Susanne Wille am Swiss Media Forum: «Radio SRF 2 wird nicht geschlossen»
Ein Höhepunkt des Swiss Media Forums in Luzern ist jeweils die Elefantenrunde: Chefs und Präsidenten der grossen Schweizer Medienunternehmen reden über die Themen, welche die Branche beschäftigen. Manchmal kommt es dabei zu hitzigen Diskussionen.
Ringier-Chef Marc Walder hatte kürzlich mit der Aussage auf sich aufmerksam gemacht, dass im digitalen Bereich nur drei grosse Schweizer Medientitel überleben werden: «20 Minuten», der «Blick» und die NZZ. Der Präsident der TX Group, Pietro Supino, zeigte sich auf dem Podium in Luzern nicht böse darüber, dass Walder seinem «Tagesanzeiger» den Untergang voraussagt.
Supino meinte: Die Disruption in der Schweizer Medienbranche sei grösser, als viele meinten. Überleben würden jene Titel, die einen grossen Kundennutzen schaffen. Der Chef von CH Media, Michael Wanner, bezeichnete es als völlig haltos, den regionalen Medien ein baldiges Ende zu prophezeien.
Ringier-Chef Marc Walder forderte ein «glasklares Urheberrecht». Die Anpassung sei nötig, weil die KI-Chatbots mehrheitlich journalistische Inhalte präsentierten, ohne dass die Schweizer Medienhäuser dafür entschädigt würden. Michael Wanner hielt zu diesem Punkt fest: Die KI-Unternehmen seien auf schnelle regionale Informationen angewiesen. Also sei auch damit zu rechnen, dass sie etwas dafür bezahlen.
Pietro Supino kritisierte SRG-Generaldirektorin Susanne Wille für die ausgreifenden Online-Akitivitäten der SRG. Wille signalisierte zwar Gesprächsbereitschaft, hielt aber auch fest: Da gebe es eine Differenz mit dem Verleger der TX Group.
Michael Wanner sprang Supino bei und forderte klare Spielregeln für das Online-Angebot der SRG. Seit die SRG ihre Radiosender nicht mehr über UKW verbreite, gewännen die privaten Radiosender Marktanteile. Es sei falsch, dass die Online-Aktivitäten des Rundfunks nicht in Konkurrenz zum Angebot der Privaten stehe, die keine Gebühren dafür erhielten.
Guy Parmelin betont Bedeutung der Medien
Der Chef der NZZ, Felix Graf, betonte: Das Internet sei inzwischen «voller Trash.» Die Herausforderung für die Journalisten bestehe darin, wertvolle Informationen herauszufiltern. Graf erachtet es als fraglich, dass im Schweizer Mediensystem langfristig «genug Geld bleibt.» Darum müssten die Medienunternehmen zusätzliche Ertragsquellen erschliessen.
Die Diskussion ging hin und her, da wurde Susanne Wille von der Moderatorin gefragt, ob der Radiosender SRF 2 Kultur tatsächlich geschlossen werden könnte. Wille antwortete: Die SRG müsse 270 Millionen Franken einsparen. Aber der Radiosender SRF 2 bleibe.
Schweizer Kulturschaffende hatten in den vergangenen Wochen die mögliche Schliessung des Kultur-Spartensenders scharf kritisiert.
Die 15.Ausgabe des Swiss Media Forums war von Bundespräsident Guy Parmelin eröffnet worden. Er sagte in seiner Ansprache, dass das frühere Monopol der traditionellen Massenmedien mit dem Aufkommen der Social-Media-Plattformen gefallen sei. Aufmerksamkeit und Werbegelder flössen zunehmend zu den Plattformen.
Die wirtschaftliche Situation der klassischen Medien habe sich dadurch grundlegend verändert, nicht aber deren Verantwortung. Im Gegenteil, sie sei gewachsen. In den sozialen Medien verbreiteten sich Hassrede und Desinformation. «Daraus ergibt sich eine Chance für journalistische Medien. Sie gewinnen an Bedeutung, weil sie Orientierung bieten. Sie schaffen Vertrauen durch verlässliche Information», sagte Parmelin. Die Herausforderung bestehe heute darin, diese wichtige Aufgabe mit weniger finanziellen Mitteln zu erfüllen. (aargauerzeitung.ch)

