SP-Nationalrätin Docourt will autofreie Sonntage
Die geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten geben einem alten Anliegen neuen Auftrieb. Martine Docourt fordert den Bundesrat mit einer in der Frühlingssession eingereichten Motion dazu auf, die gesetzlichen Grundlagen für autofreie Tage zu schaffen. Die Neuenburger SP-Nationalrätin will, dass die Kantone Strassen an bestimmten Tagen unkompliziert ausschliesslich für Velofahrer, Fussgänger, Inlineskater, Wanderer etc. reservieren können. Docourt findet, auch angesichts des Klimawandels solle eine Mobilität ohne fossile Brennstoffe gefördert werden.
Im Kanton Graubünden wird Docourts Idee in einem kleineren Format bereits umgesetzt. In diesem Jahr werden Autos und Töffs an fünf Pässen (Flüela, Lukmanier, Splügen, Stilfserjoch/Umbrail, Albula) jeweils für einen Tag von den Strassen verbannt. Velofahrer und Wanderer können den Asphalt in Beschlag nehmen, ohne dass sie andauernd vom motorisierten Individualverkehr überholt werden. Bereits an diesem Dienstag ist der Flüelapass zwischen 9 und 15 Uhr für den Langsamverkehr reserviert.
Pro Velo Graubünden organisiert die autofreien Passtage seit 2024 zusammen mit Tourismusorganisationen unter der Dachmarke «Freipass Graubünden». Das Angebot ist nicht das Ergebnis aktueller geopolitischer Verwerfungen oder Klimadebatten, sondern primär eine Touristenattraktion. Das Interesse daran ist gross. Vergangenes Jahr waren erstmals der Lukmanier und Splügenpass einen Tag lang für Autos und Töffs gesperrt. 3000 Personen nutzten das Angebot am Lukmanier, sogar 7000 am Splügen.
Glarner Landsgemeinde macht Klöntal autofrei
Auch an anderen Pässen gibt es in der Schweiz solche Wochenenden. Das «Velojournal» hat die Anlässe aufgelistet. Am 13. September bleibt zum Beispiel der Klausenpass zwischen den Kantonen Uri und Glarus autofrei. Bei der Passtrasse ins Klöntal im Kanton Glarus gilt nach einem Beschluss der Landsgemeinde an drei Sonntagen (28. Juni, 26. Juli und 30. August) ein Fahrverbot für Motorfahrzeuge. Das Neuenburger Kantonsparlament lehnte es derweil im Januar ab, auf Kantonsebene autofreie Sonntage einzuführen.
Der Bundesrat findet diese Idee zwar «sympathisch», wie er vor wenigen Jahren in Antworten auf Vorstösse mit gleicher Stossrichtung schrieb. Er sieht aber zahlreiche Hindernisse, etwa Ausnahmen für den Verkehr der Blaulichtorganisationen. Die Landesregierung findet regionale «Slow-up»-Tage ein geeignetes Format, um klimafreundliche Mobilität zu fördern. 2003 lehnte auch das Volk eine Initiative für einen autofreien Sonntag pro Jahreszeit deutlich ab.
Ins kollektive Gedächtnis der Schweiz eingebrannt haben sich die drei autofreien Sonntage im Jahr 1973, die eine Folge der Erdölkrise waren. Familien unternahmen, unbehelligt vom Auto, eine Velotour. Hauptstrassen mutierten zu Rollschuh-Fahrbahnen. Und Spaziergänger nahmen den Asphalt in Beschlag, ohne dass in ihren Ohren Motorenlärm dröhnte.

