen werden in der Schweiz nicht oft ausgesprochen: Nach Angaben des Bundesamts für Statistik kam es 2017 zu sechs und 2018 zu sieben Verwahrungen von Personen.

(cma/sda)

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dr. Bender 06.03.2020 16:28
    Highlight Highlight SKANDAL
    Mit so schwacher Beweislage und zweifelhaften Gutachtern (man hätte ja auch noch einen von China nehmen können, wäre doch auch glaubhaft) wird man hierzulande also verwahrt.
    Gut zu wissen und stimmt mich sehr bedenklich.
  • Raembe 06.03.2020 16:02
    Highlight Highlight Macht hier total Sinn in meinen Augen. Obwohl ich eigentlich ein Fan von Resozialisierung bin.
  • HiCh 06.03.2020 14:35
    Highlight Highlight Gut so. Wer sich seine Fehler nicht eingesteht und sich als ewiges Opfer sieht, bleibt gefährlich.
  • Bambulee 06.03.2020 14:22
    Highlight Highlight Aaaa wenn ein polizist betroffen ist wird der täter sofort verwahrt, ist jedoch ein zivilist betroffen finden die lieben richter tausende gründe die dies verunmöglichen... unsere justiz verkommt immer mehr zu einem kasperlitheater🙈
    • Wandervogel 06.03.2020 16:54
      Highlight Highlight Ein Jahrzehnt voller Versuche, den Täter zu einer Therapie zu bewegen schlugen fehl. Nun wurde er verwahrt. Ein Jahrzehnt ist also für sie sofort?

      Hätte er die Therapie gemacht, wäre nun schon einige Jahre wieder relativ frei unterwegs.
    • Raembe 06.03.2020 17:13
      Highlight Highlight Egal ob Polizist oder nicht, der Mensch hat einem anderen Menschen absichtlich in den Kopf geschossen. Er will sich weder dafür entschuldigen noch sieht er einen Fehler in seinem Handeln. Sprich er würde es wieder in Betracht ziehen. Er verweigert sogar die Therapie, die ihm helfen könnte schneller aus dem Knast zu kommen.

      Also frage ich Dich, was willst Du mit so jemanden machen, ausser ihn verwahren?
  • Rolf stühlinger (1) 06.03.2020 14:13
    Highlight Highlight Was kriegt er die kleine oder die lebenslänge verwahrung?
    • Aeschiii 06.03.2020 16:23
      Highlight Highlight Rolf, in seinem Falle ist die Verwahrung nach Art. 64, sprich die grosse, lebenslange Verwahrung ausgesprochen worden. Die "kleine" (Stat. Massnahme nach Art. 59 StGB) wurde ja bereits 2013 ausgesprochen. Da er jedoch keine Therapie mitmachen wollte, wird diese umgewandelt in den 64iger.
    • judge 06.03.2020 22:34
      Highlight Highlight @Aeschiii: nein er bekommt eine ordentliche Verwahrung nicht eine lebenslängliche!
  • Der Buchstabe I 06.03.2020 14:12
    Highlight Highlight Folgen noch weitere Infos? Verwahrung idt nicht gleich Verwahrung. Grosse Verwahrung? Kleine Verwahrung?
    • judge 06.03.2020 18:09
      Highlight Highlight Die sog. kleine Verwahrung hatte er jetzt, nämlich eine stationäre Massnahme. Jetzt bekommt er eine ordentliche Verwahrung. Nicht zu verwechseln mit der lebenslänglichen Verwahrung.

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