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Der Mythos vom Haus, das in Deutschland und der Schweiz steht 

Tour dur d'Schwiiz, 32. Etappe

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Tour dur d'Schwiiz, 32. Etappe: Winterthur – Eglisau
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Der Mythos vom Haus, das in Deutschland und der Schweiz steht 

Als ich von dem Haus berichtet hatte, das in Graubünden und dem Tessin steht, schrieben User von einem ähnlichen Fall in Nohl ZH. Ich solle das doch abklären. Euer Wunsch, mein Befehl (meistens).
10.08.2015, 11:4910.08.2015, 12:52
Reto Fehr
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Mit dem Velo durch die ganze Schweiz
In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d'Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter

Der Mythos geht so: In Nohl ZH soll ein Haus stehen, das gleichzeitig im Kanton Zürich, Kanton Schaffhausen und Deutschland liegt. User machen mich darauf aufmerksam und eine kurze Recherche zeigt: Die Geschichte taucht immer mal wieder auf.

Grund genug einen Augenschein zu nehmen. Ich fahre die Gemeinde Laufen-Uhwiesen als 476. ab. Allerdings auf dem Weg nach Norden nur auf der südlichen Rheinseite. Nohl, das auch noch dazugehört und auf der nördlichen Flussseite liegt, durchquere ich erst auf dem Weg hinunter.

Blick auf Nohl in Richtung Rheinfall (grad oben ums Eck).
Blick auf Nohl in Richtung Rheinfall (grad oben ums Eck).Bild: watson

Durchqueren tue übrigens nicht nur ich den Ort, der herrlich kurz nach dem Rheinfall liegt, sondern auch Grenzlinien. Fast mehr als 130 Einwohner. Nein, das nicht ganz. Aber deren drei sind es: Eine trennt Deutschland von Schaffhausen, eine Schaffhausen von Zürich und eine Zürich von Deutschland.

Der Blick auf Nohl: Die dicke Linie ist die Landesgrenze, die gestrichelten sind die Kantonsgrenze.
Der Blick auf Nohl: Die dicke Linie ist die Landesgrenze, die gestrichelten sind die Kantonsgrenze.

Konkret sieht das so aus: Hier ist ziemlich genau die weisse Linie die Grenze zwischen Deutschland und Zürich (links):

Bild
Bild: watson

Der Blick in die andere Richtung. Hier trennt der Grenzstein Deutschland (links) von Zürich und im Hintergrund gehört der eine Teil des Baums hinter dem Auto zu Deutschland, der mittlere zu Schaffhausen und der letzte zu Zürich:

Bild
Bild: watson

Ich treffe Hansueli Nohl. Er wohnt hier im Gebäude auf der Schweizer Seite: «99 Prozent unseres Grundstücks liegen auf deutscher Seite. Nur das Haus mit der Taverne und schöner Terrasse mit Blick auf den Rhein steht in der Schweiz. Die Scheune trägt eine deutsche Adresse.» Steuertechnisch bedeutet dies: «Wir zahlen in beiden Ländern steuern. Es ist aber nicht so, dass wir in Deutschland billig produzieren können. Der ganze Papierkram ist enorm.»

Nördlichster und südlichster Punkt der Schweiz
Nachdem ich vor einiger Zeit in Chiasso den südlichsten Punkt der Schweiz besucht hatte, habe ich jetzt die Nordspitze erreicht. Sie liegt in der Gemeinde Bargen und nennt sich Schwarzer Stein. Wirklich viel los ist dort auch nicht. Eine Feuerstelle und eine Infotafel müssen reichen. Immerhin ist der Blick in die Schweiz schön, dafür fehlt eine Schweizer Fahne. Bilder dazu gibt es in der Diashow oben. Und ja, den östlichsten Punkt hab' ich schon verpasst. Ob ich den westlichsten noch besuche, wird sich zeigen.

Was Nohl aber mit Sicherheit sagen kann: «Es gibt hier kein Haus, das auf deutschem und Schweizer Boden steht.» Aber: «Die Garage dahinten steht in zwei Ländern. Wenn also ein Auto drin parkiert ist, müsste es theoretisch vorne eine deutsche und hinten eine Schweizer Nummer tragen», scherzt Nohl.

Die geteilte Garage: hinten Deutschland, vorne Schweiz.
Die geteilte Garage: hinten Deutschland, vorne Schweiz.Bild: watson

Also, der Mythos wäre aufgeklärt. Bleibt noch eine Frage: Was war eigentlich zuerst: die Familie Nohl, die hier wohnte, oder der Ortsname Nohl? Früher hiess die Fraktion – die bis 1956 mit dem restlichen Gemeindeteil nur per Fähre erreichbar war und sich daher mehr nach Neuhausen am Rheinfall orientiert – Urfar. Die Nohls wohnten dann schon hier. «Man sagte jeweils: ‹Ich gehe zu den Nohls rüber.› Irgendwann hat sich der Name auch für den Ort durchgesetzt.»

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