Schweiz
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St. Laurent square and church in Lausanne in the canton of Vaud, Switzerland, pictured on November 27, 2007. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

St. Laurent-Kirche und Platz in Lausanne im Kanton Waadt, aufgenommen am 27. November 2007. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

L'eglise et la place Saint-Laurent a Lausanne dans le canton de Vaud, photographies le 27 novembre 2007. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Kirche St. Laurent in Lausanne Bild: KEYSTONE

Rund 50 Demonstranten

Aufruf zur Solidarität mit Asylsuchenden: Aktivisten besetzen Kirche in Lausanne

In Lausanne haben etwa 50 Aktivisten am Samstag für einige Stunden die Kirche St-Laurent besetzt. Ziel der Demonstranten war, auf das Schicksal von Asylsuchenden aufmerksam zu machen, die eine Ausschaffung fürchten. Zur Aktion aufgerufen hatte die «Gruppe des 20. Dezembers». Diese vereint mehrere Organisationen, die sich für Flüchtlinge und Migranten einsetzen.

Die Demonstration war auch eine Reaktion auf einen Polizeieinsatz vor rund zwei Wochen in Lausanne: Anfang Dezember hatte die Polizei bei einer Aktivistin eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Von den Behörden war sie verdächtigt worden, bei sich zu Hause eine Flüchtlingsfamilie zu verstecken.

Un collectif de demandeurs d'asile erythreens manifestent lors d'un piquet de protestation

Bereits im September diese Jahres hatte es in Lausanne eine Demonstration gegeben: Damals protestierten eritreische Flüchtlinge gegen unmenschliche Unterbringungen. Bild: KEYSTONE

Auf diese «Kriminalisierung der Solidarität» hatten rund 400 Personen aus der Waadt mit einem Aufruf zu zivilem Ungehorsam reagiert. Auch rund 30 Waadtländer Grossräte sowie der Filmemacher Fernand Melgar habe den Appell unterzeichnet, sagte Michaël Rodriguez, Mitglied der «Gruppe des 20. Dezembers», am Samstag.

Ausschaffungsmoratorium

Zweck der Aktion war gemäss Rodriguez in Erinnerung zu rufen, dass viele Asylsuchende in der Schweiz Weihnachten in Angst vor einer Ausschaffung verbringen. Das Kollektiv hat deshalb eine Petition lanciert. Diese verlangt, dass die Waadt Ausschaffungen nach Italien aussetzt.

Alle Fälle von Asylsuchenden, die im Rahmen des Dublin-Abkommens nach Italien zurückgeschafft werden sollen, müssten im Lichte des neusten Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) neu bewertet werden, verlangt die Petition.

Anfang November hatte der EGMR sein Veto gegen die bedingungslose Abschiebung einer afghanischen Familie nach Italien eingelegt. Die Schweiz müsse individuelle Garantien für deren Unterbringung und Betreuung einholen, hatten die Richter in Strassburg verlangt.

Obwohl die Waadtländer Behörden versprochen hätten, dieses Urteil zu berücksichtigen, jagten diese weiter Asylsuchende, die via Italien eingereist seien, sagte Rodriguez. Zahlreiche Menschen würden Weihnachten im Bunker oder in Administrativhaft verbringen in ständiger Furcht vor einer Ausschaffung.

Kirchen sollen handeln

Nach Angaben des Kollektivs «Droit de rester» (Recht zu bleiben) leben im Kanton Waadt mehrere hundert Menschen, darunter rund 200 aus Eritrea, die vor einer Abschiebung nach Italien stehen.

Die Demonstranten in der Kirche forderten auch die Schaffung eines Zufluchtsorts. Den Schwächsten unter den Flüchtlingen sollten die Kirchen Schutz bieten, forderte Rodriguez. Er kritisierte, dass die Kirchen Flüchtlinge zur Rückkehr nach Italien zu überreden versuchen. Die Kirchenführung habe den Ernst der Lage nicht erkannt. (sda)



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 20.12.2014 21:05
    Highlight Highlight Es muss allen Flüchtlingsunterstützern die Möglichkeit gegeben werden Flüchtlinge bei sich unterzubringen. Als allererstes sollten das die Politiker sein, die dafür stehen, immer mehr Flüchtlinge ins Land zu lassen. Es wäre interessant zu sehen,ob es einen Einfluss auf Entscheidungen hätte, wenn sie sich mit der Thematik mal tatsächlich auseinander setzen müssten.Aber vorher baut man wohl eher das nächste Asylheim in einem bereits sozial schwachen Stadtteil, damit man selbst nicht noch in die Verlegenheit kommt,persönliche Erfahrungen in seine Entscheidungen mit einfliessen lassen zu müssen.
    • philipp meier 20.12.2014 23:04
      Highlight Highlight es gibt bei uns keine politiker die an den grenzen stehen und allen vorbeiziehenden flüchtlingen zurufen, sie sollen doch zu uns kommen.
      was wirklich ein problem ist: es könnte einfacher sein, dass private bei sich flüchtlinge aufnehmen (ist es überhaupt möglich? ich weiss es grad nicht)
      ob wirtschaftsflüchtlinge (früher nannte man sie «gastarbeiter») oder kriegsflüchtlinge: eigentlich überwiegen die vorteile von deren zuwanderung; wirtschaftlich, sozial und kulturell. leider werden meistens nur deren nachteile thematisiert; die jedoch dann gross ausgeschlachtet; auch von uns medien; leider.
    • 足利 義明 Oyumi Kubo 20.12.2014 23:22
      Highlight Highlight @ zombie1969 √√√√
    • svogu 21.12.2014 01:03
      Highlight Highlight Dann senden wir aber die Politiker, welche die Flüchtlinge zurückweisen wollen, in die Herkunftsländer der Flüchtlinge. Sie sollen dort mal eine Zeit lang unter den gleichen Umständen leben. Es wäre interessant zu sehen ,ob es einen Einfluss auf Entscheidungen hätte, wenn sie sich mit der Thematik mal tatsächlich auseinander setzen müssten.
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