DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schweizer Forschungsprojekt

Fisch-Inventur am Bodensee mit Riesennetzen und Elektroschocks

16.09.2014, 09:1516.09.2014, 09:38

Wie viele Fische schwimmen eigentlich im Bodensee? Welche Arten gibt es dort noch und welche sind vom Aussterben bedroht? Solchen Fragen geht das von Schweizer Forschern geleitete «Projet Lac» nach. Der Bodensee ist schon der 25. See im Alpenraum, der im Namen der Wissenschaft befischt wird.

In Italien, Frankreich und der Schweiz war das 25-köpfige Team des von mehreren Ländern unterstützten Projekts bereits aktiv. Jedes Mal gehen sie dabei gleich vor wie derzeit am Bodensee: Zunächst werden die Ufer kartiert. Danach werfen die Forscher an verschiedenen Stellen im Gewässer ihre Netze aus, erklärt Projektleiter Ole Seehausen von der Wasserforschungsanstalt Eawag.

Hunderte Meter tiefe Netze

Mit den Netzen, die bis 250 Meter in die Tiefe reichen, werden zahlreiche Fische aus dem See gezogen. Zur Bestimmung der Artenvielfalt am Ufer werden einige wenige Fische mit Elektrofischerei gefangen. «Elektroschocks lähmen die Fische kurzzeitig. Sie merken davon wenig», erklärt Seehausen, der Professor für aquatische Ökologie an der Uni Bern ist.

Die gefangenen Tiere werden einzeln gewogen, fotografiert und sortiert. Proben des Mageninhalts geben Aufschluss darüber, was sie fressen. Das Projekt «Projet Lac» erlaubt somit neben der Erfassung der Artenbestandes auch Rückschlüsse auf die benötigten Umweltbedingungen der Fische.

Diesem Bodensee-Fischer ist nicht viel ins Netz gegangen.
Diesem Bodensee-Fischer ist nicht viel ins Netz gegangen.Bild: KEYSTONE

Fisch-Bank im Museum

Hunderte von Fischen werden präpariert und ins Naturhistorische Museum nach Bern gebracht. Dort soll in Zukunft mit den konservierten Fischen weiter geforscht werden können.

Ungefähr fünfzig Prozent der Fische seien spezielle Barsche, ansonsten gebe es viele Felchen im Bodensee, sagt Seehausen. Ausserdem hätten sie überraschenderweise sehr viele Stichlinge gefunden, die sonst eher in Bächen und Uferzonen leben: «Wir wussten nicht, dass sie so einen grossen Anteil an der Fischbiomasse im Bodensee haben», sagte der Ökologe.

Die Stichlinge seien im Bodensee doppelt so gross wie in Bächen. Zusammen mit Felchen und Barschen seien sie eine dominante Fischart. Laut Brinker liegt die Zahl der in dem Gewässer lebenden Fische im Bereich von mehreren Hundert Millionen Tieren. Wie viele es tatsächlich sind, das kann niemand sagen.

Verschollene oder neue Art

Es gab noch eine weitere Überraschung: Im tiefen Wasser hat das Team Saiblinge gefangen, die nicht wie normale Saiblinge aussehen. Es könnte sich um eine verschollene oder eine ganz neue, unbekannte Art handeln, sagt Seehausen. Um dies mit Gewissheit sagen zu können, brauchen die Forscher jedoch noch einige Exemplare mehr.

Mit 254 Metern Tiefe sei der Bodensee tiefer als die Nordsee, was noch weitere Überraschungen bereithalten könnte, sagt Seehausen. In Seen, die von Umweltverschmutzung verschont geblieben sind, fände man eine faszinierende Fischvielfalt in den grossen Tiefen.

Auch noch unbekannte Arten entdeckten die Wissenschaftler des «Projet Lac» bereits – zum Beispiel verschiedene Groppen und Saiblinge der Tiefenzonen der Seen. Nun hoffen die Forscher, dass ihnen auch am Bodensee noch der ein oder andere grosse Fang gelingt. 

(sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Die Schweiz fürchtet sich vor dem Blackout – das Ringen um mehr Versorgungssicherheit
Eine Ständeratskommission ringt um Vorschläge gegen den Strommangel im Winter. Nur etwas ist klar: Die Liberalisierung des Strommarktes ist chancenlos. Sie würde das Gesetz für die Versorgungssicherheit gefährden.

Die Schlagzeilen reissen nicht ab. Die SVP fordert einen Stromgeneral, der einen Plan für eine «sichere, unabhängige und kostengünstige Stromversorgung» ausarbeitet; die FDP-Spitze will neue Atomkraftwerke im Grundsatz wieder zulassen und das entsprechende Verbot aus dem Gesetz kippen; und der Stromkonzern Alpiq kam Ende des letzten Jahres derart in finanzielle Nöte wegen steigender Strompreise, dass er den Bund um finanzielle Hilfe bat.

Zur Story