Schweiz
Natur

Antarktis: Eis-Archiv sichert Proben schmelzender Schweizer Gletscher

Eis-Archiv in der Antarktis sichert Proben schmelzender Schweizer Gletscher

14.01.2026, 12:5414.01.2026, 12:54

Ein neues Eisarchiv in der Antarktis sichert Proben schmelzender Gletscher. Die Stiftung «Ice Memory» hat das Archiv am Mittwoch eröffnet. Erste Eisbohrkerne aus den Alpen sind nun im ewigen Eis gesichert.

Eis Antarktis Gletscher
Während des gesamten Transports wurde eine konstante Temperatur des Eises von minus 20 Grad sichergestellt.Bild: Ice Memory

Die ersten beiden eingelagerten Eisbohrkerne stammen von Gletschern am Grand Combin in der Schweiz und am Mont Blanc in Frankreich, wie die Stiftung am Mittwoch mitteilte.

Die insgesamt 1,7 Tonnen Eis wurden an Bord des italienischen Forschungsschiffs «Laura Bassi» transportiert. Die über 50-tägige Reise begann in Triest und führte durch das Mittelmeer, den Atlantik, den Pazifik und den Südlichen Ozean zur italienischen Antarktis-Station Mario Zucchelli. Während des gesamten Transports wurde eine konstante Temperatur von minus 20 Grad sichergestellt.

Von dort wurden die Proben mit einem speziellen Flugzeug ohne Heizung im Frachtraum zur 3200 Meter hoch gelegenen französisch-italienischen Station Concordia geflogen.

Eishöhle tief im Schnee

Hintergrund des Projekts ist der weltweite Gletscherschwund. Durch das Schmelzen gehen laut der Stiftung unwiederbringliche wissenschaftliche Informationen über Jahrhunderte und Jahrtausende verloren. In den Eisschichten sind Gase, Aerosole, Schadstoffe und Staub der Vergangenheit eingeschlossen. Die Analyse von Eisbohrkernen liefert wichtige Daten für die Klimaforschung, die unter anderem in die Berichte des Weltklimarats (IPCC) einfliessen.

Die Stiftung will die Proben für künftige Forschende aufbewahren, die dereinst über fortschrittlichere Analysetechnologien verfügen könnten.

Das Archiv ist eine Eishöhle, die rund neun Meter unter der Oberfläche in den Schnee gegraben wurde. Sie ist 35 Meter lang und je fünf Meter hoch und breit. Die Stabilität wird durch die natürlich konstante Temperatur von rund minus 52 Grad Celsius gewährleistet. Für den Bau waren laut der Stiftung weder Baumaterialien noch eine mechanische Kühlung notwendig. Finanziert wurde der Bau von der Stiftung des monegassischen Fürsten Albert II.

Dutzende weitere Bohrkerne

In den kommenden Jahren sollen Dutzende weitere Eisbohrkerne aus anderen Weltregionen wie den Anden, dem Pamir-Gebirge oder dem Kaukasus in der Antarktis eingelagert werden. Geplant ist zudem der Aufbau einer internationalen Verwaltung für das Archiv. Diese soll sicherstellen, dass die Proben als gemeinsames Erbe der Menschheit erhalten bleiben. Der Zugang soll transparent und ausschliesslich nach wissenschaftlichen Kriterien geregelt werden.

«Damit diese Eisbohrkerne auch in hundert Jahren noch der Wissenschaft dienen können, müssen sie als globales Gemeingut verwaltet werden», liess sich der emeritierte Klimaforscher der Universität Bern Thomas Stocker in der Mitteilung zitieren. Stocker ist Vorsitzender der Stiftung.

Die Initiative wurde 2015 von Forschungsinstituten aus Frankreich, Italien und der Schweiz lanciert. Beteiligt sind das Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen AG, die französische Forschungsorganisation CNRS und das französische Forschungsinstitut für nachhaltige Entwicklung IRD, die Universität Grenoble-Alpes, der italienischen Nationale Forschungsrat (CNR) und die Universität Ca' Foscari in Venedig. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Gletscher-Schmelze in den europäischen Alpen
1 / 14
Gletscher-Schmelze in den europäischen Alpen

Seit dem Jahr 2000 schrumpfen die Gletscher in den Alpen massiv. Greenpeace hat Fotos von sechs Gletschern in den Alpen Anfang 1900 und jetzt verglichen.

quelle: greenpeace germany / gesellschaft fuer oekologische f
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Ich konnte den Staub schmecken» – Anwohnerin berichtet vom Gletschersturz in Blatten
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Zoo Zürich sucht nach gescheiterter Verhandlung neuen Volierenbauer
Die Verhandlungen zu den Stahlbauarbeiten an der neuen Pantanal-Voliere im Zoo Zürich sind gescheitert. Der Zoo und die beteiligte Firma konnten unter anderem keine Lösung für die Weiterverwendung der bereits vorproduzierten Stahlbogen-Teile finden. Nun sucht der Zoo ein neues Unternehmen.
Zur Story