Schweiz
Klima

Schweizer Seen deutlich zu warm – 26 Gewässer mit Saison-Rekorden

Junge Menschen kuehlen sich mit einem Sprung in den Zuerichsee ab, aufgenommen am Samstag, 19. Juli 2014 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)....Young people jump into the Lake Zurich in Zurich, Switze ...
Wasser wärmt sich durch Sonnenstrahlen langsamer auf als Stein oder Asphalt, aber speichert die Wärme deutlich besser.Bild: KEYSTONE

Rekordtemperaturen in Schweizer Seen: 26 von 32 sind so warm wie noch nie im Mai

In 26 der 32 grössten Schweizer Seen werden oder wurden gerade saisonale Rekordtemperaturen aufgestellt. Darunter auch in fünf der sechs grössten Schweizer Seen. So ist die Lage in den Schweizer Standgewässern.
29.05.2026, 18:2829.05.2026, 18:28

Die Schweizer Seen erwärmen sich derzeit deutlich stärker als üblich. So wurde auf dem Zürichsee am gestrigen Donnerstag, 28. Mai, eine Wasseroberflächentemperatur von 21,2 Grad Celsius verzeichnet. Ein Wert, der den bisherigen Tagesrekord um fast 1,5 Grad überbot und rund 5,4 Grad über dem langjährigen Schnitt liegt. Im Durchschnitt seit Messbeginn 1981 wird eine solche Oberflächentemperatur auf dem Zürichsee normalerweise erst Mitte Juli erreicht.

Auch in den anderen grossen Schweizer Seen sieht die Lage ähnlich aus: Der Genfersee, der Bodensee und der Vierwaldstättersee sowie der Lago Maggiore sind so warm wie noch nie zu dieser Jahreszeit. Der Vierwaldstättersee liegt mit 1,4 Grad gleich weit über dem bisherigen Rekord für den 28. Mai wie der Zürichsee. Die Ausnahme unter den grossen Seen bildet der Lac de Neuchâtel, die Oberflächentemperatur liegt zwar auch dort über dem Durchschnitt für die Jahreszeit, aber doch noch ein Stückchen vom Rekord entfernt.

Modellbasierte Daten zeigen flächendeckende Erwärmung

Auch bei den restlichen 26 der grössten 32 Schweizer Seen ist die Oberflächentemperatur deutlich erhöht. So wurden bei 21 der Seen ebenfalls Tagesrekorde verzeichnet. So zum Beispiel auch beim Walensee in der Ostschweiz, wo der bisherige Rekord für den 29. Mai von 16,6 Grad mit einem neuen Rekord von 20 Grad um ganze 3,4 Grad übertroffen wurde.

Beim Lac de Joux im Kanton Waadt nahe der französischen Grenze wurde der bisherige Rekord für den 27. Mai um ganze 4,1 Grad gebrochen. Der Rekord liegt damit neu bei 21,5 Grad. Der vorherige Rekord lag bei 17,4 Grad.

Die Temperaturwerte basieren auf dem Modell Alplakes der Eawag, des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs. Das Modell berechnet Wassertemperaturen für über 100 Seen im Alpenraum und wird täglich aktualisiert.

Die berechneten Werte weichen im Durchschnitt um 0,5 bis 1,5 Grad von direkten Messungen ab. Das Modell simuliert aber die Temperatur auf dem ganzen See, statt wie bei einer Messung an nur einem Punkt. Dadurch ermöglicht das System eine sehr präzise Einschätzung der aktuellen thermischen Entwicklung grosser Gewässer.

Auswirkungen auf Flora, Fauna und Badegäste

Die steigenden Wassertemperaturen in Schweizer Seen wirken sich gleichzeitig auf Pflanzen, Tiere und die Nutzung durch den Menschen aus. Mit der Erwärmung verändert sich das gesamte Gleichgewicht im See, insbesondere weil Wärme die physikalischen und biologischen Prozesse im Wasser beeinflusst.

Ein zentraler Effekt betrifft den Sauerstoffgehalt. Warmes Wasser kann grundsätzlich weniger Sauerstoff lösen als kaltes Wasser. Gleichzeitig verstärkt sich im Sommer oft die sogenannte Schichtung des Sees: Das warme Oberflächenwasser bleibt stabil oben, während das kalte Tiefenwasser kaum noch durchmischt wird.

Dadurch gelangt weniger Sauerstoff in die tieferen Schichten, während gleichzeitig dort lebende Organismen weiterhin Sauerstoff verbrauchen. In der Folge können in der Tiefe sauerstoffarme Zonen entstehen, was die Lebensbedingungen für viele Arten verschlechtert. Auch die Pflanzen- und Planktonwelt reagiert deutlich auf diese Veränderungen.

Flora

Wärmere Temperaturen und stabile Wasserschichten fördern das Wachstum von Cyanobakterien (Blaualgen). Diese profitieren von viel Licht und warmem Wasser und können sich so rasch vermehren. Durch die geringere Durchmischung der Wasserschichten und die daraus folgende Stauung von Nährstoffen in der obersten Wasserschicht kommt es auch häufiger zu Algenblüten, die die Wasserqualität stark beeinträchtigen können.

Fauna

Die Fischwelt ist ebenfalls besonders betroffen, weil viele Arten sehr sensibel auf Temperatur und Sauerstoff reagieren. Kaltwasserfische wie Forellen oder Saiblinge benötigen kühles, sauerstoffreiches Wasser. Steigt die Temperatur über längere Zeit, erhöht sich ihr Stoffwechsel, während gleichzeitig weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Diese Kombination führt zu Stress und kann Wachstum, Verhalten und Fortpflanzung negativ beeinflussen. Wärmetolerantere Arten wie Karpfen vertragen die veränderten Bedingungen dagegen besser.

Anthroposphäre

Für Badegäste zeigen sich die Folgen vor allem indirekt über die Wasserqualität. Höhere Temperaturen begünstigen die Vermehrung von Bakterien und Cyanobakterien, die teilweise auch gesundheitlich problematische Toxine bilden können. Zudem treten in warmen, flachen Uferbereichen häufiger Zerkarien auf – winzige Parasitenlarven, die beim Menschen Hautreizungen mit starkem Juckreiz verursachen können.

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