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Setzte sich gegen 22 Mitbewerber durch: Ex-Polizist Michael Daum. Bild: screenshot/az

Der neue Einsiedler in der Verenaschlucht ist ein deutscher Ex-Polizist

Die Einsiedelei hat wieder einen Einsiedler: Der 55-jährige Michael Daum aus Süddeutschland wird sein Amt am 1. Oktober in der Verenaschlucht antreten, nachdem ihn der Solothurner Bürgerrat gewählt hat. Er war einige Jahre lang Polizist.

Wolfgang Wagmann / az



Damit wird nach den zwei Einsiedlerinnen Verena Dubacher und Schwester Benedikta wieder ein Mann die zuvor jahrhundertelange Tradition von Einsiedlern in der Klause fortsetzen.

Aus 22 Bewerbungen wurde zuletzt nur jene von Daum in der Einsiedelei-Arbeitsgruppe der Bürgergemeinde Solothurn weiterverfolgt. Der neue Einsiedler wohnt zwar im württembergischen Aalen, hat aber doch einen kleinen Bezug zu Solothurn: Er wurde 1961 in der Partnerstadt Heilbronn geboren. Nach der Mittleren Reife ergriff Daum 1978 zuerst den Polizistenberuf, musste diesen jedoch aufgrund eines Dienstunfalls schon 1984 wieder aufgeben.

Er bildete sich in der Folge im Technischen Zeichnen und als Hauswirtschafter weiter, und absolvierte in diesem Bereich verschiedene Praktika. Ab 1988 studierte er in Schwäbisch Gmünd im Hauptfach Theologie und widmete sich dann der Leitung und Durchführung von pädagogischen Tagen zur Lehrerfortbildung. Anfangs der 90er Jahre absolvierte Daum noch die Ausbildung zum Heilpraktiker. Zuletzt wirkte der geschiedene Vater von vier Kindern als Hausmann, Traumatherapeut, führte Mühlenführungen und Stammtische in einem Altersheim durch.

«Spiritueller Hintergrund»

Mit der Wahl von Michael Daum setzt die Bürgergemeinde Solothurn bei der Besetzung des Einsiedlerpostens wie schon bei seinen zwei Vorgängerinnen auf eine Person mit «spirituellem Hintergrund». Das war nicht ganz selbstverständlich, denn der Abgang von Schwester Benedikta im Februar dieses Jahres hatte die Grundsatzdiskussion befeuert, wie die Bürgergemeinde den Posten in der Waldklause künftig besetzten sollte.

Ein Deutscher und ein Mann

So begründet Sergio Wyniger, Präsident der Bürgergemeinde Solothurn, die Wahl des neuen Einsiedlers für die Verenaschlucht. Video: © az/Wolfgang Wagmann

Schwester Benedikta, die sich direkt von Gott inspiriert gefühlt hatte, war vor gut einem Jahr ins Kreuzfeuer interner Kritik geraten. Einerseits hatte sie sich über den Rummel in der Verenaschlucht beklagt, der ihr ein Leben als Einsiedlerin nach ihrer Vorstellung verunmögliche. Andererseits war sie keineswegs öffentlichkeitsscheu, wenn es um einen TV-Auftritt bei Aeschbacher oder die Vernissage ihres autobiografischen Buches ging.

Dies riss Gräben auf, die man im Bürgerrat mit einer Aussprache zu kitten versuchte. Doch die FDP-Fraktion bezog damals gar keine Stellung zu Schwester Benediktas Aussagen im Ratssaal, und so wurde der Bruch zuletzt unvermeidlich. Ihre Vorgängerin, Verena Dubacher hatte es gut drei Jahre länger in der Einsiedelei ausgehalten, jedoch wegen gesundheitlicher Probleme den Posten aufgegeben.

Da war es nur noch einer

Die vorletzte Ausschreibung des Postens hatte zu einem Riesenecho und weit über 100 Bewerbungen aus dem In- und Ausland geführt. Diesmal wurde die Einsiedelei nur intern ausgeschrieben, was lediglich 22 Bewerbungen einbrachte.

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Mit dieser Stellenausschreibung suchte die Bürgergemeinde einen neuen Einsiedler

Zuvor hatte die Einsiedelei-Kommission grundsätzlich die Weiterbesetzung der Klause diskutiert, und sich dann doch für ein Weiterführen der Einsiedler-Tradition entschlossen, die bis weit ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Eine Bewerbung, die eher eine «Hauswart-Rolle» ausgefüllt hätte, wurde zurückgezogen, eine weitere kam nicht weiter in Betracht.

Und so blieb zuletzt nur noch Michael Daum, der die Anforderung eines «spirituellen Hintergrunds» erfüllte, als Einervorschlag übrig. Der neue Einsiedler, verantwortlich für die Martins- und Verena-Kapelle in der Schlucht, erhält einen Brutto-Lohn von gut 2000 Franken im Monat und die renovierte Klause als Gratis-Logis.

  (aargauerzeitung.ch)

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