DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Basler Regierung will Asylbewerber nicht ausschaffen – droht nun eine Anzeige aus Bern?

Für die Basler Regierung könnte es ungemütlich werden. Denn jetzt muss sich der Bundesrat um den Fall des Afghanen A. kümmern.

Daniel Ballmer / ch media



Nun könnte es für die Basler Regierung ungemütlich werden. Denn jetzt muss sich der Bundesrat um den Fall des Afghanen A. kümmern. Die Basler Regierung weigert sich, diesen nach Österreich abzuschieben. Dort hatte der Asylbewerber sein Gesuch für den Eintritt in den Dublin-Raum gestellt.

Eine Frau haelt ein Plakat mit der Aufschrift

Asylproteste in Basel 2016 Bild: KEYSTONE

Die Kantonsregierung folgt damit dem Auftrag des Grossen Rats, der eine Petition gegen die Ausweisung überwiesen hat. Gleichzeitig aber widersetzt sie sich damit einem rechtskräftigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Auch das Staatssekretariat für Migration hat einen Antrag für einen sogenannten Selbsteintritt, also den Fall nochmals aufzurollen, abgelehnt.

Für den Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner stellt das Vorgehen einen klaren Rechtsbruch durch die Kantonsregierung dar. «Der Bund wird nicht gleich die Armee schicken, aber ich bin gespannt, wie er darauf reagiert», sagt Frehner. In der soeben gestarteten Sommersession reicht er deshalb eine Anfrage an den Bundesrat ein.

Frehner will von der Landesregierung, und ganz besonders von FDP-Justizministerin Karin Keller-Sutter wissen, ob sie bereit ist, gegen die Mitglieder der Basler Regierung eine Strafanzeige einzureichen.

Vorwurf: Verstoss gegen ausländerrechtliche Normen, insbesondere Beihilfe zum illegalen Aufenthalt. Die SVP Schweiz bezeichnet Basel-Stadt gar als «Bananenrepublik», wo die Regierung ihre eigenen Regeln aufstelle.

Bund plädierte für Ausschaffung

Der Jugendliche A. war als Kind mit den Eltern nach Iran geflüchtet; ein Asylgesuch in Österreich wurde abgelehnt. Daher trat der Bund nicht auf jenes in der Schweiz ein. In der Heimat fürchte er die Rache der Taliban. Mangels Papieren kann er sein Alter nicht beweisen. In der Schweiz gilt er als volljährig – als Minderjähriger würde er grösseren Schutz geniessen.

Sein Anwalt bezeichnet ihn wegen eines erzwungenen Einsatzes als Kindersoldaten; er sei psychisch angeschlagen und suizidgefährdet. Der Bund liess das Alter per Handknochen-Analyse bestimmen. Diese befand A. als 19-jährig, also erwachsen.

Sebastian Frehner, SVP-BS, spricht zur Vorsorgedebatte an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 13. Maerz 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner klopft beim Bundesrat an. Bild: KEYSTONE

Anders als in Österreich hofft er in der Schweiz auf eine vorläufige Aufnahme. Denn hier wird die Lage in Afghanistan anders beurteilt als in Österreich. Der Bund jedoch verweist auf das abgelehnte Asylgesuch im Schengen-Erstland.

Dass der Bund vom Vorgehen der Basler Regierung wenig begeistert sei, zeige ja der Umstand, dass er dessen Ersuchen um einen humanitären Selbsteintritt abgelehnt hat, findet Frehner. Er regt daher an, dass ersatzweise Bundesbehörden wie die Bundespolizei oder die Grenzwache die Abschiebung durchführen.

In ihrer Antwort auf einen Vorstoss von SVP-Grossrat Joël Thüring weist die Basler Regierung allerdings darauf hin, dass die Überstellungsfrist jetzt abgelaufen sei. Daher werde der Bund ein Asylverfahren durchführen, weil der Entscheid der österreichischen Asylbehörde keine Geltung mehr habe.

«Glaubwürdigkeit verspielt»

Für die Basler SVP ist das nicht weniger als skandalös. Damit bleibe der Basler Steuerzahler auf den Kosten sitzen. In den nächsten sieben Jahren sollen die an den Asylbewerber entrichteten Pauschalen nach Angaben der Regierung rund 130'000 Franken kosten.

Mit dem Entscheid, der gegen Bundesweisung und Dublin-Abkommen verstosse, habe die Regierung sämtliche Glaubwürdigkeit verspielt, schreibt die SVP in einer Mitteilung. Sie schaffe ein «ungeheuerliches Präjudiz» und habe die eigenen Fachbehörden im Justizdepartement überstimmt, die sich für die Abschiebung aus fachlichen und juristischen Gründen ausgesprochen hätten. So verkomme Basel zum «Mekka illegaler Asylbewerber», gibt sich die Volkspartei entrüstet. (bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Unsere Lieblings-Afghanen...

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Massentest-Musterschülerin Graubünden prescht voran – während die anderen Kantone trödeln

Während viele Kantone erst ihre Testkonzepte ausarbeiten, testet man im Bündnerland seit Anfang Februar bereits massenhaft Menschen auf das Coronavirus. Martin Bühler, Chef des kantonalen Führungsstabs, über die Hintergründe.

Würde man die ganze Schweizer Bevölkerung einmal pro Woche auf das Coronavirus testen, dann sänke nicht nur der R-Wert auf unter 1, sondern auch die Anzahl Infektionszahlen ginge insgesamt zurück. Zu diesem Schluss kamen die beiden ETH-Professoren Patrick Jenny und Dietrich Hardt, wie die «Rundschau» berichtete.

>>> Alle Entwicklungen zum Corona-Virus

Auch die Gesundheitskommission des Ständerats sieht die Coronatests als einen grossen Hebel im Kampf gegen die Pandemie. Sie fordert den …

Artikel lesen
Link zum Artikel