Wer geistig arm ist, wird selig und kommt in den Himmel, sagt die Bibel
Selig sind die Armen im Geist. Dieser bekannte Bibelspruch ist ein klares Statement: Gläubige tun gut daran, ihr geistiges Potenzial an der Kirchenpforte abzugeben, wenn sie in den Genuss einer religiösen Glückseligkeit kommen wollen.
Mehr noch: Die geistig Armen kommen angeblich locker in den Himmel, lautet doch das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium so: «Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.»
Der Evangelist scheint geahnt hat zu haben, dass vife Menschen viele Geschichten und Dogmen aus dem «Heiligen Buch» als eigenartig, unverständlich und widersprüchlich empfinden können.
Sind die Priester arm im Geist?
Doch wie halten es die heutigen Priester mit dem Glauben? Sind sie auch arm im Geist? Oder haben sie manchmal Glaubenszweifel, die sie intellektuell analysieren? Natürlich gibt es viele christliche Geistliche, die sich kritisch mit den Widersprüchen ihres Glaubens auseinandersetzen.
Doch evangelikale und katholische Priester, die dogmatisch bis fundamentalistisch unterwegs sind, klammern sich weiterhin an ein kindliches Gottesbild und glauben, der Schöpfer habe die Bibel inspiriert.
Das erstaunt, haben doch viele Geistliche und Pfarrer ein Theologiestudium absolviert und damit bewiesen, dass sie über ein gewisses intellektuelles Potenzial verfügen. In Glaubensfragen hingegen versenken sie Verstand und Intelligenz in die hinterste Ecke ihrer Seele, um ungehindert in ihren religiösen Gefühlen schwelgen zu können.
Um nicht in Teufels Küche zu kommen, bleiben sie lieber arm im Geist. Sie haben wohl mehr oder weniger bewusst Angst, dass ihr Glaubensgebäude ins Wanken geraten könnte.
Die Kirche und Verschwörungstheorien
Wie sich das Sublimieren oder Verdrängen auswirken können, demonstrierte in diesen Tagen der Chefexorzist der Erzdiözese Washington, Stephen Rossetti. Der hohe Geistliche sieht in ausserirdischen Wesen getarnte Dämonen, die die Menschen täuschen und verführen wollen.
Wie kommt Rossetti dazu, sich mit extraterrestrischen Gestalten auseinanderzusetzen? Der Anlass: Das amerikanische Kriegsministerium veröffentlichte kürzlich geheime Akten zu Ufo-Sichtungen. Präsident Donald Trump hatte die Offenlegung der Dossiers zu unbekannten Flugobjekten angeordnet.
Der katholische Exorzist sah sich deshalb genötigt, die Öffentlichkeit in einem Video vor den dämonischen Ausserirdischen zu warnen. «Wahrscheinlich gehen viele, wenn auch nicht die meisten Ufo-Sichtungen tatsächlich auf Dämonen zurück», erklärt der Geistliche.
Es spreche zwar nichts dagegen, dass es tatsächlich Leben auf anderen Planeten gebe. Er selbst glaube aber nicht daran. Als Exorzist müsse er die Gläubigen davor warnen, dass Dämonen sich oft versteckten. «Sie wollen nicht, dass wir wissen, was sie tun. Sie sind viel effektiver, wenn wir gar nicht mitbekommen, dass sie da sind», sagt der Exorzist im Video.
Besessene Menschen sehen Schattengestalten
Viele Berichte über Aliens und Ufo-Sichtungen würden dem Auftreten von Dämonen ähnlich sein, wie er es aus seiner Arbeit kenne: «Manchmal sehen besessene Menschen Schattengestalten oder Lichtkugeln.» Rossetti beschreibt den Fall einer besessenen Frau, die ein Bild eines Ufos als Dämon identifizierte.
Diese Aussagen werfen Fragen zum geistigen Zustand des katholischen Exorzisten auf: Was nur hat der Glaube mit ihm gemacht?
Das ging dann der Diözese doch zu weit, sie setzte ihn als Exorzist ab. Immerhin. Doch Rossetti glaubt weiterhin an die ausserirdischen Dämonen. Und daran, dass Tatoos das Einfallstor für den Dämon sein können, wie er in einem anderen Video erklärt.
Auch unser Verstand kommt von Gott
Wenn Gott uns geschaffen hat, wie es in der Bibel steht, dann stattete er uns Menschen auch mit Verstand aus. Diesen brauchen wir dringend, um die grossen Anforderungen in allen Lebensbereichen erfüllen zu können. Ausgerechnet in Glaubensfragen, bei denen die Gefahr des geistigen Missbrauchs gross ist, sollen wir ihn ausschalten?
Wie soll das geschehen? Es gibt keinen Schalter, mit dem man bei religiösen Fragen die Ratio abstellen und kritische Fragen abwürgen kann. Es sei denn, Verlangen und Sehnsucht nach religiösen Wundern und Erlösung betäuben den Verstand. Ein Ziel, das Sekten gezielt verfolgen.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.
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