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Trifft es wieder den Paradeplatz? Aktivisten von Clima Justice protestierten 2020 vor dem Hauptsitz der Credit Suisse.
Trifft es wieder den Paradeplatz? Aktivisten von Clima Justice protestierten 2020 vor dem Hauptsitz der Credit Suisse. Bild: EPA

«Schweizer Finanzplatz bringt Menschen um»: Klima-Aktionswoche nimmt Banken ins Visier

Letztes Jahr gelang Klima-Aktivisten mit der Besetzung des Bundesplatz ein Coup. Nun schlagen sie ab Freitag in Zürich ihre Zelte auf. Und nehmen die Banken ins Visier. Die Übersicht.
30.07.2021, 06:01

Jetzt schiesst die Klima-Bewegung mit voller Kraft gegen die Banken: Am Freitag beginnt in Zürich unter dem Motto «Rise up for Change» eine Aktionswoche des zivilen Ungehorsams, die sich gezielt gegen umweltschädliche Praktiken der Schweizer Banken richtet. «Die schweren Unwetter der vergangen Wochen zeigen es überdeutlich: Mit ihren klimaschädlichen Geschäften bringen die Banken auch in Europa Menschen um, das lässt sich nicht mehr leugnen. Das gibt uns umso mehr eine Rechtfertigung für den Protest», sagt Klimaaktivist Jonas Kampus zu watson.

«Mit ihren klimaschädlichen Geschäften bringen die Banken auch in Europa Menschen um, das lässt sich nicht mehr leugnen.»
Jonas Kampus

Die Forderungen

Nach wie vor investieren Schweizer Banken Milliarden in fossile Energien. So haben zum Beispiel die CS und die UBS zusammen zwischen 2016 und 2019 gut 83 Milliarden Dollar in Öl, Gas und Kohle gepumpt. Und finanzierten dadurch das 20-fache an Treibhausgas-Emissionen, welche die Schweiz durch Inlandemissionen verursacht. Die Umweltaktivistinnen fordern, dass Investitionen in fossile Energien gestoppt und die Finanzflüsse in diesen Sektor offengelegt werden. «Schweizer Banken – dazu gehört auch die Nationalbank – sind wie Influencer für den weltweiten Finanzplatz und besitzen darum einen enorm grossen Hebel für mehr Klimaschutz», sagt Frida Kohlmann vom Collective Climate Justice.

«Schweizer Banken sind wie Influencer für den globalen Finanzplatz.»
Frida Kohlmann, Collective Climate Justice

Das Zeltdorf

Das Zeltlager wird auf der Brache des Hardturm-Stadions aufgebaut.
Das Zeltlager wird auf der Brache des Hardturm-Stadions aufgebaut. Bild: keystone

Ihr «Basislager» mit Küchen, Toiletten, etc. schlagen die Klima-Aktivistinnen auf der Brache des Hardturm-Stadions auf. «Wir haben Platz für mehrere hundert Teilnehmende», sagt Frida Kohlmann, Sprecherin von Rise Up for Change. Im Gegensatz zur Bundesplatz-Besetzung ist diesmal alles legal: Die Stadt Zürich bewilligte das Camp am Mittwoch. Dort finden auch Aktionstrainings statt. Ebenso werden Aktivistinnen informiert, wie sie sich bei möglicher Polizeirepression verhalten sollen. Am Mittwoch sind zudem Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Banken geplant, um über die Forderungen und mögliche Lösungen zu diskutieren.

Die von den Klimaschützern getadelte Bank Credit Suisse konnte auf watson-Anfrage innert zwei Tagen keine Antwort darauf geben, ob sie an den Gesprächen teilnimmt.

Die Protestaktionen

Im Juni 2020 blockierten Klimaschützerinnen die Quaibrücke in Zürich.
Im Juni 2020 blockierten Klimaschützerinnen die Quaibrücke in Zürich. Bild: keystone

Die Umweltschützer wollen in den kommenden Tagen mit kreativen, gewaltfreien und trotzdem aufsehenerregenden Aktionen die Banken an den Pranger stellen und die Bevölkerung wachrütteln. Einen Vorgeschmack gab es 2020: Damals blockierten Aktivisten von Extinction Rebellion den Verkehr stundenlang auf der Züricher Quaibrücke. 2019 besetzen Klimastreikende Filialen der UBS in Basel und Lausanne.

Nun müssen die Zürcher Grossbanken kommende Woche mit Blockaden und anderen Störaktionen rechnen. Auch am Zürcher Paradeplatz? Was genau geplant ist, wollen die Organisatoren von «Rise up for change» indes nicht verraten.

Das sagt der Experte

WWF-Chef Thomas Vellacott hat früher selbst als Banker gearbeitet. Und kennt dementsprechend die Praktiken der Finanzinstitute aus dem Effeff. Im grossen watson-Interview sagte er, dass das Bewusstsein bei den Banken für Umweltrisiken zwar zunehme. «Die Finanzinstitute bewegen sich jedoch viel zu langsam.» Niemals in einer Geschwindigkeit, die der Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit der Klimakrise angemessen wäre. «Wenn Banken und Firmen Nachhaltigkeit ernst nehmen, müssen sie ihr Kerngeschäft umbauen», so Vellacott.

Er glaubt, dass sich die Banken durchaus durch solche Aktionswochen beeindrucken liessen. «Der Druck zeigt, dass die Öffentlichkeit genau hinschaut. Das ist enorm wichtig». Ebenso wichtig sei der Druck der Regulatoren und Investoren, dass Banken die Klima-Risiken in ihren Büchern offenlegten.

Die Erkenntnisse aus der Bundesplatz-Besetzung

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Klima-Camp: Polizei räumt Bundesplatz
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Ein Zeltcamp vor dem Bundeshaus: Mit der tagelangen Besetzung des Bundesplatzes gelang der Klima-Bewegung nur vordergründig ihr bislang grösster Coup. Die Wirkung der an sich historischen Bilder verpuffte rasch. Zu verzettelt waren die Botschaften der Klimastreikenden: «Unsere Forderungen wurden damals kaum wahrgenommen», erinnert sich Klimastreiker Jann Kessler.

Mit dem Finanzplatz nimmt die Klimabewegung einen einfacheren Gegner ins Visier: Die obengenannten Forderungen lassen sich in Grossbuchstaben auf einer A4-Seite formulieren. Dafür verzichtet die Klimabewegung, den Systemwechsel zu propagieren – was einigen Leute aus der Klimastreik-Bewegung missfällt.

«Am Ende der Aktionswoche sollte für die breite Bevölkerung klar sein, dass die Banken direkt an der Klimakrise mitschuldig sind.»
Jonas Kampus

«Am Ende der Aktionswoche sollte für die breite Bevölkerung klar sein, dass die Banken direkt an der Klimakrise mitschuldig sind», formuliert Aktivist Jonas Kampus das grosse Ziel. Dementsprechend würde der Druck auf die Banken steigen, tatsächlich klimaschädliche Investitionen zu reduzieren.

Das sagt die Credit Suisse

«Als globales Finanzinstitut anerkennt die Credit Suisse ihren Teil der Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels und ist sich bewusst, dass auch die Finanzströme mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens in Einklang gebracht werden müssen. Die Credit Suisse setzt sich für den Klimaschutz und das Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens ein. Seit fast 20 Jahren gehört die Bank zu den Pionieren im Bereich nachhaltige Geldanlagen und Impact Investing. Seit August 2020 ist eine eigene Funktion für Nachhaltigkeit in unserer Konzernleitung vertreten. Zum selben Zeitpunkt gab die Credit Suisse die Absicht bekannt, in den nächsten zehn Jahren mindestens CHF 300 Mia. an nachhaltiger Finanzierung bereitzustellen. Im Rahmen unserer Verpflichtung zur Bekämpfung des Klimawandels haben wir ausserdem in den vergangenen Jahren konkrete Restriktionen eingeführt, z. B. bei der Finanzierung von fossilen Brennstoffen.»
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Klimaaktivisten sind weg – Bundesplatz ist geräumt

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121 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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stadtzuercher
30.07.2021 08:24registriert Dezember 2014
Also dieselbe Klimabewegung die der SVP geholfen hat das CO2-Gesetz zu versenken gefällt sich hier wieder im Aktivismus gegen Banken?
Mol, glaubwürdig.
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Rellik
30.07.2021 09:04registriert Dezember 2017
«Die schweren Unwetter der vergangen Wochen zeigen es überdeutlich: Mit ihren klimaschädlichen Geschäften bringen die Banken auch in Europa Menschen um, das lässt sich nicht mehr leugnen. Das gibt uns umso mehr eine Rechtfertigung für den Protest»

Ich finde es sehr gefährlich wenn man beginnt solche losen Zusammenhänge als Fakten darzustellen um einen Narrativ von "Wir sind die Guten, die sind die Bösen" zu schaffen. Wir können gerne über die Verantwortung der Banken reden, aber so eine Diskussion kann nicht beginnen mit: "Die sind an allem Schuld und jetzt zwingen wir sie zu etwas"
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Rethinking
30.07.2021 07:03registriert Oktober 2018
Pensionskassen und Hedgefonds etc. nicht vergessen…
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