Schweiz
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Auf vielen Bahnsteigen hat es sich noch nicht ganz ausgequalmt



ARCHIV -- ZUM PRINZIPIELLEN RAUCHVERBOT AN SCHWEIZER BAHNHOEFEN AB SAMSTAG, 1. JUNI 2019, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- 
Eine junge Frau raucht auf einem Bahnsteig im Bahnhof Winterthur eine Zigarette, waehrend sie auf ihren Zug wartet, aufgenommen am 9. November 2005. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Bild: KEYSTONE

Ab Anfang Juni 2019 seien die Bahnhöfe in der Schweiz prinzipiell rauchfrei, hiess es Ende November 2018 von den Verantwortlichen. Nun zeigt sich: Die Raucherzonen auf den Perrons kommen schrittweise. An einigen Orten hat es sich deshalb erst Mitte 2020 ausgepafft.

Wer am kommenden Samstag markierte Raucherbereiche auf Schweizer Bahnsteigen sucht, wird noch keine finden. Der Grund ist einfach: Nach monatelangen Vorbereitungsarbeiten wird erst kommende Woche der erste Bahnhof in der Schweiz auf das rauchfreie Regime umgerüstet. Der Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) und die SBB wollen am 4. Juni im bernischen Burgdorf über den Stand der Umsetzung und das weitere Vorgehen informieren, wie es auf Anfrage heisst.

Auch wenn sich die Projektleiter vorher nicht in die Karten blicken lassen wollen, ist klar, dass es Schritt für Schritt vorwärtsgehen soll. Die Perrons werden ab Anfang Juni laufend umgebaut. Es gibt keinen fixen Stichtag wie bei der Umsetzung des Raucherverbots in Schweizer Zügen im Jahr 2005.

Pragmatische Lösung mit Symbolen

Die Gründe sind logistischer Art. Die flächendeckende Einführung von Raucherzonen sei «sehr personalaufwendig», heisst es hinter vorgehaltener Hand. Ausserdem geschehe der Umbau «in operativer Hoheit der Unternehmen des öffentlichen Verkehrs».

Vor allem für kleine Bahnbetriebe bedeuteten die Änderungen auf den Perrons einen grossen Aufwand, weshalb sie Zeit brauchten, die Neuerungen umzusetzen. Deshalb werden erst rund in einem Jahr alle Bahnhöfe in der Schweiz prinzipiell rauchfrei sein.

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Video: srf

Die geplanten erweiterten Nichtraucherzonen respektive signalisierten Raucherzonen waren an verschiedenen Bahnhöfen im vergangenen Jahr erfolgreich getestet worden. Wie die Perrons künftig im Detail aussehen werden, wird nächste Woche kommuniziert. Es werde eine pragmatische Lösung mit Symbolen gesucht, die auch von kleineren Bahnunternehmen einfach umgesetzt werden könne, hiess es im vergangenen November.

Weniger Dreck auf deutschen Bahnhöfen

Im europäischen Vergleich waren die Raucherregelungen an den Schweizer Bahnhöfen bisher sehr liberal. Beispielsweise in Frankreich, Italien, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Spanien herrscht ein komplettes Rauchverbot in Bahnhöfen, teilweise auch auf Perrons. In Deutschland und Norwegen darf beispielsweise nur in markierten Raucherzonen auf den Bahnsteigen geraucht werden.

Als Rauchen noch als vornehm galt

Die Deutsche Bahn (DB) zieht zwölf Jahre nach Einführung des generellen Rauchverbots eine positive Bilanz. «Die allermeisten Raucher halten sich an das Rauchverbot und rauchen nur noch in speziell gekennzeichneten Bereichen», teilte ein Bahnsprecher der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit.

Seit diese sogenannten Raucherinseln installiert wurden, werde viel weniger geraucht. Die Verschmutzung der Perrons und Gleise sei stark zurückgegangen. Trotzdem wende die DB jährlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für die Reinigung der Bahnhöfe auf.

40 Euro Strafgebühr

Auf Repression setzen müssten die Mitarbeitenden der Deutschen Bahn kaum. Die Bahnpolizei setze das Rauchverbot im Rahmen der Hausordnung um, sagte der Sprecher weiter. Werde absichtlich gegen diese verstossen, stelle die Bahn für die entstandenen Reinigungskosten ein Bearbeitungsentgelt von mindestens 40 Euro in Rechnung.

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In einigen Verkehrsverbünden, beispielsweise in Berlin und in Brandenburg, können Sicherheitskräfte auf Basis der Beförderungsbedingungen beim Verstoss gegen das Rauchverbot eine Vertragsstrafe von 15 Euro gegen Quittung einfordern.

Alle irgendwie zufriedenstellen

Auch in der Schweiz gibt es keinen gesetzlichen Rahmen für Bussen gegen renitente Raucher. Das Projekt basiere «auf der unternehmerischen Freiheit der Transportunternehmen, nicht auf einem gesetzlichen Auftrag», teilte das Bundesamt für Verkehr (BAV) auf Anfrage mit.

Grosser Widerstand gegen die neuen Regeln ist indes auch in der Schweiz kaum zu erwarten. 75 Prozent aller Befragten wünschten sich eine Änderung der heutigen liberalen Regelung, schrieb der ÖV-Verband im vergangenen November. Trotzdem habe man bewusst auf die Radikallösung mit einem kompletten Rauchverbot an den Bahnhöfen verzichtet, weil man niemanden vor den Kopf stossen wolle. Ziel sei eine möglichst hohe Kundenzufriedenheit. (aeg/sda)

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