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Wer in die Schweiz kommt – und warum: Fakten zur Zuwanderungsdebatte

Wer in die Schweiz kommt – und warum: Fakten zur hitzigen Zuwanderungsdebatte

Die SVP entfacht mit ihrer Initiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz heftige Diskussionen: Strahm attackiert die SP, Badran schiesst zurück. Und wir liefern die wichtigsten Zahlen.
12.04.2026, 18:4212.04.2026, 18:42
Julian Spörri
Julian Spörri

Die Zuwanderung bleibt das Reizthema der Schweizer Politik. Am 14. Juni stimmt das Volk über die Nachhaltigkeitsinitiative ab. Die SVP will die Bevölkerungsgrösse mit der Vorlage auf 10 Millionen begrenzen. Vorgesehen sind schrittweise Massnahmen zur Einhaltung dieses Grenzwerts – andernfalls müsste der Bundesrat die Personenfreizügigkeit kündigen.

Mit der Initiative treibt die SVP die anderen Parteien vor sich her. Am Dienstag hat Rudolf Strahm den Kurs seiner SP scharf kritisiert, jetzt kontert Parteikollegin Jacqueline Badran im Interview mit dieser Zeitung. Bis zur Abstimmung im Juni (und darüber hinaus) werden die hitzigen Diskussionen andauern. Umso wichtiger ist es, die wichtigsten Zahlen im Kopf zu haben.

Viele dürften an einen Flüchtling aus Syrien oder Afghanistan denken, wenn das Schlagwort Zuwanderung fällt. Die Mehrheit der in die Schweiz eingewanderten Menschen stammt jedoch aus Europa. So wanderten 2025 netto knapp 75'000 Personen zu: 68 Prozent aus der EU und den Efta-Ländern (Island, Liechtenstein, Norwegen), 32 Prozent aus Drittstaaten.

Nachbarländer stehen auf dem Podest

Bei den Drittstaaten waren die Ukraine, Afghanistan und der Kosovo in den letzten zehn Jahren die häufigsten Herkunftsländer. Aus dem EU-Raum lagen Deutschland, Italien und Frankreich an der Spitze.

An der vorrangigen Stellung der Nachbarländer bei der Zuwanderung hat sich seit Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 nichts geändert. Abhängig von den wirtschaftlichen Entwicklungen in den jeweiligen Ländern kam es jedoch durchaus zu Verschiebungen. So schoss etwa 2008 die Zahl der Deutschen im Zuge der Finanzkrise in die Höhe. Die Ankünfte aus südlichen Ländern – Italien, Spanien und Portugal – erreichten ihrerseits 2013 als Folge der Eurokrise einen Höhepunkt.

Dass die Zuwanderung über die Personenfreizügigkeit primär vom Arbeitsmarkt getrieben ist, bestätigen die Auswertungen des Bundes im Rahmen des Observatoriums zum Freizügigkeitsabkommen mit der EU. Gemäss dem neusten Bericht aus dem Jahr 2024 waren Jobs mit 71 Prozent der häufigste Einwanderungsgrund für Personen aus dem EU/Efta-Raum. Knapp ein Fünftel der Zuwanderung erfolgte im Rahmen eines Familiennachzugs. Der Rest entfiel zum grössten Teil auf Ausbildungsgründe (7 Prozent).

Anders präsentiert sich die Situation bei den Drittstaaten, bei denen der Arbeitsmarkt kaum eine Rolle spielt. Hier waren Familiennachzüge der häufigste Einwanderungsgrund (42 Prozent), gefolgt von Asylgesuchen (23 Prozent). Ihre Zahl schwankt von Jahr zu Jahr, abhängig von den globalen Migrationsströmen. 2025 wurden in der Schweiz 25'781 Asylgesuche gestellt. 7382 Personen erhielten einen positiven Bescheid, 5005 wurden vorläufig aufgenommen.

Von Uniabgängerinnen bis Saisonarbeitern

Auch bei der Arbeitstätigkeit bestehen deutliche Unterschiede. Bei Zugewanderten aus Drittstaaten liegt die Erwerbsquote bei unter 75 Prozent. Personen aus dem EU/Efta-Raum, die primär für Jobs in die Schweiz kommen, arbeiten dagegen sogar häufiger als Schweizerinnen und Schweizer: 2024 lag ihre Erwerbsquote bei 86,8 Prozent – gegenüber 84,9 Prozent in der einheimischen Bevölkerung.

Wer dank der Personenfreizügigkeit in die Schweiz zuwandert, kommt häufig in der Industrie, im Gesundheitssektor, im Handel, in der Wissenschaft oder im Bau- und Gastgewerbe unter. Die Spannbreite reicht somit von Niedriglohnberufen bis zu hochdotierten Positionen für Uniabgänger. Der Bund konstatiert dazu im Observatoriumsbericht, dass die Schweizer Wirtschaft in den letzten Jahren einerseits hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben habe, um den wachsenden Bedarf im Dienstleistungsbereich zu decken. Andererseits seien auch schlechter ausgebildete Arbeiter für das Saisongewerbe rekrutiert worden.

(aargauerzeitung.ch)

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84 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SpitaloFatalo
12.04.2026 19:00registriert März 2020
Die maximale Bevölkerungszahl in die Verfassung zu schreiben, ist keine gute Idee. Einfach nichts tun (Lösung nach FDP, Mitte, SP) aber auch nicht.
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Fight4urRight2beHighasaKite (420)
12.04.2026 19:25registriert April 2026
Seit 1970 ist die Schweiz in nur 56 Jahren von 6 auf 9 Millionen Einwohner angewachsen. 1970 war zwar längst nicht alles besser, aber ein Einkommen konnte damals eine Familie ernähren und oftmals im Verlaufe des Lebens Wohneigentum erwerben. Heute stehen zwei Einkommen Schlange für eine ranzige Mietwohnung. Wem also hat diese wahnhafte Zuwanderung wirklich was gebracht ausser den Konzernen? Economiesuisse kämpft nicht grundlos an vorderster Front gegen diese Initiative. Geht denen nicht auf den Leim, Zuwanderung dient nur den Reichen und schadet dem einfachen Bürger!
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Wenn nicht Ich wer dann
12.04.2026 19:34registriert Juli 2019
Klammert man die Ukraine kriegsbedingt aus und schaut sich die Liste der Einwanderungen nochmals an wird eines klar. 3 der Top Problemverursacher namentlich aus Afgahnistan, Syrien und Eritrea stehen prozentual ganz weit oben. Diese meist jugendlichen Männer sind ein Problem für das sicherheitsempfinden vieler Schweizer. Auch weil sie vielfach in Gruppen auftreten und durch Ihr Aussehen von Vorhinein auffallen. Für einen Augenschein wie sich dies äussert empfehle ich den Zürcher HB am Wochenende ab 2200 Uhr.
Fakt ist Zuwanderung ist nicht NUR nötig, sondern in manchen Fällen klar zu verhindern
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