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Interview: CEO Nicolas Hale-Woods will Freeride-Disziplin für Olympia

Nicolas Hale-Woods (Kreis) setzt sich für die Aufnahme von Freeride in die Olympischen Spiele ein – aber nicht um jeden Preis.
Nicolas Hale-Woods (Kreis) setzt sich für die Aufnahme von Freeride in die Olympischen Spiele ein – aber nicht um jeden Preis. bild: keystone/watson
Interview

Freeride-Chef im Interview: Ziel Olympia, aber nicht um jeden Preis

Beim Verbier Xtreme am vergangenen Wochenende traf watson auf den Chef der Freeride-Szene, den Schweizer Skifahrer Nicolas Hale-Woods. Dieser setzt sich dafür ein, dass seine Sportart bereits 2030 in die Olympischen Spiele aufgenommen wird – allerdings nicht um jeden Preis.
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01.04.2026, 22:3101.04.2026, 22:31
Yoann Graber
Yoann Graber

Freeride, das Skifahren und Snowboarden abseits der Pisten im steilen, wilden Gebirge, hat in den letzten Jahren eine erhebliche Professionalisierung erfahren.

2022 trat die Freeride World Tour dem Internationalen Skiverband (FIS) bei und wurde damit zu einem offiziellen Weltcup-Event. Die ersten Weltmeisterschaften fanden dieses Jahr in Andorra statt. Nun strebt die Sportart die Aufnahme in die Olympischen Spiele an.

Was genau ist Freeride?
Beim Freeride-Wettkampf handelt es sich um die Abfahrt abseits der Piste – mit Ski oder Snowboard –, wobei die eigene Fahrlinie frei gewählt wird. Bewertet werden die Fahrerinnen und Fahrer nach verschiedenen Kriterien, darunter:

- Schwierigkeitsgrad der Route
- Kreativität (z. B. Sprünge)
- Flüssigkeit der Abfahrt

Es gewinnt der Fahrer oder die Fahrerin mit den meisten Punkten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet im Juni, ob Freeride in das Programm der nächsten Olympischen Winterspiele 2030 in Frankreich aufgenommen wird. Es konkurriert mit anderen Sportarten wie Eisklettern, Telemark-Skifahren und sogar Cyclocross.

Am Samstag diente das Verbier Xtreme als Hauptschauplatz. Das Event im Walliser Skigebiet – einem wahrhaftigen Mekka des Freeride – bildet das Finale der Freeride World Tour und feierte letztes Wochenende sein 30-jähriges Jubiläum. Vertreter des IOC und des FIS waren vor Ort, um sich weniger als drei Monate vor dem entscheidenden Event ein Bild von der Lage zu machen.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

KEYPIX - Shayne Blue Sandblom from the U.S. competes to take the 5th place in the men's snowboard category at the Verbier Xtreme Freeride World Tour (FWT) finals on the "Bec des Ross ...
Der US-Amerikaner Shayne Blue Sandblom am Verbier Xtreme 2026.
bild: KEYSTONE

watson hat in Verbier Nicolas Hale-Woods, den CEO der Freeride World Tour und Mitbegründer des Xtreme, getroffen. Der 56-jährige Schweizer Athlet setzt sich dafür ein, dass seine Sportart in die Olympischen Spiele aufgenommen wird. Für ihn darf dies jedoch nur unter bestimmten Umständen geschehen.

Sind Sie hinsichtlich der Erfolgschancen dieses Antrags zuversichtlich?
Nicolas Hale-Woods:
Ja. Aber es ist das erste Mal, dass wir nicht die nötigen Mittel haben, um einen gesamten Prozess selbst zu steuern. Deshalb bin ich vorsichtig.

Aber Sie sind auf dem richtigen Weg?
Wir sind auf dem richtigen Weg, aber es gibt noch keine Garantien. Der Prozess begann vor zwei Jahren mit unserer Bewerbung beim IOC, in der wir darlegten, dass unsere Sportart ein würdiger Kandidat für die Olympischen Spiele ist. Seitdem befinden wir uns in Gesprächen mit dem IOC, und dessen Executive Board wird im Juni anhand verschiedener Kriterien die endgültige Entscheidung treffen.

Nicolas Hale-Woods, manager du Freeride World Tour, prend la pose en face du "Bec des Rosses" lors d'un point presse un jour avant la derniere etape du Freeride World Tour,  ...
Nicolas Hale-Woods, EO der Freeride World Tour und Gründer des Verbier Xtreme. bild: KEYSTONE

Welche?
Es geht um die Attraktivität des Sports, die Robustheit seiner Struktur und seine Anziehungskraft auf zukünftige Generationen. Und die hat er. Wenn man sieht, dass Surfen, Klettern und Skateboarden bereits olympisch sind, erscheint es logisch, dass auch Freeride dazugehört.

«Hinzu kommt der politische Aspekt, insbesondere die Konkurrenz durch andere Sportarten.»

Die gute Nachricht ist, dass ein IOC-Mitglied, FIS-Generalsekretär Michel Vion, und FIS-CEO Urs Lehmann dieses Wochenende in Verbier waren. Wir konnten ihnen unseren Sport so transparent wie möglich präsentieren. Das ist ein weiterer Grund zur Hoffnung …

Wir sind ganz Ohr!
Damit eine neue Sportart in die Olympischen Spiele aufgenommen wird, muss das Organisationskomitee der jeweiligen Ausgabe (COJO) zustimmen. So auch bei den Spielen 2030 in Frankreich: Der Präsident des COJO, Edgar Grospiron, und der Präsident des französischen Skiverbandes, Fabien Saguez, sprechen sich sehr für Freeride aus. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens gewinnt Frankreich Medaillen im Freeride. Zweitens wurde diese Disziplin in Frankreich, genauer gesagt in Chamonix, erfunden. Heute ist Frankreich das europäische Land mit den meisten Wettbewerben und Teilnehmern. Freeride ist fester Bestandteil des französischen Skisports.

Verbier Xtreme 2026
Wie jedes Jahr fand die 30. Jubiläumsausgabe am Samstag, dem 28. März, auf dem legendären Bec des Rosses statt.
Bemerkenswert ist der Ausgang des Snowboard-Wettbewerbs der Männer: Der 26-jährige Liam Rivera aus Fribourg stellte mit seinem Sieg gleich einen neuen Punkterekord auf. Er belegte den zweiten Platz in der Freeride World Tour hinter dem Franzosen Victor de Le Rue.
Im Ski-Wettbewerb der Frauen erreichte die 26-jährige Sybille Blanjean aus dem Wallis einen beeindruckenden dritten Platz. Sie wurde Zweite in der Freeride World Tour. Das Event in Verbier gewann die Französin Lou Barin, die sich auch den Gesamttitel sicherte.

Warum will Freeride unbedingt olympisch werden?
Es gibt mehrere Ziele. Das erste ist die Anerkennung unseres Sports. Wir wollen die Fahrer, die wahre Athleten sind, und die Organisatoren der Veranstaltung würdigen.

«Und aus praktischer Sicht würden die Fahrer mehr Unterstützung von ihren Sponsoren, Skivereinen, Regionen und schliesslich auch von ihren nationalen Skiverbänden erhalten.»

Sobald eine Sportart Teil der Olympischen Spiele ist, erhält der nationale Verband, in diesem Fall Swiss-Ski, Subventionen vom nationalen Olympischen Komitee (Swiss Olympic). Dies mit dem Ziel, die Anzahl der Medaillen, die die Schweiz bei den nächsten Weltmeisterschaften oder den nächsten Olympischen Spielen gewinnt, zu maximieren.

Wie hoch sind diese Subventionen?
Zwischen 600'000 und 800'000 Franken pro Jahr. Sie werden teils verwendet, um Spitzensportler beim Medaillengewinn zu unterstützen, teils zur Förderung des Nachwuchses, aus dem einige zukünftige Spitzenfahrer hervorgehen werden: beispielsweise durch die Unterstützung von Vereinen bei der Erschaffung von Freeride-Bereichen und durch die Entwicklung sicherer und betreuter Freeride-Angebote für Kinder.

«Eine Präsentation bei den Olympischen Spielen steigert die Zuschauerzahlen, vielleicht um das Hundert- oder sogar Tausendfache. Die Auswirkungen sind enorm!»

Das führt zu mehr Ressourcen und Sponsoren, mehr Sportgebieten in aller Welt, die Freeride-Wettbewerbe ausrichten wollen, zu mehr Skischulen mit einer Freeride-Abteilung und mehr Teilnehmern. Und somit auch zu einer stärkeren Branche. Die Aufnahme in die Olympischen Spiele ist heute ein logischer Schritt. Doch wir müssen einen entscheidenden Punkt beachten …

Welchen?
Die Aufnahme in die Olympischen Spiele darf unseren Sport nicht verfälschen. Wir dürfen weder unsere Werte noch unsere Gemeinschaft verlieren. Aus unseren Gesprächen mit dem IOC, dem COJO und dem FIS geht hervor, dass sie dies verstehen. Wir können uns daher einen olympischen Freeride-Wettbewerb vorstellen, der den Erwartungen der Athleten und der Community entspricht.

Sybille Blanjean from Switzerland competes to take the third place in the women's ski category at the Verbier Xtreme Freeride World Tour (FWT) finals on the "Bec des Rosses" ...
Die Walliserin Sybille Blanjean bei der Abfahrt auf dem Bec des Rosses. Sie belegte dieses Jahr den dritten Platz. bild: KEYSTONE

Es soll also unbedingt vermieden werden, was dieses Jahr beim Skibergsteigen in Mailand-Cortina passiert ist. Dort kritisierten mehrere Experten die Organisatoren dafür, den Sport durch die Austragung des Wettbewerbs auf einer Ski-Alpin-Piste verfälscht zu haben.
Da ich selbst Skibergsteigen betrieben habe, kenne ich den Sport und finde, dass die Umgestaltung bei den Olympischen Spielen zu weit gegangen ist. Der Wettbewerb reduzierte sich letztendlich auf die Übergänge. Doch Skibergsteigen ist weit mehr als das.

Wie stellen Sie sich Freeride bei den Olympischen Spielen denn vor?
Es muss ein Einzelwettbewerb sein. Wir verstehen, dass er nicht vier oder fünf Stunden dauern kann, aber er muss mindestens eine Stunde dauern. Und in natürlicher Umgebung. Punkt.

«Wenn uns das IOC beispielsweise auf eine blaue Piste zwingen würde – ein überspitztes Beispiel zur Veranschaulichung –, dann würden wir die Olympischen Spiele aufgeben.»
People enjoy the good condition on the Verbier's slopes in front of the "Bec des Rosses" mountain in Verbier, Switzerland, this Friday, March 30, 2018. (KEYSTONE/Anthony Ane ...
Der berühmte Bec des Rosses, auf dem das Verbier Xtreme stattfindet. bild: KEYSTONE

Doch in die Wildnis vorzudringen, ist logistisch nicht einfach. Beispielsweise für Fernsehproduktionen.
Ehrlich gesagt, mit den Ressourcen des IOC ist es nicht kompliziert. Man schaue sich nur das wichtigste Skitouren-Event an, die Pierra Menta in Frankreich. Dort sorgen lokale Bergführer für Sicherheit und begleiten die Zuschauer in die Berge. Die Fans läuten Kuhglocken, und man sieht die Landschaft im Fernsehen, nicht nur die Piste oder die Holztreppe. Das ist insbesondere Drohnen zu verdanken. Nein, logistische Schwierigkeiten sollten wir nicht als Ausrede benutzen.

Vielleicht fürchtet das IOC auch Todesfälle oder schwere Verletzungen in einer Disziplin, die schliesslich zu den risikoreichsten zählt?
Viele denken, Freeride sei riskanter als andere, aber das stimmt nicht. Wir haben 15'000 Wettkampfläufe pro Jahr, und es gab noch nie einen Todesfall. Und nur sehr, sehr wenige schwere Verletzungen – klopf auf Holz! Selbst ohne die Statistiken zu betrachten, ist Freeride eindeutig nicht gefährlicher als der Super-G im Ski Alpin.

Okay, falls es mit den Olympischen Spielen 2030 nicht klappen sollte, versuchen Sie es dann 2034 erneut?
Ja. Wir haben bereits mit dem Organisationskomitee von Salt Lake City 2034 gesprochen. Sie haben uns mitgeteilt, dass sie Freeride wollen. Die vier zusätzlichen Jahre wären zwar eine unnötige Wartezeit für alle, aber sie würden uns nicht ruinieren. Unser Sport und seine Werte sind stark.

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quelle: keystone / wu hao
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