Schweiz
Justiz

Geld gegen Fahrprüfung: Korrupte Prüfungsexperten vor Gericht

Geld gegen erfolgreiche Fahrprüfung: Korrupte Prüfungsexperten vor Gericht

Zwei Strassenverkehrsamts-Mitarbeiter und ein Prüfungsexperte müssen sich heute Dienstag vor dem Bezirksgericht Bülach ZH verantworten.
27.08.2024, 07:24

Die drei sorgten dafür, dass rund 70 Prüflinge trotz Fehler durch die Fahrprüfung kamen. Dafür liessen sich die Beschuldigten mit Bargeld bestechen.

Fahrlehrer Sandro Ceravolo erteilt einer Fahrschuelerin ihre dritte Fahrstunde, aufgenommen am 17. Dezember 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Kohle gegen Billett: Diesen Deal machten die korrupten Strassenverkehrsamts-Mitarbeiter mit 70 Prüflingen.Bild: KEYSTONE

Die drei Männer sind grundsätzlich geständig, weshalb die Prozesse im abgekürzten Verfahren durchgeführt werden können. Das heisst, das Gericht wird den Urteilsvorschlag der Zürcher Staatsanwaltschaft nach einer kurzen Befragung voraussichtlich auch zum Urteil erheben.

Gemäss den drei Anklagen handelt es sich bei den Beschuldigten um den 43-jährigen ehemaligen Zulassungsleiter des Strassenverkehrsamtes Bassersdorf, einen 32-jährigen Mitarbeiter der Zulassungsstelle sowie einen 34-jährigen Prüfungsexperten.

«Wohlwollende Prüfungsabnahme»

Der Experte liess rund 70 Prüflinge durch die Fahrprüfung kommen, obwohl sie bei der Testfahrt mehr oder weniger grosse Fehler machten. So winkte er etwa einen Mann durch, der zuvor schon drei Mal durchgefallen war. Für seine «wohlwollende Prüfungsabnahme» erhielt der 34-Jährige jeweils 500 Franken in Bar, insgesamt also 35'000 Franken.

Einen Teil des Geldes gab er den zwei «Vermittlern» weiter, den ebenfalls beschuldigten Angestellten des Strassenverkehrsamtes. Diese sorgten im internen System dafür, dass die 70 zahlungsbereiten Prüflinge ihre Prüfung beim «toleranten» Experten machen konnten.

Bedingte Freiheitsstrafen

Die Staatsanwaltschaft fordert für die beiden Amts-Mitarbeiter eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Der Prüfungsexperte soll eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten erhalten. Alle drei sollen zudem eine Busse von 500 Franken zahlen und dem Kanton einen Teil des Bestechungsgeldes zurückzahlen.

Als die Sache im Jahr 2021 intern aufflog, wurden die drei Beschuldigten verhaftet und entlassen. Das Strassenverkehrsamt schrieb zur Schadensminderung zahlreiche Autolenker an, die ihre Prüfung beim «toleranten» Experten bestanden hatten und forderte sie zu einer Kontrollfahrt auf. Wie viele der Prüflinge ihren Ausweis daraufhin wieder abgeben mussten, ist nicht bekannt.

Der Fall kam im vergangenen Frühsommer an die Öffentlichkeit, weil einer der drei Entlassenen vor Verwaltungsgericht gegen seine Kündigung rekurrierte, allerdings ohne Erfolg. Verurteilt wurden bisher auch mehrere Prüflinge. Sie erhielten wegen Bestechung bedingte Geldstrafen und Bussen. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
27 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Metro Man
27.08.2024 05:46registriert Februar 2022
Jedes mal wenn ich ein paar Kilometer mit dem Auto fahre treffe ich entweder alle 70 oder es sind noch sehr viel mehr unterwegs, die den Führerschein gar nie hätten bekommen dürfen.
876
Melden
Zum Kommentar
avatar
Yupidu
27.08.2024 05:49registriert März 2020
Fr 35'000.00 illegal in die Tasche stecken und Busse von insgesamt Fr. 1500.00??? Dazu bedingte Gefängnisstrafe.... die 3 haben viele Menschenleben riskiert, ihr Amt missbraucht und so was... kucheljustiz muss sein
647
Melden
Zum Kommentar
avatar
IchfragefüreinenFreund
27.08.2024 06:53registriert Juli 2020
Zitat aus dem Artikel: "Alle drei sollen zudem eine Busse von 500 Franken zahlen und dem Kanton einen Teil des Bestechungsgeldes zurückzahlen."
Verstehe ich jetzt nicht. Warum nicht alles zurückzahlen? Warum können die ein Teil des Bestechungsgeldes behalten? Heisst das jetzt einfach, dass man beim Erheben von Bestechungsgeld einfach einkalkulieren, dass man ein Teil zurückzahlen muss und den Betrag einfach entsprechend erhöhen, damit man am Ende mit genug Gewinn zurückbleibt?
561
Melden
Zum Kommentar
27
    Warum es BYD in der Schweiz schwer haben wird

    Bei BYD zeigen sämtliche Zahlen steil nach oben. Chinas grösster Autobauer produzierte 2024 107,7 Milliarden Dollar Umsatz – ein Plus von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2022 ist BYD auch Chinas grösster privater Arbeitgeber. Die neuen Werke schiessen nur so aus dem Boden: in China, aber auch in Südamerika und Europa. Auf dem alten Kontinent entstehen in den nächsten Jahren im Minimum zwei Werke: eins in Ungarn und eins in der Türkei. Ein möglicher dritter Standort ist noch geheim.

    Zur Story