Messerstecher muss nach Angriff auf Juden vor Zürcher Gericht
Der Jugendliche soll vor der Tat auch versucht haben in eine Synagoge einzudringen, um dort Juden zu töten, teilte das Bezirksgericht Dielsdorf am Dienstag mit. Weitere Vorwürfe betreffen unter anderem die Unterstützung einer kriminellen Organisation und Aufruf zu Diskriminierung und Hass.
Auf Anfrage von Keystone-SDA will sich die Jugendanwaltschaft nicht weiter zur Anklage äussern, etwa zur geforderten Strafe. Der Jugendliche befindet sich weiterhin in einer geschlossenen Institution.
Das Jugendgericht Dielsdorf als Verhandlungsort dürfte sich aus dem damaligen Wohnort des Beschuldigten ergeben. Verhandlungen am Jugendgericht sind grundsätzlich nicht öffentlich. Wann sie stattfindet, ist noch offen.
Online radikalisiert
Der damals 15-Jährige Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 in der Stadt Zürich auf offener Strasse mit einem Messer einen orthodoxen Juden lebensgefährlich verletzt. Er soll sich über das Internet radikalisiert haben und sich zum «Islamischen Staat» bekannt haben. Die Attacke des 15-Jährigen hatte in der Politik bestürzte Reaktionen ausgelöst. Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) forderte die Ausbürgerung des Angreifers.
Der Angriff war der schlimmste von zuletzt steigenden antisemitischen Vorfällen in der Stadt Zürich. Erst vor zwei Wochen stand ein 27-Jähriger in Zürich vor Gericht, weil er mit einem Messer vor einer Synagoge herumgeschlichen war und einen jugendlichen Juden geschlagen hatte.
Am 2. Februar griff ein 40-jähriger Kosovare auf offener Strasse einen als orthodoxen Juden erkennbaren Mann an. Der polizeilich bekannte Mann äusserte noch im Moment der Verhaftung antisemitische Beleidigungen. Ein weiterer Gerichtsfall in Winterthur im vergangenen Jahr betraf einen Mann, der ankündigte «im Judenquartier» jemanden niederstechen zu wollen. Alle anderen Attacken ereigneten sich in den Quartieren Enge und Wiedikon, wo traditionell orthodoxe Juden wohnen. (sda)
