Mit diesen Migros-Bons finanzierst du religiöse Organisationen
Die Migros-Kampagne «Support my camp» werfe Fragen zur Transparenz auf, berichtete der Sender RTS am Mittwoch. Die Liste der Begünstigten umfasst auch religiöse Organisationen – ein Umstand, der in der Projektbeschreibung auf der Website des Einzelhändlers nicht erwähnt wird.
Ziel der Aktion ist die Finanzierung von Jugendlagern in der Schweiz. Die Migros stellt den Organisatoren drei Millionen Schweizer Franken zur Verfügung, die entsprechend der Anzahl der ihnen zugeteilten Bons verteilt werden. Diese Bons sammeln Migros-Kunden pro 20 Franken Einkaufswert und können sie dann per QR-Code an einen Verein ihrer Wahl spenden.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
«Verherrlichung Gottes» als oberstes Ziel
Wie RTS berichtet, gehört STR26 (Schweizertreffen 2026, Anm. d. Red.) derzeit zu den drei führenden Vereinen auf der Bon-Rangliste. Es handelt sich hierbei um ein Jugendtreffen der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz.
Diesen Sommer organisiert der Verein ein zehntägiges Zeltlager, in dem Kinder und Jugendliche unter anderem «gemeinsam unvergessliche Abenteuer erleben» und «die Natur entdecken» – so beschreibt es zumindest die Migros-Website. Auf der eigenen Website nennt STR26 ein weiteres Hauptziel: «Glauben erleben, teilen und wachsen lassen».
RTS weist auf die Präsenz anderer religiöser Organisationen im Ranking hin, beispielsweise JAB Suisse Romande, eines christlich-evangelischen Jugendvereins, dessen «oberstes» Ziel laut seiner Website die «Verherrlichung Gottes» ist. Die Website der Migros hingegen erwähnt lediglich einen Verein, der «Lager für Kinder und Jugendliche organisiert» und «in Zusammenarbeit mit Jugend und Sport im Bereich Lagersport und Trekking ganzheitliche Unterstützung für junge Menschen» bietet. Religion wird hier nirgends erwähnt.
Vereine von Migros «geprüft»
Auf ihrer Website erläutert die Migros die Teilnahmebedingungen für das «Support my camp»-Programm. Eines der Ausschlusskriterien lautet:
Auf Anfrage von RTS spricht Migros-Sprecher Tristan Cerf von «klaren Teilnahmekriterien» und Lagern, «die allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Religion, Herkunft oder ihren Überzeugungen zugänglich sein müssen». Er fügt hinzu, dass die teilnehmenden Organisationen «sorgfältig geprüft» worden seien und die «festgelegten Kriterien» erfüllten.
Der öffentlich-rechtliche Sender bat auch die betroffenen Verbände zu Wort. Ein Mitglied von STR26 betont insbesondere, dass das Lager eine «Freizeitaktivität» und keine «religiöse Veranstaltung» sei. Zwar seien «religiöse Elemente» Teil des Programms, die Teilnahme sei aber freiwillig. (jzs)
