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TV-Star der Romandie soll Mitarbeitende sexuell belästigt haben – SRG-Boss unter Druck

In einer «Kultur des Schweigens» soll Darius Rochebin Mitarbeitende sexuell belästigt haben. Die Führung um SRG-Chef Gilles Marchand habe von den Vorwürfen gewusst. Mitarbeiter fordern nun eine Untersuchung der Vorfälle.
03.11.2020, 05:1203.11.2020, 07:54
christoph bernet / ch media
Schwere Vorwürfe gegen den langjährigen RTS-Starmoderator Darius Rochebin.
Schwere Vorwürfe gegen den langjährigen RTS-Starmoderator Darius Rochebin.Bild: keystone

Wer hoch aufsteigt, fällt umso tiefer. Und so hoch wie Darius Rochebin stieg in der Westschweizer Medienlandschaft keiner auf. Ab 1998 moderierte er die abendliche Hauptausgabe der Nachrichtensendung «Téléjournal» der öffentlich-rechtlichen RTS.

Ob 9/11, der Tsunami in Südostasien 2004 oder die Wahl Barack Obamas: Wann immer Weltgeschichte geschrieben wurde, führte Rochebin die Westschweizer durch die Stürme der Zeit.

Gross war das Bedauern, als im Juli 2020 sein Wechsel von der RTS zum französischen Nachrichtensender LCI bekannt wurde: Rochebin war der Journalist, dem die Romands vertrauten. Jetzt droht ihm ein tiefer Fall.

Nach dem Sex die Hilfe beim Praktikum

In einer aufwendigen Recherche berichtete die Zeitung «Le Temps» am Samstag, wie der langjährige Starmoderator seine Bekanntheit und berufliche Stellung ausgenutzt haben soll.

Wiederholt soll Rochebin mit jungen Männern in Kontakt getreten sein und ihnen Hilfe beim Einstieg in den Journalismus versprochen haben. Er gab sich zugänglich, bot Führungen durch die RTS-Studios an. Doch rasch danach soll er in Textnachrichten oder im direkten Gespräch sexuell anzügliche Bemerkungen gemacht haben. Auch junge RTS-Mitarbeitende berichten von ähnlichen Erfahrungen.

Rochebin kündigte über seinen Anwalt an, sich gegen die Vorwürfe juristisch zu wehren und betonte, sich nie widerrechtlich verhalten zu haben oder Gegenstand einer Beschwerde gewesen zu sein.

Ein Mann berichtet gegenüber «Le Temps» detailliert, wie Rochebin im Mai 2012 auf der Rückfahrt nach einem gemeinsamen Abendessen in seinem Auto am Strassenrand Geschlechtsverkehr initiierte: «Ich wollte nicht weiter gehen, aber ich hatte das Gefühl, nicht mehr zurück zu können», so der Mann, der damals studierte und Journalist werden wollte. Nach der Begegnung habe ihm Rochebin den Kontakt eines leitenden RTS-Redaktors versprochen, der ihm ein Praktikum anbieten könne. Einige Monate später soll Rochebin dem jungen Mann einen Auftrag als freischaffender Fotograf verschafft haben.

Einer der merkwürdigsten Aspekte der Recherche betrifft die Facebook-Profile zweier vermeintlich junger Frauen, Lea Magnin und Laetitia Krauer. Dahinter steckte Darius Rochebin. Mehrmals soll er Freundschaftsanfragen an junge Männer über diese Accounts verschickt haben. In Direktnachrichten soll er sich dann nach den sexuellen Vorlieben der Männer erkundigt und die Konversation rasch auf Rochebin gelenkt haben: Dieser habe einen auffällig kleinen Penis.

Zwei Frauen berichteten von sexueller Belästigung durch den Starmoderator. Rochebin soll in der Anwesenheit anderer Personen die Hand einer RTS-Mitarbeitenden gepackt und auf seinen Genitalbereich gelegt haben. Und eine andere Mitarbeitende gegen ihren Willen zu küssen versucht haben.

Rochebin ist nicht der einzige RTS-Mann mit problematischem Verhalten. Auch ein Kadermitarbeiter – in der «Le Temps»-Recherche «Robert» genannt – soll wiederholt Frauen gegen ihren Willen berührt und ihnen anzügliche Nachrichten geschickt haben. Er soll auch Mobbing betrieben haben und für mehrere Burn-outs von Untergebenen verantwortlich sein. Rund 15 Mitarbeitende sollen sich über ihn beschwert haben. Ein weiterer langjähriger Mitarbeiter sei im Haus als «Grabscher» bekannt gewesen.

Mehrere Befragte beklagen in «Le Temps» eine «Kultur des Schweigens» bei der RTS mit ihren 1800 Mitarbeitenden. Die Vorwürfe gegen Rochebin und «Robert» seien bekannt gewesen. Doch die Führung habe nicht gehandelt und «Robert» trotz seines Fehlverhaltens befördert.

Welche Rolle spielte Gilles Marchand?

In einem Brief fordern 550 RTS-Mitarbeiter die Suspendierung der zwei beschuldigten Kaderleute und eine Untersuchung der Vorfälle. Explizit soll auch untersucht werden, welche Rolle Gilles Marchand gespielt hat.

Gilles Marchand 2016 während seiner Zeit als RTS-Direktor.
Gilles Marchand 2016 während seiner Zeit als RTS-Direktor.Bild: KEYSTONE

Denn der heutige SRG-Generaldirektor war von 2001 bis 2017 RTS-Direktor. Auf Anfrage schreibt die SRG-Medienstelle, Marchand habe von den falschen Facebook-Profilen Rochebins, nicht jedoch den Vorwürfen der sexuellen Belästigung Kenntnis gehabt. Sein Nachfolger als RTS-Direktor habe im Herbst 2017 «Massnahmen gegen Rochebin bezüglich der Einhaltung der Berufsregeln» ergriffen, über die Marchand informiert worden sei.

«Die Führungsleute decken sich gegenseitig»

Auch vom Fall «Robert» habe er Kenntnis gehabt. Der Mitarbeitende sei mit den Vorwürfen konfrontiert worden, die Personalabteilung habe «entschlossene Massnahmen» ergriffen, um die Situation sofort zu beenden. Eine externe Untersuchung ergab keinen weiteren Beanstandungsbedarf. «Robert» sei nicht befördert worden, sondern habe sich intern auf eine andere Stelle beworben. Diesem Wechsel habe er zugestimmt. Marchand verurteilt «jedes unangemessene Verhalten von Mitarbeitenden».

Die bestehenden Massnahmen seien offensichtlich unzureichend und müssten verbessert werden: «Wir werden alle Fälle lückenlos aufklären.» Die Gewerkschaft SSM spricht indes von einer «problematischen Kultur» innerhalb der RTS: «Die Führungsleute decken sich gegenseitig. Es genügt nicht, wenn nun ein oder zwei Köpfe fallen: Die Kultur muss sich ändern.» Marchand sei als Direktor dafür verantwortlich, dass die Prozesse nicht funktioniert haben und «Robert» ungenügend sanktioniert worden sei.

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Pinot_Berlioz
03.11.2020 09:16registriert September 2016
Ich werde nie verstehen, warum man solche Personen schützt und ihre Handlungen vertuscht. Niemals. Solche Komplizen sollten ebenfalls rechtliche Konsequenzen spüren. Ekelhaft.
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