Wer in die Schweiz kommt – und warum: Fakten zur hitzigen Zuwanderungsdebatte
Die Zuwanderung bleibt das Reizthema der Schweizer Politik. Am 14. Juni stimmt das Volk über die Nachhaltigkeitsinitiative ab. Die SVP will die Bevölkerungsgrösse mit der Vorlage auf 10 Millionen begrenzen. Vorgesehen sind schrittweise Massnahmen zur Einhaltung dieses Grenzwerts – andernfalls müsste der Bundesrat die Personenfreizügigkeit kündigen.
Mit der Initiative treibt die SVP die anderen Parteien vor sich her. Am Dienstag hat Rudolf Strahm den Kurs seiner SP scharf kritisiert, jetzt kontert Parteikollegin Jacqueline Badran im Interview mit dieser Zeitung. Bis zur Abstimmung im Juni (und darüber hinaus) werden die hitzigen Diskussionen andauern. Umso wichtiger ist es, die wichtigsten Zahlen im Kopf zu haben.
Viele dürften an einen Flüchtling aus Syrien oder Afghanistan denken, wenn das Schlagwort Zuwanderung fällt. Die Mehrheit der in die Schweiz eingewanderten Menschen stammt jedoch aus Europa. So wanderten 2025 netto knapp 75'000 Personen zu: 68 Prozent aus der EU und den Efta-Ländern (Island, Liechtenstein, Norwegen), 32 Prozent aus Drittstaaten.
Nachbarländer stehen auf dem Podest
Bei den Drittstaaten waren die Ukraine, Afghanistan und der Kosovo in den letzten zehn Jahren die häufigsten Herkunftsländer. Aus dem EU-Raum lagen Deutschland, Italien und Frankreich an der Spitze.
An der vorrangigen Stellung der Nachbarländer bei der Zuwanderung hat sich seit Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 nichts geändert. Abhängig von den wirtschaftlichen Entwicklungen in den jeweiligen Ländern kam es jedoch durchaus zu Verschiebungen. So schoss etwa 2008 die Zahl der Deutschen im Zuge der Finanzkrise in die Höhe. Die Ankünfte aus südlichen Ländern – Italien, Spanien und Portugal – erreichten ihrerseits 2013 als Folge der Eurokrise einen Höhepunkt.
Dass die Zuwanderung über die Personenfreizügigkeit primär vom Arbeitsmarkt getrieben ist, bestätigen die Auswertungen des Bundes im Rahmen des Observatoriums zum Freizügigkeitsabkommen mit der EU. Gemäss dem neusten Bericht aus dem Jahr 2024 waren Jobs mit 71 Prozent der häufigste Einwanderungsgrund für Personen aus dem EU/Efta-Raum. Knapp ein Fünftel der Zuwanderung erfolgte im Rahmen eines Familiennachzugs. Der Rest entfiel zum grössten Teil auf Ausbildungsgründe (7 Prozent).
Anders präsentiert sich die Situation bei den Drittstaaten, bei denen der Arbeitsmarkt kaum eine Rolle spielt. Hier waren Familiennachzüge der häufigste Einwanderungsgrund (42 Prozent), gefolgt von Asylgesuchen (23 Prozent). Ihre Zahl schwankt von Jahr zu Jahr, abhängig von den globalen Migrationsströmen. 2025 wurden in der Schweiz 25'781 Asylgesuche gestellt. 7382 Personen erhielten einen positiven Bescheid, 5005 wurden vorläufig aufgenommen.
Von Uniabgängerinnen bis Saisonarbeitern
Auch bei der Arbeitstätigkeit bestehen deutliche Unterschiede. Bei Zugewanderten aus Drittstaaten liegt die Erwerbsquote bei unter 75 Prozent. Personen aus dem EU/Efta-Raum, die primär für Jobs in die Schweiz kommen, arbeiten dagegen sogar häufiger als Schweizerinnen und Schweizer: 2024 lag ihre Erwerbsquote bei 86,8 Prozent – gegenüber 84,9 Prozent in der einheimischen Bevölkerung.
Wer dank der Personenfreizügigkeit in die Schweiz zuwandert, kommt häufig in der Industrie, im Gesundheitssektor, im Handel, in der Wissenschaft oder im Bau- und Gastgewerbe unter. Die Spannbreite reicht somit von Niedriglohnberufen bis zu hochdotierten Positionen für Uniabgänger. Der Bund konstatiert dazu im Observatoriumsbericht, dass die Schweizer Wirtschaft in den letzten Jahren einerseits hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben habe, um den wachsenden Bedarf im Dienstleistungsbereich zu decken. Andererseits seien auch schlechter ausgebildete Arbeiter für das Saisongewerbe rekrutiert worden.
(aargauerzeitung.ch)

