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Ist der Lockdown schlecht für die Liebe? Das sagen Paarberater

In China hat die Isolierung während der Coronavirus-Epidemie zu einer höheren Zahl an Scheidungen geführt. Paarberater verraten, was man machen kann, damit es nicht so weit kommt.

Deborah Gonzalez / ch media



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bild: shutterstock

«Ende des Jahres werden wir definitiv eine erhöhte Scheidungsrate haben», sagt Paarberaterin Tamara Berke. Dass sie mit ihrer Prognose richtig liegen könnte, zeigt eine meldung aus der chinesischen Stadt Xi’, wo die Menschen gut zwei Monate isoliert lebten. Dort hat es in den letzten Wochen vermehrt Scheidungsanträge gegeben. Die chinesische Zeitung «Global Times» berichtet, dass die zuständigen Büros so viele Scheidungsanträge erhalten hätten wie nie zuvor.

Durch den Lockdown sind viele Familien und Paare nun gezwungen, den Tag gemeinsam zu Hause zu verbringen. «Das werden nicht alle hinkriegen. 24 Stunden, sieben Tage lang zusammensitzen – das führt zu Unruhen und Konflikten.» Insbesondere für Familien mit Kindern werde es schwierig, sagt die Paarberaterin. Sie selbst ist Mutter von drei Kindern und weiss, wovon sie redet: «Tag drei und ich spüre die Herausforderung jetzt schon.»

Mal sei es das eine Kind, das etwas möchte. Dann ist es ein anderes, das Hunger hat. Oder das dritte, das einfach genervt ist. «Home-Office, Essen machen, Betreuung, Bespassung – da kommt viel auf uns zu.» Das sorgt für Stress, gerade in einer Beziehung. Beide Parteien arbeiten von zu Hause aus und keiner fühlt sich angesprochen oder verantwortlich für das, was in seinem Umfeld passiert. Das führe zu Streit. Dazu kommt die spezielle Situation. Es ist eine Zeit, in der Angespanntheit und Unruhe herrscht. Das übertrage sich auf jeden Einzelnen. Die Paarberaterin spricht von einer Kettenreaktion: «Ungewissheit führt zu Stress. Da verliert man schneller die Geduld und explodiert leichter als sonst.»

Wir haben nun Zeit - auch zum Streiten

Der Streit ist also vorprogrammiert. Und wenn die Parteien dann den Tag damit verbringen, sich Dinge an den Kopf zu werfen, schwindet die Liebe. «Dann beginnt man sich zu fragen, ob man als Paar wirklich zusammenpasst.» Ein Fehler, wie Berke betont. Man müsse sich der Situation bewusst sein und nicht überschnell reagieren. Wie geht das? «Man sollte versuchen, die Zeit zu geniessen.» Als Paar, aber auch alleine für sich. Das permanente Beisammensein könne man lernen.

Das A und O sei die Struktur. Ob als Paar, Familie oder Single – das sei egal. «Um drei Uhr nachts ins Bett gehen und bis 13 Uhr schlafen, das geht nicht», sagt Berke. Man solle sein normales Leben und den Tagesrhythmus so gut wie möglich weiterführen. Früh aufstehen, sich herrichten, Sport machen und Essen kochen. Solange es noch möglich ist, solle man rausgehen. «Keine Struktur zu haben, kann auf die Psyche schlagen», sagt Berke. Man kann in ein Tief fallen, das bis zur Depression reicht. Umso wichtiger sei es, Ressourcen zu tanken. Das kann man in Form von Musik hören, spazieren gehen oder sich selbst einfach mal Ruhe gönnen. Diese Momente für sich muss jeder unbedingt suchen.

Raum für Streitereien ist gegeben

Auch langjährige Beziehungen sind in dieser speziellen Situation nicht geschützt, sagt die Paarberaterin. «Es kann sein, dass immer alles super war und dass es auf einmal nicht mehr klappt.» Es komme häufig vor, dass man im Berufsleben stark eingebunden ist und keine Zeit oder Energie hat, um am Abend noch zu streiten. «Aber jetzt wird der Raum gegeben und man kann sich alles an den Kopf werfen», sagt Berke. Also müsse jeder Einzelne mehr Kraft investieren, um die Beziehung aufrechtzuerhalten. Genauso sieht es auch Paarberater Peter Michalik: «In diesen Zeiten ist es umso wichtiger, einander mit viel Verständnis, Gelassenheit und Humor zu begegnen.»

Einen Fluchtweg gibt es nicht. Sich mit Freunden zu treffen oder sich in ein Café zu setzen, ist momentan nicht möglich. «Unsere Freiheit wird komplett eingeschränkt, das kennen wir so nicht», sagt Berke. Hier müsse man sich immer wieder selbst sagen, dass die Situation ein Ende haben wird. Ausserdem: «Jede Krise kann einen weiterbringen und eine Beziehung stärken.» Romantik spielt eine wichtige Rolle. Die Quarantäne sei eine Chance, all das zurückzuholen, was im Alltag verloren geht. Massagen, Kerzenlichter, Dinner oder eine gemeinsame Badewanne – all diese Dinge können die Liebe aufleben lassen.

Nähe ist also sehr wichtig in diesen Tagen. Aber auch Distanz ist gefragt. «Es ist ein schmaler Grat», erklärt Berke. Denn zu viel Zeit gemeinsam könne auch das Gegenteil bewirken. Um die richtige Balance zu halten, schlägt die Beraterin einen Terminplan vor. «Man kann am Morgen schon sagen, was man wann machen möchte – das hilft ungemein.»

Mit der Struktur kommt dann die Qualität von selbst, bekräftigt Michalik. Man solle seinen Partner jeden Tag fragen: «Was brauchst du heute?». Das helfe der täglichen Struktur, aber auch der Beziehung. So fühlt sich das Gegenüber wahrgenommen. Ausserdem solle man den alltäglichen Dingen mehr Wichtigkeit geben: Sich bewusst begrüssen. Sich bewusst umarmen oder bewusst einen Kaffee trinken. «Es ist ein Unterschied, ob man diese Dinge einfach so tut oder sich vornimmt, es zu machen», erklärt der Paarberater.

Das Besondere im Alltäglichen

Egal, ob man nun mit seinem Partner, alleine oder mit den Kindern zuhause sitzt. Drei Dinge sind wichtig: Bewegung, Ruhe und Wertschätzung. Für Ersteres schlagen die Berater Sport-Apps und Spaziergänge vor. Um die Ruhe reinzubringen, solle man sich manchmal auch bewusst abkapseln. Ein Buch lesen oder die Sonnenstrahlen geniessen.

Für die Wertschätzung schlägt Michalik Folgendes vor: «Man sollte sich 60 Sekunden Zeit nehmen und überlegen, was der Partner heute gemacht, was einem gutgetan hat.» Dabei handele es sich um das Alltägliche, nicht um das Besondere. «Wie du mich angelächelt hast» oder «Als du nichts mehr gesagt hast». Das könne man sich dann gegenseitig sagen und es «einfach nur geniessen».

Tipps für die Quarantäne

Egal ob als Paar, Single oder in der Familie. Diese Tipps sollen helfen, in dieser besonderen Zeit nicht zu verzweifeln und die Beziehungen zu unseren Mitmenschen nicht zu gefährden:

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wanheda 25.03.2020 04:20
    Highlight Highlight Für einmal ist mein Aufschieberitis von Nutzen. Jetzt kann ich endlich mal meine To-Do Listen abarbeiten, auf der einige Dinge schon seit über 10 Jahren stehen.
    Mir würde glaubs nach 2 Jahre Quarantäne noch nicht langweilig. 😅
  • Millennium-Falke 23.03.2020 22:09
    Highlight Highlight Ich schreibe schon seit Jahren ein Glückstagebuch. Ich schreibe immer rein, wenn ich etwas schönes erlebt habe. In Zeiten wo es mir nicht so gut geht, blättere ich darin und bin Dankbar für die vielen tollen Momente die ich bereits erleben durfte.
    • Pitefli 23.03.2020 23:59
      Highlight Highlight Was für eine wunderschöne Idee!
  • why_so_serious 23.03.2020 11:59
    Highlight Highlight Nun gehen halt alle ohnehin nicht glücklichen Beziehungen auseinand - und wer sich nun wegen der Quarantäne scheiden lässt, hat ohnehin nicht zusammengepasst
  • Protestier 23.03.2020 11:00
    Highlight Highlight Ich empfinde den Alltag mit einem 1 1/4-jährigen Kind zu Hause als anstrengender wie vorher. Die Betreuung durch die Grosseltern mit 2PT/Woche ist weggefallen und gleichzeitig Homeoffice mit Betreuung eines kleinen Kindes ist eine hohe Belastung. Dennoch funktionieren wir als Paar sehr gut und organisieren/unterstützen uns gegenseitig wo wir können! Aber Quality-Time ist es jetzt nicht unbedingt...
  • Lyserg 23.03.2020 09:27
    Highlight Highlight Streit ist das Salz in der Suppe. Es soll anscheinend Paare geben die nicht Streiten, persönlich für mich unvorstellbar. Streitkultur muss gelernt werden und das wichtigste ist nicht eingeschnappt zu reagieren und einander verzeihen.
  • Cirrum 23.03.2020 08:54
    Highlight Highlight Lustige Kräuter und Mario Kart.. aber Achtung, Bananen an falschen Orten legen kann auch zu Spannungen führen😂🍌
  • Der müde Joe 23.03.2020 08:05
    Highlight Highlight Also wenn so etwas zur Scheidung führt, hätten diejenigen besser gar nie geheiratet.
  • Laut_bis_10 23.03.2020 07:56
    Highlight Highlight "Das A und O sei die Struktur. Ob als Paar, Familie oder Single – das sei egal. «Um drei Uhr nachts ins Bett gehen und bis 13 Uhr schlafen, das geht nicht», sagt Berke."

    Watch me.
    • öpfeli 23.03.2020 09:02
      Highlight Highlight Darf wissen ob du als Single, PartnerIn, Familienvater/Mutter lebst?
    • Wanheda 25.03.2020 04:17
      Highlight Highlight Exakt das gleiche gedacht :-D
  • Eyeore 23.03.2020 07:48
    Highlight Highlight Um ehrlich zu sein empfinde ich den Lock Down also Quality Time. Der Alltag ist extrem entschleunigt. Man kann viel besser auf die Kinder und Partner/in eingehen.
    Klar es braucht ein paar Strukturen. Keine Pyjamatage, fixe Zeiten für die Aufgaben der Kinder und Einzelzimmer für die Eltern zum arbeiten. Aber schon alleine, dass ich jeden Morgen mit den Kindern frühstücken kann, finde ich fantastisch. Ich bekomme viel mehr mit als wenn ich sonst nur einen Tag zu Hause bin. Zusätzlich hat man auch mehr Zeit mit der Partnerin oder dem Partner Gespräche zu führen.
  • Troll Watson 23.03.2020 06:19
    Highlight Highlight Wer in Anbetracht der Situation nicht fähig ist, mit seinem Partner einen vernünftigen Umgang zu finden, sollte in erster Linie überhaupt erst nie auf die Idee kommen eine Beziehung zu führen, geschweige denn zu heiraten.
    Nur schon aus dem Bewusstsein heraus eines zeitlich begrenzten Problems eine Trennung in Betracht zu ziehen, sagt schon einiges aus.
  • bebby 23.03.2020 05:58
    Highlight Highlight Wenn nur die Kinder sich auch gerne selber beschäftigen würden...nach ein paar Tagen mit mehreren absoluten Nörgelis bleibt nur das regelmässige Gassi gehen mit den Kindern.
    Die Kinder gehören definitiv so schnell als möglich wieder in die Schule (weder werden sie krank, noch gehören sie zu den Ueberträgern).
    • Hiker 23.03.2020 11:07
      Highlight Highlight Schon traurig, da stellt man Kinder auf die Welt und dann sollen Sie möglichst dauerknuddelig und lieb und brav sein. Wehe sie entwickeln einen eigenen Charakter und wollen nicht partout das was Mami und Papi gerade für sie angedacht haben. Dann so schnell wie möglich loswerden, sollen sich doch andere mit den Balgen herumquälen. Kinder sind eben nicht immer nur hübsch und artig und superintelligent damit man vor anderen mit seiner Brut angeben kann. Wozu haben Sie überhaupt Kinder? Man kann ja schliesslich auch einen Wauwau halten. Der ist immer lieb und nett.
    • Full Moon Madness 23.03.2020 13:32
      Highlight Highlight Wenn die Kinder dauernd am nörgeln sind, hat vielleicht auch einfach der/die Erziehungsbeauftragte versagt.
    • Lami23 23.03.2020 14:37
      Highlight Highlight Kinder können sich ab einem gewissen Alter durchaus selber beschäftigen. Das muss man ihnen aber beibringen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • für d' Füchs 23.03.2020 05:32
    Highlight Highlight Ich glaube, für jede und jeden kann es hilfreich sein, seinen Tag richtig zu planen. Um welche Zeit man aufsteht, wann man die Arbeit beginnt, wann man kocht, wann die Sporteinheit angesagt ist, wann man die Familie oder Freunde anruft und wann man Feierabend macht - einfach z.B. am Abend vorher einen Zeitplan für den nächsten Tag erstellen und diesen einhalten. Anderen fällt es vlt leichter, gleich die ganze Woche durchzuplanen. Also grundsätzlich das, was der Artikel schon beschreibt, nur eben mit einem richtigen "Stundenplan". Ich mach das am liebsten auf Papier, andere evtl. auf dem Handy.
    • grünerantifaschist #blm 23.03.2020 07:21
      Highlight Highlight Stimmt, für dfüchs;) das wär mir ein graus alles durchzuplanen... und wenn das zuhausesitzen beziehungsprobleme bringt, stimmt ja eh was nicht. Ich für meinen teil geniesse zurzeit homeoffice mit familie und in den tag hineinleben. ;) schönen wochenanfang!
    • David Rüegg 23.03.2020 09:15
      Highlight Highlight Ich glaube man kann es in beide Richtungen übertreiben... Eine gewisse Struktur ist sicher besser als einfach in den Tag hinein zu leben zumal auch nicht klar ist, wie lange die Situation noch andauern wird. Ein minutiöser Tages- oder Wochenablauf hilft den meisten Menschen jetzt wohl genau so wenig wie im normalen Leben. Als Projektleiter kann ich nur sagen, dass eine zu unflexible Planung sehr schnell von der Realität eingeholt wird 😉
    • für d' Füchs 23.03.2020 10:17
      Highlight Highlight @fax ja, darum sage ich ja es "kann" hilfreich sein :) Da ich alleine lebe (und weder zur Arbeit gehen noch Home office machen kann), ist für mich diese Struktur sehr wichtig, da ich ansonsten das Bett wohl nur zum essen verlassen würde. Anderen mag es gut tun, einfach mal tagelang zu gammeln und nichts zu tun, aber bei mir schlägt das dann schnell in eine depressive Phase um. Geniessen und ausspannen ist für mich, aktiv zu sein, alte Hobbies wieder aufzunehmen, schön zu kochen, Spaziergänge geniessen usw. - Dinge eben, für die ich im Schichtdienst sonst keine Zeit habe.
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