Maulwurf in der Bundespolizei – Insider verkauft Infos an Drogen-Mafia
Im Bundesamt für Polizei Fedpol war früh an diesem Dienstagmorgen spürbar, dass Dramatisches vorgefallen sein musste. Es herrschte Betriebsamkeit wie in einem Bienenhaus, wie sich jemand ausdrückte. Später am Tag wurde klar, warum: Im eigenen Betrieb, im Fedpol, war ein mutmasslicher Mafia-Maulwurf aufgeflogen.
Fedpol-Chefin Eva Wildi-Cortès setzte intern und gegenüber der Öffentlichkeit auf schnelle Transparenz. Sie richtete sich in Videobotschaften zunächst ans Fedpol-Personal, danach an die Öffentlichkeit. In drei Sprachen sagte sie:
Der Fall beweise, dass «das Risiko der organisierten Kriminalität, vor dem wir schon länger warnen, real ist». Er mache «das ganze Fedpol und mich persönlich betroffen». Einer ihrer Mitarbeiter soll Informationen an die Mafia verkauft haben.
Sechs Personen verhaftet
Früher am Tag hatten Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalpolizei zugeschlagen. Sie verhafteten in mehreren Kantonen sechs Personen, unter ihnen den Maulwurf. Vorwurf: Verdacht auf Beteiligung an oder Unterstützung einer kriminellen Organisation, die in der Schweiz im Bereich Drogenhandel aktiv ist.
Wie auch die Bundesanwaltschaft mitteilte, arbeitet der mutmassliche Verräter im Bundessicherheitsdienst. Er soll «gegen Entgelt vertrauliche Informationen an mindestens eine weitere im vorliegenden Verfahren beschuldigte Person weitergegeben haben».
Im Bundessicherheitsdienst arbeiten rund 150 der über 1000 Fedpol-Beschäftigten. Sie kümmern sich um den Schutz von Bundesratsmitgliedern, Parlamentariern, ausländischen Gästen, Bundesgebäuden sowie diplomatischen Vertretungen.
Die Person steht laut Bundesanwaltschaft – neben den Vorwürfen gegen die übrigen fünf – zusätzlich unter dem Verdacht der Bestechlichkeit, der Verletzung des Amtsgeheimnisses sowie der Begünstigung.
Unklar ist, um welche kriminelle Organisation es genau geht. Weder Bundesanwaltschaft noch Fedpol wollten sich dazu näher äussern – mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen. Auch zu den sechs Verhafteten machten die Behörden keine weiteren Angaben.
Epizentrum in Basel und Aargau
Immerhin teilte die Bundesanwaltschaft mit, dass sie im laufenden Strafverfahren insbesondere mit den Polizeien der Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau zusammengearbeitet habe. Das deutet darauf hin, dass die Täter in dieser Region verhaftet wurden.
In den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie in Frankreich und Deutschland fanden zudem zwölf Hausdurchsuchungen statt, so die Bundesanwaltschaft. Es gibt also starke Bezüge zu diesen beiden Nachbarstaaten. Der Intervention liegen ein «Strafverfahren der Bundesanwaltschaft gegen mehrere natürliche Personen und umfassende Ermittlungen der Bundeskriminalpolizei zugrunde».
Auf die Spur des mutmasslichen Maulwurfs kam Fedpol offenbar selbst. Wildi sagte:
Im Zuge der Ermittlungen in einem Verfahren gegen die organisierte Kriminalität sei die Bundeskriminalpolizei «auf Auffälligkeiten hinsichtlich dieser Person gestossen und hat diese der Bundesanwaltschaft gemeldet», hielt Fedpol fest. Diese Person habe «mutmasslich schwerwiegende Verstösse gegen gesetzliche und dienstliche Verpflichtungen begangen». Sie stehe selbst auch im Verdacht, an einer kriminellen Organisation beteiligt zu sein oder diese unterstützt sowie am Drogenhandel teilgenommen zu haben.
Fedpol prüft zusätzliche Massnahmen
Ein Mafia-Maulwurf bei Fedpol: Die Verflechtung der organisierten Kriminalität in staatliche Institutionen nimmt zu. «Der vorliegende Fall zeigt, dass die organisierte Kriminalität auch in der Schweiz legale Strukturen, auch staatliche, unterwandern und somit den Rechtsstaat gefährden kann», hielt Fedpol am Dienstag fest. Es setze «alles daran, dieses mutmasslich gravierende Fehlverhalten und die Hintergründe intern rasch, umfassend und lückenlos aufzuklären». Zusätzliche interne Präventions- und Kontrollmassnahmen würden geprüft.
Dass der Fall ausgerechnet beim Bundessicherheitsdienst passiert ist, erstaunt Beobachter nicht wirklich. Das Commitment, also die Bindung und Loyalität von Angestellten an Arbeit und Arbeitgeber, sei möglicherweise nicht bei allen gleich gross wie beispielsweise bei der Bundeskriminalpolizei.
Auch Wildis Vorgängerin Nicoletta Della Valle warnte immer wieder vor einer Unterwanderung der Behörden durch die Mafia. 2024 sagte sie zu CH Media:
Das seien Leute, gegen die nichts vorliege. «Aber wir kennen die ungeschriebenen Gesetze von Verwandtschaft und Loyalität in der Mafia.» Und sie ergänzte:
(aargauerzeitung.ch)

