Schweiz
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Die Basler Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz will für einen Freispruch kämpfen. (Archivbild)

Anni Lanz im Dezember 2018 vor der Verhandlung beim Bezirksgericht Brig. Bild: KEYSTONE

Anni Lanz wollte suizidgefährdetem Flüchtling helfen – Bundesgericht bestätigt Strafe

An einem Wintertag wollte Anni Lanz einen frierenden abgewiesenen Asylbewerber von Italien zurück in die Schweiz holen. Jetzt hat das Bundesgericht die Strafe wegen Förderung der illegalen Einreise gegen die älteste Flüchtlingshelferin der Schweiz bestätigt. Lanz prüft nun, das Urteil beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg anzufechten.

Kari Kälin / ch media



Anni Lanz fackelte nicht lange. Als die heute 74-jährige Baslerin erfuhr, dass Tom (Name geändert), ein von der Schweiz nach Italien abgeschobener afghanischer Asylbewerber, am 24. Februar 2018 bei Minustemperaturen im Bahnhof Domodossola gestrandet war, fuhren Toms Schwager und sie an den Ort des Geschehens. Sie wollten den jungen Mann, der zuvor mehrere Suizidversuche begangen hatte, wieder in die Schweiz zurückbringen. Die älteste Flüchtlingshelferin der Schweiz sah an diesem Samstag, als Tom an Erfrierungserscheinungen litt, keine Alternative, um ihn aus einer Notlage zu befreien.

Die Grenzwächter in Gondo stoppten das Unterfangen und schickten Tom zurück nach Italien. Lanz kassierte einen Strafbefehl wegen Förderung der illegalen Einreise. Es handelt sich um jenen Artikel im Strafgesetzbuch, der sich gegen professionelle Schlepper richtet. Das Bezirksgericht Brig und das Kantonsgericht Wallis bestätigten das Verdikt im Grundsatz: Lanz kassierte eine Busse von 800 Franken, ihr Vergehen wurde jedoch als leicht taxiert.

Das Bundesgericht verweist auf Alternativen

Lanz zog das Urteil ans Bundesgericht weiter und verlangte einen Freispruch. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisierten, es dürfe nicht sein, dass ein Akt der Nächstenliebe kriminalisiert werde. Die Richter in Lausanne haben jetzt aber das Verdikt gegen Lanz bestätigt. Sie argumentieren, die Beschwerdeführerin könne für ihr Vorgehen keinen Notstand geltend machen. Das heisst: In den Augen des Bundesgerichts hätte Lanz eine unmittelbare Gefahr für Tom auch anders abwenden können, als ihn die Schweiz zu schleusen - zum Beispiel, indem sie sich um Alternativen wie Notschlafstellen gekümmert hätte.

La militante pour les droits de l'homme Anni Lanz arrive pour son proces en appel, etant accusee d'avoir fait revenir illegalement un refugie en Suisse, devant le tribunal cantonal valaisan ce mercredi 21 aout 2019 a Sion. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Anni Lanz: «Er hätte Schaden genommen, hätte ich nicht geholfen.» Bild: KEYSTONE

Bei einem Notfall, hält das Gericht fest, wäre auch eine Behandlung im Spital Domodossola oder in Mailand möglich gewesen. Und es leuchte nicht ein, weshalb Tom und Lanz nicht mit den Behörden, den Gesundheitsinstitutionen oder der Schweizer Grenzwache Kontakt aufgenommen hätten, falls Toms Verfassung derart dramatisch gewesen sei. Lanz ihrerseits gab in den Befragungen zu Protokoll, Tom habe die Schweizer Grenzwächter vergeblich um Hilfe gebeten. Die italienische Polizei habe ihm schliesslich lediglich einen windgeschützten Ort in einer Bauruine des Bahnhofs zugewiesen.

Sie habe nicht behauptet, Tom habe sich in unmittelbarer Lebensgefahr befunden, sagt Lanz.

«Eine Gefahr an Leib und Leben bedeutet nicht, dass man in den nächsten Minuten sterben muss.»

Sie habe damals keine andere Lösung gesehen, als Tom aus rein humanitären Motiven in die Schweiz zurückzunehmen. «Er hätte Schaden genommen, hätte ich nicht geholfen», sagt Lanz zum Urteil aus Lausanne. Es zeige, wie hart im Ausländerrecht geurteilt werde. Amnesty International kritisierte, es sei zu viel verlangt, von einer Einzelperson alle möglichen Abklärungen vor Ort zu treffen und die italienischen Behörden - an einem Wochenende notabene - um Hilfe zu ersuchen.

Jahrelanges Engagement für Flüchtlinge

Lanz erwägt, das Urteil an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg weiterzuziehen, wie sie auf Anfrage mitteilt. Die ehemalige Sekretärin der Migrationsorganisation «Solidarité sans frontières» besucht noch immer regelmässig abgewiesene Asylbewerber in Ausschaffungsgefängnissen, schreibt Rekurse gegen Wegweisungen. Sie engagiert sich seit Jahrzehnten für Flüchtlinge.

Wie es Tom heute geht, weiss Lanz nicht. Dessen letzter Facebookeintrag stammt vom Mai letzten Jahres. Nach dem Vorfall in Domodossola half ihm zunächst die Tessiner Flüchtlingshelferin Lisa Bosia, in Italien ein neues Asylgesuch zu stellen und eine Unterkunft zu erhalten. Nach einem Suizidversuch in Italien gelangte er mit Unterstützung von Bosia in eine psychiatrische Klinik. Er lache nie, sagte Bosia gegenüber unserer Zeitung. Seine Schwester und sein Schwager seien die einzigen Bezugspersonen in Europa.

Das Bundesgericht seinerseits hielt fest, Tom sei nach der gescheiterten Einreise in die Schweiz in einer italienischen Psychiatrie behandelt worden. Im Entlassungsbericht sei ausdrücklich vermerkt, die Psychiatrie garantiere die gesundheitliche Versorgung des Patienten. Tom beging in Italien mehrere Suizidversuche.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Demetria 07.08.2020 14:05
    Highlight Highlight Das coolste Grossmami der Schweiz. Man sollte ihr ein Denkmal auf Instagram oder TicToc setzen (also da wo es der nervige Teil der Senioren nicht mitkriegt). Die Frau is eine Inspiration.
  • Kanuli 07.08.2020 12:54
    Highlight Highlight Bin grundsätzlich ja schon für Nächstenliebe und Gerechtigkeit. Aber man muss sich trotzdem an Gesetze halten. Die Ausreden gefallen mir auch nicht. Sie hätte ihn sicher in einem günstigen Hotel für ein paar Tage einquartieren können, bis sie mit den Behörden ordentlich Kontakt hätte aufnehmen können. Jemanden über die Grenze schmuggeln "muss" in Europa doch hoffentlich niemand, um zu überleben.
  • Der Buchstabe I 07.08.2020 08:30
    Highlight Highlight Auch wenn ich grosse Sympathie für Frau Lanz hege, in einem funktionierenden Rechtsstaat müssen Gesetze für alle Gelten. Auch für jene, die sie für Gutes brechen. Wenn man plötzlich Rosinen pickt, geht das System irgendwann zugrunde.
  • simiimi 07.08.2020 07:58
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • Rene Tinner 07.08.2020 07:42
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 07.08.2020 06:37
    Highlight Highlight Wäre der Flüchtende mehrfacher Millionär oder Milliardär, dann wäre alles kein Problem gewesen. Dann hätte der Mann den besten Service der Schweiz kennen gelernt, ein paar Politiker hätten ihm die Hand geschüttelt (symbolisch zu verstehen) und jede Bank hätte ihn gerne als Kunden gehabt.
    • karl_e 07.08.2020 11:29
      Highlight Highlight Vielleicht beansprucht Juan Carlos, ehemals König von Spanien, demnächst diesen VIP-Service?
    • Kanuli 07.08.2020 12:50
      Highlight Highlight @Stefan Morgenthaler-Müller: Was genau wollen Sie damit ausdrücken? Auch als Millionär hätte er kein Asylgesucht stellen können, da Einreise in Italien geschah. Richtig ist allerdings, dass man eine Aufenthaltsbewilligung erhalten kann: Nichterwerbstätige müssen über genügend finanzielle Mittel verfügen, damit sie nicht sozialhilfeabhängig werden und dem Aufnahmestaat zur Last fallen;
      Das sind allerdings 2-Paar-Schuhe, im einen Fall kann die Schweiz Asyl gewähren, wenn berechtigt, und muss helfen. Im anderen Fall darf man bleiben und sich selbst versorgen.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 07.08.2020 14:31
      Highlight Highlight @Kanuli. Ich bin einwenig überrascht, dass Sie sich nicht vorstellen können, was ich damit aussagen möchte. Wer in der Schweiz Geld hat, ist willkommen, wer keine hat, i.d.R. nicht. Darum sind laufen in der Schweiz auch all die Diskussionen um Flüchtende. Wären das alles Millionäre, würde man Sie mit Handkuss aufnehmen. Ergo: Der Schweiz geht es in erster Linie ums Geld. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie niemandem zur Last fallen. Jeder fällt irgendwem zu Last, so ist es nunmal, wenn man lebt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Antichrist 07.08.2020 06:34
    Highlight Highlight Wenn jeder das Gesetz mit vorgetäuschten Suiizidversuchen umgehen kann, dann brauchen wir keine Gesetze.
  • Gzdt 07.08.2020 05:54
    Highlight Highlight Wo kann man für die gute Frau spenden?
    • Georgia Byrd 07.08.2020 08:49
      Highlight Highlight Wenn Du Sie unterstützen möchtest kannst Du Ihr helfen den Art.116 des Ausländer-Gesetz zu ändern (was Ihr Ziel ist. Sie wusste dass Sie gegen das Gesetz verstosst. Oder kauf Ihr Buch).

      Die Schweiz als menschenfeindlich hinzustellen ist so überzogen wie Frau Lanz als Straftäterin (trotz Gesetzesbruch). Recht haben bedeutet eben nicht immer = Recht bekommen und umgekehrt (das gilt auch für die Rechtssprechung des EMRG). Gesetze, egal welche, sind immer auf Missbrauch aufgebaut. Werden Gesetze verschärft, dann weil die bestehenden missbraucht werden können und auch werden (von Oben wie Unten).
  • Krusty 07.08.2020 03:49
    Highlight Highlight Bei der Strafe hätte man ja auch ein Auge zudrücken können. Wenn man bedenkt, dass bei ganz anderen Sachen weggeschaut wird.
  • ostpol76 07.08.2020 00:48
    Highlight Highlight Man stelle sich vor, jeder darf ungestraft machen, was er moralisch für richtig hält, dies wäre das Ende für den Rechtstaat.
    • Krusty 08.08.2020 02:23
      Highlight Highlight Und der anfang der anarchie
  • HP G 06.08.2020 23:31
    Highlight Highlight Um die Macht zu manifestieren, brauchen die Herrscher Kleine, um zu beweisen, wer am längeren Hebel drückt.
    sorry Anni...
    Vielleicht ein nächstes Mal.
    In dif world ❤️
    Menschlich, emphatisch, liebend...
    So wie es sein sollte.
  • Gzdt 06.08.2020 22:48
    Highlight Highlight Und das in der Schweiz😭 Zum Fremdschämen und an Peinlichkeit nicht zu übertreffen das BG-Urteil, aber zu Trumpzeiten ist auch das nicht mehr verwunderlich!
    Ich hoffe sie zieht es weiter an das EuGh.

    Wo kann man der guten Frau helfen und spenden?
  • banda69 06.08.2020 22:45
    Highlight Highlight Das sind halt die menschenfeindlichen Schweizer Werte, für die die SVP einsteht.
  • TheLeg 06.08.2020 22:34
    Highlight Highlight Diese Frau ist eine Heldin!
  • MaximaPoena 06.08.2020 22:12
    Highlight Highlight Ein juristisch einwandfreies Urteil. Nicht mehr und nicht weniger ist die Aufgabe der Judikative. Falls eine Mehrheit des Stimmvolks den Austritt aus dem Dublin-Abkommen wünscht, damit Asylsuchende hier ein separates Gesuch stellen können, dann soll es so sein. Bis dann ist aber geltendes Recht anzuwenden.
  • carlen 06.08.2020 22:05
    Highlight Highlight Die Menschen, die gegen Anni Lanz blitzen, sind sehr wahrscheinlich nicht sehr empathisch. Jeder von uns wird eines Tages sterben und wer weiss, vielleicht gibt es dann eine Ueberraschung.... insbesonders für Menschen, die nicht sehr ethisch, human und aufrichtig in ihrem Leben waren... mal schauen. Das wird sehr spannend!
    • IZO 07.08.2020 07:26
      Highlight Highlight Ja, die werde als Käfer wiedergeboren


      Sorry konnte mir den Seitenhieb nicht verkneiffen 😉
    • Carl Gustav 07.08.2020 07:44
      Highlight Highlight Wer in einem Diskussionsforum gegen oder für blitzt, wird nach dem irdischen Leben dafür bestraft😱
      Hatte schon lange Angst davor, dass aus dem selbstgerechten Moraladel mal eine gefährliche Sekte entsteht...
  • sentir 06.08.2020 22:00
    Highlight Highlight "Lanz kassierte einen Strafbefehl wegen Förderung der illegalen Einreise. Es handelt sich um jenen Artikel im Strafgesetzbuch, der sich gegen professionelle Schlepper richtet."

    Eine einzelne Privatperson, die sich um einen Mitmenschen in Not kümmert, ist also schon ein professioneller Schlepper.
    Manchmal verstehe ich die Auslegung unserer Gesetze ganz und gar nicht.
  • SGR 06.08.2020 21:53
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • banda69 06.08.2020 22:43
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Emil Eugster 07.08.2020 01:39
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • Erklärbart. 06.08.2020 21:47
    Highlight Highlight Mein Gott. Im Wallis habt ihr üblere Verbrecher als diese Dame. Infantino. Aber den traut ihr ja nicht so hart in die Mangel zu nehmen. Verkehrte Welt.
  • Linus Luchs 06.08.2020 21:46
    Highlight Highlight "HUMANITÄRE Tradition", "CHRISTLICHE Werte" - und was sonst noch so alles auf die Schweizer Fahne geschrieben wird. Dieser Fall zeigt die Realität.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 06.08.2020 22:23
      Highlight Highlight Besonders auf die christlichen Werte und Traditionen berufen sich ja ausgerechnet diejenigen am liebsten, die am lautesten gegen Ausländer und besonders Flüchtlinge fluchen.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 06.08.2020 23:39
      Highlight Highlight Das sind die plattesten Plattitüden. Für mich sind so Wörter wie "Tradition", "christlich" oder "Werte" pure Allergiebegriffe. Da bekomme ich nur einen dicken Hals davon.

      Für die Schweiz ist es eben auch in Ordnung, die Umwelt und Böden anderer Länder zu vergiften und unbewohnbar zu machen, solange dafür ausreichend Milliarden in die Steuerkassen fliessen. Da kauft sich die Schweiz davon dann gerne noch ein paar billige Klimazertifikate, um eine noch weissgewascherene Weste zu haben. Der Dreck steckt aber eben tiefer in der Faser. Den sieht man so von blossem Auge nicht...
  • Lowend 06.08.2020 21:23
    Highlight Highlight Henry Dunant, der Humanist und Gründer des Roten Kreuzes, würde sich ob der geltenden Gesetze und der fremdenfeindlichen Haltung der heutigen Schweiz vermutlich im Grab umdrehen.
    • Queen C 06.08.2020 22:26
      Highlight Highlight Fremdenfeindliche Haltung? Wieviel Prozent der CH Bevölkerung haben nochmals Migrationshintergrund?
      In welcher Welt lebst du eigentlich?
    • Levi Vodica 07.08.2020 01:10
      Highlight Highlight Nein würde er nicht. Was soll man denn tun? Die Gesetze sind gegen Schlepper gerichtet und absolut legitim.
  • Habicht 06.08.2020 21:00
    Highlight Highlight Wenn jemand mehrere Suizidversuche begeht, möchte sich die Person eher weniger umbringen. Das Ziel ist viel mehr die Aufmerksamkeit, von wem auch immer.
    Ich möchte hier nicht alle Suizidversuche der Flüchtlinge bagatellisieren aber bei einem Teil der Versuche, diese sind meistens auch bei weitem nicht lebensgefährlich, steht nicht der Tod im Vordergrund.
    • Sparkling Rose 06.08.2020 23:17
      Highlight Highlight Ach und dass solche Gedanken erst entstehen? Vielleicht ist es bloss ein Schrei nach Aufmerksamkeit, aber zugleich ist es ein lauter Hilfeschrei. Solchen Menschen gehört geholfen, egal von welchem Land.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 06.08.2020 23:48
      Highlight Highlight "Auffällig ist auch, dass Suizidversuche häufig von jungen Frauen unternommen werden. Diese sind als Hilferufe zu werten und ein Anzeichen für ernstzunehmende psychische Probleme. Zudem versucht etwa jeder Dritte nicht nur einmal sich selbst zu töten, sondern unternimmt weitere Versuche."

      Schon zwei Versuche sind mehrere Versuche. Nämlich derer zwei. Es ist gar nicht so einfach, eine "erfolgreiche" und für sich praktikable Methode zu finden. Selbst Schusswaffenssuizide schlagen oft fehl.

      So vom Bildschirm aus ohne genaue Fallkenntnis würde ich mich zurückhalten mit solchen Kommentaren.
    • vescovo 07.08.2020 00:44
      Highlight Highlight Also er soll zuerst beweisen, dass er es mit dem Suizid ernst meint? Oder wie soll man das jetzt verstehen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nicky11 06.08.2020 20:16
    Highlight Highlight Eine starke, mutige Frau! Ganz unabhängig von dieser Geschichte würde ich dafür plädieren, das Wort "Flüchtling" auszutauschen mit "Geflüchtete" oder "Geflüchteter". Der Shitstorm der Anti-PC mag jetzt über mich hereinprasseln, aber ich finde diese Bezeichnung irgendwie respektvoller. Ein -ling am Ende klingt einfach nicht nach Mensch. Ich möchte jedenfalls nicht mit -ling Endung genannt werden (Menschling, Einwohnerling, Frauling, Mutterling, Arbeiterling, Währerling, Schweizerling...)
    • Nicky11 06.08.2020 20:49
      Highlight Highlight ... da fällt mir ein: Erdling - damit könnte ich mich anfreunden. Das wären aber dann wir alle ;-)
    • MCN1988 06.08.2020 22:37
      Highlight Highlight Im Asylwesen heisst es Asylsuchender oder Gesuchsteller. Flüchtlinge haben einen Flüchtlingsstatus und einen positiven Asylentscheid erhalten, also ein Bleiberecht in der Schweiz.
    • ikbcse 06.08.2020 23:23
      Highlight Highlight Sorgen hast Du, @Nicky. Da kann ein echter Flüchtling sicherlich nur drüber lachen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • pamayer 06.08.2020 20:15
    Highlight Highlight Wenn es um Leben von Flüchtenden geht, muss die Schweiz das Attribut "Humanität" ins WC spülen.

  • Kolo 06.08.2020 20:10
    Highlight Highlight Liebe mitmenschen die hier Blitze verteilen: offenbar habt ihr eine Meinung. Die Meinung scheint zu sein, dass Frau Lanz nicht hätte helfen sollen, nicht hochachtung und Würdigung verdient. Seid doch nicht so feige, sondern schreibt doch eure Meinung. Das wäre dann immerhin eine Basis für einen Dialog. Nur Blitzen, ist schlicht und einfach billig.
    • Wandervogel 06.08.2020 22:02
      Highlight Highlight Es gibt ja zum Glück nicht nur schwarz oder weiss. Trotzdem muss in einem Rechtsstaat ein Gesetzesverstoss sanktioniert werden, auch wenn jemand aus moralischer Sicht richtig handelt. Wenn ich ins Migros einbreche um einer hungernden Person Essen zu bringen, kann ich auch nicht erwarten, straffrei davon zu kommen, auch wenn ich „richtig“ gehandelt habe. In einem Rechtsstaat sind Gerechtigkeit und Recht oftmals sehr weit voneinander entfernt.
    • TheLeg 06.08.2020 22:43
      Highlight Highlight Sind denn alle Gesetze richtig/unfehlbar/Zeitgerecht? wieso werden in diesem Fall immer wieder neue Gesetze verabschiedet? Auch die Rechtssprechung entwickelt sich immer weiter ?
    • Amateurschreiber 06.08.2020 23:51
      Highlight Highlight Ich habe nicht geblitzt. Ich finde es auch gut, dass Frau Lanz helfen wollte.
      Mit zwei Punkten habe ich aber grosse Mühe:
      - So Forderungen à la "die Richter sollten da ein Auge zudrücken". Gerichte sollen (vor allem) politisch unabhängig sein und nicht nach eigenem Gutdünken Gnade vor Recht gelten lassen. Oder sollen im Gegenzug "rechte" Richter Rassismus als "freie Meinungsäusserung" behandeln?
      - Diese Arroganz gegenüber dem Ausland. Italien und auch andere europäische Länder mögen nicht so reich sein wie die Schweiz. Aber sie bieten auch einen hohen Lebensstandard und sind rechtsstaatlich.
    Weitere Antworten anzeigen
  • MCN1988 06.08.2020 20:03
    Highlight Highlight So ist nunmal das Gesetz. Da der Mann zuerst in Italien war, ist gemäss Dublin-Abkommen Italien für die Prüfung seiner Asylgründe zuständig. Wenn Frau Lanz den Mann dann wieder versucht in die Schweiz zu holen ist das nunmal illegal, die Gründe für dieses illegale Handeln interessiert das Gesetz nicht.
    • Töfflifahrer 06.08.2020 20:30
      Highlight Highlight Allerdings sollten unsere Gesetze die Bundesverfassung umsetzen. Frau Lanz hat genau das getan. Und jetzt könnt ihr Blitzen.
    • Garp 06.08.2020 20:31
      Highlight Highlight Und wie stehst Du persönlich zu diesem Gesetz?

    • insert_brain_here 06.08.2020 22:23
      Highlight Highlight @MCN1988: Öhm doch, die Handlungsmotivation spielt sogar eine sehr zentrale Rolle in der Rechtssprechung. Es macht einen massiven Unterschied ob eine Person aus niederen Beweggründen wie persönliche Bereicherung oder Rache handelt, oder ob sie unter Inkaufnahme persönlicher Nachteile einer anderen Person helfen will.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jessesgott! 06.08.2020 19:16
    Highlight Highlight Menschlichkeit und geltende Gesetze lassen sich oft nicht vereinbaren. Deshalb entstehen immer wieder tragische Geschichten, verbunden mit grossem menschlichen Leid. Hochachtung und Respekt vor Menschen wie Anni Lanz. Bei ihr zählt Gerechtigkeit, Humanismus, soziales Engagement, Empathie, Intelligenz, kritisches Hinterfragen und Solidarität. Im Gegensatz zu anderen, die nur von Macht, Geld, Status, Egoismus und Gier getrieben sind und dafür über Leichen gehen. Die Namen vieler Menschen dieser Art sind uns längst bekannt. Und wir lassen sie gewähren. Grauenhaft.
    • Jessesgott! 06.08.2020 20:19
      Highlight Highlight Ich gehe davon aus, dass die Blitzer von Macht, Geld, Status, Egoismus und Gier getrieben sind. Genau das muss sich ändern.
    • Töfflifahrer 06.08.2020 20:33
      Highlight Highlight Nein von Neid und Missgunst. Die Flüchtlinge könnten ja was gratis erhalten was die Blitzer nicht erhalten.
      So nach der Logik, was für faule Kerle, hängen nur rum und nehmen unser Steuergeld. Wirft man ein, dass die ja gar nicht arbeiten dürfen, will das dann niemand hören.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 06.08.2020 21:21
      Highlight Highlight Meine Blitze dafür, dass sie meint, sich über internationale Abkommen hinweg setzen zu müssen.
      Tom wurde nicht nach Afrika deportiert, sondern dahin zurück gebracht, wo er nach Abkommen seinen Antrag stellen kann und muss.
      Das hat mit Neid oder Missgunst nichts zu tun . Danke der Nachfrage mur geht es finanziell, sozial und gesundheitlich gut.
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