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Zu schnell für Zwangsbremsung

Zugunglück in Rafz: S-Bahn überfuhr Signal – Lokführer ausser Lebensgefahr



Das Zugunglück in Rafz ZH vor einer Woche ist auf das Überfahren eines Signals zurückzuführen. Das gaben die SBB am Freitag bekannt. Beim Unglück waren sechs Personen verletzt worden, eine davon schwer. 

Die S-Bahn in Richtung Schaffhausen fuhr vergangenen Freitag um 6.40 Uhr trotz geschlossenem Signal los, wie die SBB schreiben. Zwar wurde eine Zwangsbremsung am Signal ausgelöst, doch die S-Bahn war zu diesem Zeitpunkt bereits mit 59 km/h unterwegs und kam erst knapp 100 Meter nach dem Signal zum Stillstand – zu nah am benachbarten Gleis.

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Dieses Bild von watson-User Mario Schmidli ging um die Welt. Bild: user-input

Auf diesem Gleis schoss Sekunden später ein Interregio von Zürich her mit Tempo 110 km/h durch den Bahnhof. Es kam zu einer seitlichen Kollision zwischen den beiden Zügen, der Interregio entgleiste.

Moderne Sicherungsanlagen

Der Bahnhof Rafz verfüge über moderne Sicherungsanlagen, schreiben die SBB. Nach ersten Erkenntnissen hätten die Sicherheitseinrichtungen auch einwandfrei funktioniert. Die Abfahrverhinderung sei jedoch auf durchfahrende Züge ausgerichtet – die S-Bahn aber hatte gewendet und sei deshalb von der Zugbeeinflussung nicht gebremst worden. 

Zusätzliche Sicherungskomponenten seien nur vorgesehen, wenn im Wochendurchschnitt mindestens ein Zug pro Tag wende, schreiben die SBB. Das sei in Rafz Richtung Schaffhausen jedoch nicht der Fall. 

Gemäss SBB würde das moderne ETCS-System Level 2 sicherstellen, dass irrtümliche Abfahrten nach dem Wenden technisch unmöglich sind. Die netzweite Einführung dieses Systems ist für 2025 geplant. Derzeit werde geprüft, ob diese beschleunigt werden könne, teilten die SBB mit. 

Als kurzfristige Vorsichtsmassnahme müssen Züge, die gewendet haben, bis auf weiteres langsamer fahren: Sie dürfen bis zum ersten Signal höchstens 40 km/h erreichen. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, «dass bei Situationen wie in Rafz der Zug noch vor dem Gefahrenpunkt gestoppt werden kann», wie die SBB schreiben. 

Lokführer nach Operation ausser Lebensgefahr

Beim Unglück in Rafz war der 49-jährige Lokführer des Interregio schwer verletzt worden. Wie die SBB am Freitag mitteilten, ist er nach einer Operation ausser Lebensgefahr. 

Der Lokführeranwärter, der ebenfalls im Interregio gewesen war, kann das Spital voraussichtlich in den nächsten Tagen verlassen. Auch vier Passagiere waren bei der Kollision leicht verletzt worden. Der Sachschaden an den beiden Zügen beträgt nach Angaben der SBB gemäss ersten Schätzungen «mehrere Millionen Franken». 

In beiden Zügen waren zum Zeitpunkt des Unfalls gerade Lokführer-Aspiranten ausgebildet worden. Die SBB machten in ihrer Medienmitteilung vom Freitag keine Angaben dazu, ob in den beiden Zügen gerade die Aspiranten am Steuer waren oder die Ausbildungslokführer. (sda/meg) 

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