Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Tour dur d'Schwiiz, 43. Etappe: Goppenstein – Sierre

Tour dur dSchwiiz

Die «grossen Ohren» von Leuk: NSA-Gerüchte und der Witz des Busfahrers

Sie sind unübersehbar: Die riesigen Parabolantennen über Leuk. Für was sie genau genutzt werden, ist unklar. Aber die Rezeptionistin im Hotel hat eine gute Erklärung.



Mit dem Velo durch die ganze Schweiz

In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d'Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter

Da lacht die Dame an der Rezeption des Schlosshotels ins Leuk. Ich fragte sie gerade, für was denn die riesigen Satellitenschüsseln oberhalb Leuks seien. «Immer wenn mich die Leute das fragen, kommt mir der Witz eines unserer Busfahrer in den Sinn. Der erzählte Touristen mal, dass wir sie bei Regen aufrichten, um Frischwasser aufzufangen.»

Tour dur d'schwiiz 43. Etappe

Die Satellitenanlage im Oberwallis. Bild: watson

Natürlich stimmt das mit dem Frischwasser nicht. Aber für was die «Ohren von Leuk» wirklich sind, ist unklar. Die Swisscom baute die ersten Antennen 1972. Im Jahr 2000 verkaufte sie die Anlage mit heute rund 50 Schüsseln an die amerikanische Firma Verestar. Diese soll während dem Irakkrieg damit für das amerikanische Militär Daten abgefangen haben. 

Die Firma dementierte dies. Die Anlage werde nur für zivile Angelegenheiten genutzt. Allerdings zahlte die US-Regierung 2003 für zehn Jahre 360 Millionen Dollar zur Nutzung an Verestar. Der Schweiz waren die Hände gebunden. Für was die Anlage genutzt wird, darf sie nicht wissen.

Tour dur d'schwiiz 43. Etappe

Was sicher ist: Christian Constantin sucht mit den Antennen nicht nach neuen Trainern. Bild: watson

Mittlerweile wurde die Station an die Signalhorn AG mit Sitz in Deutschland verkauft. Diese rühmt die Anlage als topmodern und wichtig für Telekommunikation. Ob auch die US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) unter den Kunden ist? Könnte sein. Nach der Snowden-Affäre kamen wieder Gerüchte dazu auf. Glaubwürdig dementieren konnte dies niemand.

Einen Teil der Anlage nutzt übrigens der Schweizer Nachrichtendienst. Unter dem Namen Onyx hört er Funkverbindungen im Ausland ab. Mit den gesammelten Daten soll die Sicherheit der Schweiz erhöht werden. Verbindungen zwischen Onyx und Signalhorn gäbe es keine.

Tour dur d'schwiiz 43. Etappe

Über Leuk thronen die Satelliten. Bild: watson

Vielleicht ist alles ja viel einfacher. Gleich unter Leuk beginnt der Pfynwald, der zusammen mit dem Fluss Raspille die Sprachgrenze im Wallis bildet und das Ober- vom Unterwallis trennt. Womöglich hören die Oberwalliser auch einfach die Unterwalliser ab. 

Tour dur d'schwiiz 43. Etappe

Der Pfynwald unterhalb der Antennen trennt das Ober- vom Unterwallis. Bild: watson

Die Dame an der Rezeption des Schlosshotels sagt achselzuckend: «Die Schüsseln sind einfach hier. Ich weiss nicht genau, was die da oben machen. Aber mir gefällt die Geschichte des Busfahrers.»

Tour dur d'Schwiiz, 42. Etappe: Stalden – Steg-Hohtenn

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Tour dur dSchwiiz

Die Gemeinde ohne Ortsschild und die traurige Geschichte dazu

Es war der Schock am frühen Morgen: Das Ortsschild von Marmorera liess sich nicht finden. Dabei wollte ich doch von allen 2324 Gemeinden die Ortsschilder knipsen. Schon bei der 21. Gemeinde scheiterte der Versuch. Die Erklärung ist traurig.

Schön liegt er da, der Marmorera-Stausee, wenn man vom Julier herunter kommt. Die Julia mündet in den See, Bäume säumen die Ufer, eine Felswand auf der anderen Seite und die Passstrasse zwängt sich auch noch zwischen See und Steilhang. Mitte des Sees dann der Wegweiser nach Marmorera, meine 21. Gemeinde auf der Tour dur d'Schwiiz.

Ich radle hoch. Doch die Gemeinde wirkt sehr speziell. Kein Laden, keine Schule, keine Post. Einen Friedhof mit schöner Aussicht gibt's, eine kleine Kirche, einige …

Artikel lesen
Link zum Artikel