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Solothurner Mordprozess: Freisprüche oder je 20 Jahre Gefängnis

02.06.2021, 15:51

Im Prozess zum Mord in Metzerlen SO haben die Verteidiger vor dem Amtsgericht Dorneck-Thierstein für die beiden wegen Mordes Angeklagten auf Freisprüche plädiert. Die Staatsanwaltschaft forderte je 20 Jahre Gefängnis. Opfer des Verbrechens im März 2010 war ein 71-jähriger Schweizer.

Der seit Montag dauernde Prozess ist am Mittwoch zu Ende gegangen. Vor Gericht wegen des Vorwurf des Mordes verantworten mussten sich ein 44-jähriger Serbe und ein 41-jähriger Niederländer mit serbischen Wurzeln. Beide Männer sind in Haft. Sie machten vor dem Amtsgericht Dorneck-Thierstein keine Aussagen. Im Schlusswort sagte der Serbe jedoch, er habe mit der Tat in Metzerlen nichts zu tun.

In seinem mehrstündigen Plädoyer forderte der Verteidiger des Serben am Mittwoch einen Freispruch, auch vom Vorwurf des bandenmässigen Raubes in einer Bijouterie in Wettingen AG im Jahr 2010. Der Verteidiger bezeichnete den vorbestraften Mann als «raffinierten Räuber».

Er warf der Staatsanwaltschaft eine «dürftige Beweislage» für die Anklage vor. Sie habe absichtlich langsam gearbeitet und das Verfahren mehr als drei Jahre verlängert.

Zweifel am Schal als Beweisstück

Gemäss Verteidiger ist etwa unklar, wann der Schal am Tatort in Metzerlen - ein Beweisstück der Staatsanwaltschaft - aufgefunden wurde, auf dem DNA-Spuren des Angeklagten nachgewiesen wurden. Der Schal sei am Tatort auch dem Rettungsdienst und den Polizisten zunächst nicht aufgefallen. Nach dem Fund sei er noch drei Tage bei der Ehefrau des Opfers zurückgelassen worden.

Zudem sei offen, ob der Schal tatsächlich seinem Mandanten gehöre, sagte der Verteidiger. Er zweifelte auch die Beweiskraft der in Metzerlen und beim Raubüberfall in Wettingen benutzten Kabelbinder an.

Sein Mandant sei in der Haft 25 Monate lang isoliert gewesen. Es habe jedoch keine Fluchtgefahr durch Dritteinwirkung gegeben. Er sprach von Beugehaft, damit sein Mandant falsche Aussagen mache.

Opfer des Raubüberfalls war ein 71-jähriger Schweizer. Der Raubüberfall hatte sich am 14. März 2010 in der an Frankreich angrenzenden Gemeinde Metzerlen ereignet. Das Opfer, das sich wehrte, wurde in seinem Haus schwer verletzt. Der Lokalpolitiker starb vier Monate nach der Tat im Spital.

Verteidiger kritisierte Ärzte

Gemäss Verteidiger starb der Mann nicht ursächlich an den beim Raubüberfall erlittenen Kopfverletzungen, sondern an den Folgen von insgesamt drei Lungenentzündungen. Der Verteidiger stützte sich dabei auf Berichte der Spitalärzte, denen er eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorwarf.

In Rücksprache mit den Angehörigen sei im Spital auf lebensverlängernde Massnahmen - etwa eine Therapie mit Antibiotika - verzichtet worden. Daher bestehe kein kausaler Zusammenhang zwischen den Verletzungen und dem Tod des Opfers. Sein Mandant habe nicht direkt zum Tod des Mannes beigetragen.

Es drohen 20 Jahre Gefängnis

Der Staatsanwalt hatte am Dienstag für den Serben und für den Niederländer, der bei der Tat in Metzerlen ebenfalls dabei gewesen sein soll, eine Freiheitsstrafe von je 20 Jahren gefordert. Sie sollen des Mordes und des bandenmässigen Raubes schuldig gesprochen werden.

Auch der Verteidiger des Niederländers hatte die Staatsanwaltschaft kritisiert. Er forderte für seinen Mandanten die Einstellung des Verfahrens, eventualiter Freispruch vom Vorwurf des Mordes. Er warf der Staatsanwaltschaft Spekulationen vor.

Der Tippgeber des Überfalls, ein 67-jähriger Kroate, soll gemäss Staatsanwaltschaft wegen qualifizierten Raubes zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt werden. Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf Freispruch.

Prozess an geheimem Ort

Das Amtsgericht Dorneck-Thierstein verhandelte den Mordfall an einem geheimen Ort. Es gehe um die Sicherheit aller am Prozess Beteiligten, hiess es. Die Öffentlichkeit war von der Verhandlung ausgeschlossen. Medienvertreter konnten den Prozess via Videoübertragung mitverfolgen. Das Amtsgericht will seine Urteile am 14. Juni eröffnen. (aeg/sda)

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