Schweiz
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Schawinski Franz Hohler

Franz Hohlers Hemd passt ausnehmend gut zu Schawinskis Studiodekoration. 
Bild: Screenshot srf

Danke, Franz Hohler, für diesen schönen «Schawinski». Bitte werden Sie unser Grossvater!

Der letzte «Schawinski» 2015 gehörte dem weisen Franz Hohler. Was für eine wohltuende Sendung.



Wenn Menschen über 70 sind, darf man von alt reden. Oder nicht? Gut. Es trafen sich also zwei alte Männer im Fernsehstudio. Klingt schrecklich. War aber wunderbar. Der eine ist 70 (Roger Schawinski), der andere 72 (Franz Hohler).

Der 70-Jährige, der zwar gleich zu Beginn der Sendung betonte, wie toll es sei, das Publikum «bi mir» willkommen zu heissen, ist in dem Fall nicht so wichtig. Er wollte eigentlich bloss über den andern Roger reden, den Köppel, und vom 72-Jährigen hören, wie skandalös beschissen es doch sei, dass ein ehemals Linker zu einem Ultrarechten geworden ist.

Schawinski Franz Hohler

Bild: Screenshot srf

Aber der 72-Jährige fiel nicht darauf herein. Denn er ist schlau. Einer, dem man gerne das abgelutschte Prädikat «schlauer Fuchs» anhängt. Dabei ist er ein Linker, der ein Linker geblieben ist. Der das aber ganz undogmatisch immer wieder hinterfragt und reflektiert.

«Man soll nicht meinen, ein Kräftefeld bleibe so, wie wir uns das gewohnt sind. Es ist auch richtig, dass wir unsere Position immer wieder überdenken», sagt er. Und wer hat eigentlich recht? Wer ist eigentlich das Volk? Alle, die sich in seinem Namen äussern, sagt er. Die Mehr- genauso wie die Minderheiten. Damit müsse man zurecht kommen.

Wie Schawinski ist auch Hohler eine Rampensau. Seit gut 50 Jahren. Und auf den Rampen, die man ihm baute, setzte er sich nicht wie Schawinski bloss für einen eigenen Radiosender ein, sondern gegen Atomkraftwerke, gegen die Armee, gegen das Waldsterben, gegen die Abschottung der Schweiz und für Flüchtlinge. Unbeirrbar, mit seiner Stimme, seinem Cello, seinen Texten. Abertausende hör(t)en ihm dabei zu, Franz Hohler ist das nachhaltige Gewissen der Schweiz.

Schawinski Franz Hohler

Bild: Screenshot srf

Und was hat sich in den 50 Jahren grundsätzlich verändert? Früher sei er viel härter kritisiert worden, sagt er, in den 80er-Jahren habe er sehr viel mehr «Shitstormartiges» erlebt als heute, jetzt würden wir ja in einer perfiden Zeit der Wellness-, Wohlfühl- und Wir-haben-es-alle-so-gut-Kultur leben.

Perfid deswegen, weil die sozialen Mechanismen heute so funktionieren wie in der Werbung. Wo einem nette Menschen mit viel Kuschelfaktor eine Message unterjubeln. So sei heute auch die Politik. Deshalb müsse man den «ganz harten Äusserungen» gegenüber genauso misstrauisch sein wie der «Software». 

Franz Hohlers «Totemügerli» feiert 2011 seinen Fünfzigsten

abspielen

YouTube/Hörmi

Schawinski will Hohler immer wieder einreden, dass er doch eigentlich ein Wutbürger sein müsse. Aber Franz Hohler ist ein Altersmilder. Einer, der auf Tausende von Auftritten zurückblickt, auf gut 60 Bücher für Kinder und Erwachsene, die in 20 Sprachen übersetzt wurden, auf das «Totemügerli», das finanziell noch immer ganz gut für ihn «sorgt», auf die seit 46 Jahren anhaltende Ehe mit seiner Ursula.

Aber auch auf dutzende von Katastrophen und Kriegen, auf Tschernobyl und Fukushima. «Wut ist nicht meine Gefühlslage. Das ist die Sorge, die Besorgnis», sagt der Mann, von dem einmal dieses typische Franz-Hohler-Lächeln wie ein Mond über der Schweiz stehen bleiben wird.

Vielleicht meint er uns ja alle ein bisschen mit. Denn die Vorstellung, dass sich Franz Hohler, dieser idealste Grossvater, den wir uns vorstellen können, um uns sorgt, die hat etwas enorm Tröstliches. Und damit wäre «Schawinski» für 2015 am Ende. Was für eine schöne letzte Sendung.

Hier gehts zur ganzen Sendung.

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chlinae_Tigaer 23.12.2015 09:43
    Highlight Highlight Zitat; ... gegen Atomkraftwerke, gegen die Armee, gegen das Waldsterben, gegen die Schweiz und für Flüchtlinge....

    Wow, der muss ja fast sowas wie ein gott für euch Linke sein.

    Für mich persönlich ist er ein bisschen zuviel "gegen" und zuwenig "für".

    Zuviel "gegen" und zuwenig "für", was meine Heimat anbelangt.
    • Citation Needed 23.12.2015 10:42
      Highlight Highlight Gemessen daran, dass Linke im Normalfall eher weniger zu Personenkult neigen und bei einhelliger Minne gleich Argwohn entwickeln (wehret den Anfängen!), ist Hohler tatsächlich sowas wie eine linke Lichtgestalt. ;-)
      Hat viel mit der Art seiner Verlautbarungen zu tun. Er verteufelt nicht, er setzt Denkanstösse. Polarisieren tut er auch nicht, siehe Sendung. Da ist mehr FÜR, weniger GEGEN auszumachen - und das ist keine Frage der Perspektive. Deine 'Heimatschützer' gehen da viel destruktiver vor.
    • Citation Needed 23.12.2015 10:44
      Highlight Highlight PS: bist Du etwa für das Waldsterben? ;-)
    • Chlinae_Tigaer 23.12.2015 11:36
      Highlight Highlight Was nützt es, gegen das Waldsterben zu sein?

      Das Waldsterben ist eine Tatsache, ebenso wie z.B das Aussterben der Bienen.

      Mit einem "dagegen sein" kann man höchstens bei (in diesem Fall l linken nichtselbstdenkenden) Menschen punkten.

      Das Sterben jedoch geht unvermindert weiter.
    Weitere Antworten anzeigen
  • felixJongleur 23.12.2015 08:16
    Highlight Highlight Sein Buch Tschipo hat mich als Kind verzaubert, ich habe es geliebt. Ich sage nur: fliegende Schubladen :)

    • Simone M. 23.12.2015 08:39
      Highlight Highlight Ebenfalls unvergesslich: Franz & René!
      Benutzer Bild
  • Ignorans 22.12.2015 15:05
    Highlight Highlight Schawinski plötzlich zahm...
  • Niquey 22.12.2015 13:47
  • Menel 22.12.2015 13:17
    Highlight Highlight Vor diesem Mann habe ich vollumfänglich Hochachtung. Er begleitet mich seit meiner Kindheit und fasziniert mich immer wieder aufs neue. Er symbolisierte für mich immer die Schweiz die ich liebe.
    • Mr_Burton 22.12.2015 14:48
      Highlight Highlight Sehr treffend. Da stimme ich vollumfänglich zu
  • Crecas 22.12.2015 12:20
    Highlight Highlight Früher ist er härter kritisiert worden, weil er relevant war. In der heutigen Realität har Franz Holer (wahrscheinlih auch gewollt) politisch kaum Relevanz mehr. Dies soll nicht eine Meinung sein, sondern ein Erklärungsversuch für seine These.
  • Denk-mal 22.12.2015 11:21
    Highlight Highlight Danke Franz Hohler! Gäbe es Sie nicht, man könnte Sie "nicht" erfinden! Diese Einmaligkeit ist eben einmalig.
    • Simone M. 22.12.2015 14:20
      Highlight Highlight Dem ist wirklich nichts mehr hinzuzufügen.

Kommentar

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