Schweiz
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Waldrapp Shorty

Shorty ist wieder gesund. Bild: Tierpark Goldau

Die eigenwillige Waldrapp-Dame Shorty kann die Krankenstation des Tierparks Goldau verlassen

Der Kälteeinbruch im Februar hatte der Waldrapp-Dame Shorty arg zu gesetzt. Sie verlor so sehr an Gewicht, dass sie in der Krankenstation des Tierparks Goldau wieder aufgepäppelt werden musste. 



Die eigenwillige Waldrapp-Dame Shorty, die in der Krankenstation des Tierpark Goldau aufgepäppelt wurde, kann nun zu ihren Artgenossen nach Deutschland zurückkehren. Eine Mitarbeiterin des Waldrappteams hat sie am Montag in Goldau abgeholt.

Allmählich fühle sich Shorty einsam in der Quarantänestation, teilte der Natur- und Tierpark Goldau und das europäische Waldrappteam in einer gemeinsamen Mitteilung mit. Die Waldrapp-Dame sehne sich nach ihren Artgenossen.

Berühmt seit 2012

Das Waldrapp-Weibchen erlangte in der Schweiz Berühmtheit, seit es im Herbst 2012 als Jungvogel während der Herbstmigration den Anschluss an einen zugerfahrenen Artgenossen verloren hatte und alleine in der Schweiz am Zugersee überwinterte. Im Juli kehrte das Waldrapp-Weibchen dann an seinen Schlupfort Burghausen in Bayern zurück, wo es wieder auf seine Artgenossen des Wiederansiedlungsprojekts traf.

Im Herbst 2013 wurde der Vogel mit seinem roten, kahlen Kopf, seinem langen, gebogenen Schnabel und den langen Nackenfedern von Projektmitarbeitern in das Wintergebiet in der Toskana und im Frühjahr 2014 retour nach Burghausen gebracht. Dort wurde Shorty mit einem Sender ausgestattet und freigelassen. 

Kälteeinbruch

Statt aber im Herbst mit den Artgenossen in die Toskana zu fliegen, kehrte Shorty am 16. Oktober 2014 erneut in die Schweiz zurück und hielt sich im Umfeld des Zugersees auf. Wie schon zwei Jahre zuvor erwies sich Shorty als sehr anpassungsfähig: Bei tiefen Temperaturen suchte der Vogel regelmässig das klimatisch begünstigte Seeufer bei Risch ZG auf.

Beim Kälteeinbruch im Februar 2015 wurde Shorty dann aber im Aargau bei Jonen eingefangen. Der Vogel war untergewichtig und hatte kältebedingte Gewebsveränderungen. In der Krankenstation des Tierparks Goldau wurde er wieder aufgepäppelt.

Suche nach einem Partner

Nun werde es Zeit, dass Shorty abgeholt werde, wird Martin Wehrle, Tierarzt des Natur- und Tierparks Goldau, in der Medienmitteilung zitiert. Shorty sei inzwischen bald drei Jahre alt und damit geschlechtsreif. Sie brauche einen Partner, mit dem sie hoffentlich in diesem Frühling Waldrapp-Küken aufziehen werde.

Shorty wird die Reise in einer Vogeltransportbox antreten. Die Ankunft im Brutgebiet Burghausen wird sich für Shorty aber um einige Tage verzögern - bis die neue Brutanlage fertiggestellt ist. In der Zwischenzeit werde die Waldrapp-Dame in Radolfzell am Bodensee auf sieben ihr bekannte Artgenossen der sogenannten Brutgruppe treffen, die dort den Winter in einer Voliere verbracht hätten, heisst es weiter.

Diese Brutgruppe besteht aus erwachsenen Waldrappen aus verschiedenen Zoohaltungen. Die Vögel hatten nicht wie die anderen Waldrappen des Projekts die Zugroute erlernt. Da sie nicht selbständig migrieren können, werden sie gemeinsam am 22. März nach Burghausen gebracht, wo sie auf die zurückkehrenden Zugvögel treffen.

Stark bedrohter Zugvogel

Damit sich Shorty nicht ein weiteres Mal in der Schweiz niederlässt, wird sie zusammen mit der Brutgruppe vor Beginn des Herbstzugs in das Wintergebiet in der Toskana transportiert. Die Nachkommen sollen im Brutgebiet bleiben und dort die Flugroute von ihren migrierenden Artgenossen erlernen. «Und echte Zugvögel werden», heisst es weiter.

Der Waldrapp ist eine der am stärksten bedrohten Zugvogelarten. Bis ins 17. Jahrhundert war er auch in Mitteleuropa heimisch, bis er durch übermässige Bejagung verschwand. Im Rahmen eines Artenschutzprojekts mit acht Partnern aus Österreich, Italien und Deutschland soll der Waldrapp in Europa wieder als Zugvogel angesiedelt werden.

Auch der Natur- und Tierpark Goldau und die Vereinigung zooschweiz unterstützen das Projekt. Eine Wiederansiedlung in der Schweiz sei vorerst aber nicht vorgesehen, heisst es weiter. Es sei aber gut möglich, dass Shorty zum Wegbereiter einer neuen Schweizer Waldrapp-Population werde. Geeignete Lebensräume seien reichlich vorhanden. (whr/sda)

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