Schweiz
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SRF Arena zu Mietpreisen: Jacqueline Badran will Renditendeckel

Mitte-Politikerin Tina Deplazes (links) und SP-Vizepräsidentin Jacqueline Badran (rechts) gerieten in der Miet-«Arena »aneinander
Mitte-Politikerin Tina Deplazes (links) und SP-Vizepräsidentin Jacqueline Badran (rechts) gerieten in der Miet-«Arena »aneinanderBild: srf
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«Leben Sie wirklich auf 150 Quadratmetern, Frau Badran?» – «Geht's noch?»

Die Schweiz befindet sich an der Grenze zu einer Wohnungsnot. In der Miet-«Arena» wurde über Zuwanderung, Renditen und Quadratmeter gestritten – bis zum Eklat.
11.04.2026, 00:5311.04.2026, 01:36

Tina Deplazes (Die Mitte) ist eine Politikerin, die ihre Argumente ruhig vorträgt. Sachlich im Ton, souverän im Auftritt. In der Miet-«Arena» aber fährt sie Jacqueline Badran an:

«Ein bisschen mehr Respekt hätte ich von einer Nationalrätin schon erwartet.»
Tina Deplazes (Die Mitte)

Es ist das erste, aber nicht das letzte Mal, dass die beiden Politikerinnen in der Sendung aneinandergeraten. Welche Knöpfe hat Badran bei Deplazes gedrückt, um diese so gegen sich aufzubringen? Und was haben Mieten mit Joghurt und Turnschuhen zu tun?

Über die seit Jahren ungebremst steigenden Mieten – die «Arena»-Redaktion fand den bemerkenswert boulevardesken Begriff «Miet-Irrsinn» dafür – diskutierten bei Moderator Sandro Brotz:

  • Manfred Bühler, Nationalrat SVP/BE und Vorstand HEV Kanton Bern
  • Jacqueline Badran, Vizepräsidentin SP und Vorstand Mieterinnen- und Mieterverband
  • Tina Deplazes, Präsidentin Die Mitte Zürich
  • Michael Töngi, Vizepräsident der Grünen und Vizepräsident des Mieterinnen- und Mieterverbands

Die Fakten

Die Debatte um die steigenden Mieten in der Schweiz wird emotional geführt. Was einerseits daran liegt, dass es eine Mehrheit der Bevölkerung betrifft: Rund 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung wohnen zur Miete.

Andererseits verschärft sich das Problem seit Jahren – ohne dass die Politik überzeugende Lösungen dafür finden würde. Ein paar Zahlen:

Gemäss Mietbarometer, den der Mietverband in Auftrag gegeben hat, drücken rund 40 Prozent der Menschen in der Schweiz über einen Drittel ihres Einkommens für die Miete ab.

Ein immer grösserer Teil des verfügbaren Budgets geht für die Mietpreise drauf. Das heisst: Die Mietpreise sind in der Schweiz stärker angestiegen als die Reallöhne.

Der Anteil an leerstehenden Wohnungen am Gesamtwohnungsmarkt sinkt bedrohlich: Stand 1. Juni 2025 gab es in der Schweiz weniger als 50'000 Leerwohnungen. Oder anders ausgedrückt: Von 100 Wohnungen stand 1 leer.

Fällt die Leerwohnungsziffer unter ein Prozent, spricht man offiziell von einer Wohnungsnot. Das ist aktuell in 15 Kantonen der Fall.

Die Zuwanderung oder die Renditen?

Was aber hat Deplazes nun so aufgebracht?

Die meisten Menschen in der Schweiz seien zufrieden mit ihrer Wohnsituation, sagt Deplazes. Das Problem entstehe dann, wenn man auf Wohnungssuche gehen müsse – wenn man als junger Mensch von zuhause ausziehe, bei einer Familiengründung, im Scheidungsfall.

«Wir haben zu wenig Angebot, weil wir zu wenig bauen», sagt Deplazes. Dafür erntet sie ein lautes Aufstöhnen von Badran – es ist das, was Deplazes als respektlos empfindet.

Badran kontert: Es gehe halt auch nicht an, dass man in einer Sendung «faktenfernes Zeugs» behaupte. Es sei nämlich sogar mehr gebaut worden, als Leute zugewandert seien, sagt die SP-Vizepräsidentin:

Badran: «Mieten hätten sinken müssen!»

Video: srf/arena

Je länger die Miet-«Arena» dauert, desto klarer wird: Hier stehen sich Menschen mit nahezu unversöhnlichen Positionen gegenüber.

Auf der einen Seite die Linke, die sich für die Sache der Mieter einsetzt. Für sie sind die horrenden Mieten Ausdruck dafür, dass Liegenschaften zu Investitionsobjekten geworden sind, die möglichst viel Rendite abwerfen müssen.

Auf der anderen Seite sind Bürgerliche wie Manfred Bühler, die finden: Schuld an den hohen Mieten sind die vielen Regulierungen, die es quasi verunmöglichen würden, neue Wohnungsprojekte schnell zu bauen.

Auch ein Problem: Die grossen Immo-Firmen sind oft am längeren Hebel:

Und, natürlich, der SVP-Evergreen, die Zuwanderung.

Würde man die Migration in unser Land verringern, würde der Druck auf den Wohnungsmarkt subito geringer werden
Manfred Bühler (SVP)

Badran schäumt:

Die Mieten sind gestiegen, obwohl wir weit über die Zuwanderung hinaus gebaut haben. Wie vielmal soll ich es denn noch sagen, wie renitent kann man denn sein?
Jacqueline Badran (SP)

Das Problem seien vielmehr die illegalen Renditen, bei denen Mieterinnen und Mieter bis heute kaum ein Werkzeug hätten, um sich zu wehren, sagt Badran:

Badran: «Erklärt mir das mal!»

Video: srf/arena

Die Quadratmeter

Moderator Brotz wollte auch noch darüber sprechen, dass der und die Einzelne in der Schweiz immer mehr Platz beanspruchen: 1980 waren es noch 34 Quadratmeter pro Person, 2024 deren 47.

Für Deplazes und Bühler auch ein Zeichen von gestiegenem Wohlstand. Deplazes findet, es gebe kein Menschenrecht darauf, in der Stadt Zürich an bester Lage zu wohnen. Die Ansprüche der Menschen seien gestiegen, sagt Bühler:

Töngi gibt Paroli: «Die Leute haben keine Wahl»

Video: srf/arena

Die Leute hätten ja keine Wahl, sagt Töngi: «Man muss ja wohnen.» Deplazes erwidert, man müsse ja auch essen und gleichwohl sei die Lebensmittelbranche nicht gleich reguliert. Ein Argument, das Töngi nicht gelten lässt:

«Beim Joghurt kann ich vom einen Produkt aufs andere ausweichen. Das geht beim Wohnen nicht.»

Und auch Badran findet: «Das ist eine Bagatellisierungs-Rhetorik, als würde es um Turnschuhe gehen.» Die Realität sei eben genau nicht mehr, dass Angebot und Nachfrage spielen würden, eine echte Auswahl hätten Mieterinnen und Mieter schon lange nicht mehr.

Wir lernen: Eine Wohnung ist weder ein Joghurt noch ein Turnschuh.

Der Eklat

Inmitten der Diskussion um Quadratmeter ist es nun Deplazes, die Badran provoziert. Es könne nicht jeder in einer 150-Quadratmeter-Wohnung hausen, wirft sie Badran sinngemäss vor.

«Stimmt es, dass Sie in einer so grossen Wohnung wohnen?», schaltet sich Brotz ein.

Badran: «Geht's noch?»

Video: srf/arena

Immerhin gibt Badran dann noch preis, dass sie in einer Blockrandüberbauung wohnt, «wunderschön verdichtet» und mit Gärten im Innenhof: «Wenn wir schon mehr bauen wollen, dann so», sagt Badran. «Wir brauchen moderne Altstädte und keine Hochhäuser.»

Es ist der einzige Punkt, in dem sich Links und Rechts, Mieterinnen und Hauseigentümer an diesem Abend treffen. Verdichtetes Bauen ja, aber lieber aneinander statt aufeinander.

Dass die zerfahrene Schweizer Wohnpolitik künftig hingegen vermehrt ein Miteinander sein wird, darf nach dieser Sendung zumindest bezweifelt werden.

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105 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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DD_Hammer
11.04.2026 01:12registriert Mai 2021
Frau Badran ist ein Vorbild.
Rückgrad, gescheid und das Herz am rechten Fleck.

Danke!
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PinguiunDisco
11.04.2026 03:06registriert August 2025
Wer in Sachen Mietpreisen der politischen Linken nicht zustimmt muss wohl immense Investitionen in Immobilien haben.
Wohnen muss jeder, das ist Fakt.
Die Schweiz hat anders als viele andere europäische Länder mehr Mietende als Eigentümer. Ist das wünschenswert?
Ich denke Eigentum sollte aktiv gefördert und Anlage-Objekte gesetzlich erschwert werden. Die Schweiz als Gesellschaft hat keinen Mehrwert davon, wenn die meisten Wohnungen Investoren und PKs gehören. Da regiert Profit. Billiger bauen löst dies nicht, den wie gesagt, das Ziel ist eine hohe Rendite. Die Immo-Lobby in Bern ist eine Mafia.
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John H.
11.04.2026 03:27registriert April 2019
"Würde man die Migration in unser Land verringern, würde der Druck auf den Wohnungsmarkt subito geringer werden" Tönt logisch, ist es aber nicht. Genausogut kann ich sagen: "Würde man die Unternehmen in der Schweiz verringern, würde der Druck auf den Wohnungsmarkt subito geringer werden."
Diesen "einfachen" Lösungen sollten wir nicht auf den Leim gehen.
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