Schweiz
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Nicht alles, was die Swiss an Bord auftischt, wird auch verzehrt. Bild: inflightfeed.com

Food Waste an Bord – so will die Swiss dagegen vorgehen

Säcke voll mit einwandfreien Gipfelis, Butter oder Schinken müssen nach jedem Langstreckenflug entsorgt werden. Nun will die Airline ihre Öko-Bilanz verbessern – mit neuen Methoden.

Benjamin Weinmann / ch media



Es war eine Nachricht für Feinschmecker: Vor einigen Tagen verschickte die Swiss ein Communiqué und kündigte das neue Gastro-Menü für ihre Business- und First-Class-Passagiere während den nächsten drei Monaten an. Die Gäste in den vorderen Reihen der Swiss-Flieger kommen in den Genuss von Spezialitäten wie Trüffelmousse im Ei oder einer Tarte mit Sanddorn-Gelee aus der Küche des Schweizer Sternekochs Andreas Caminada.

Was jetzt schon klar ist: Ein Teil dieser Leckereien landen unangetastet im Abfall. Denn Food Waste – also die Verschwendung von Lebensmitteln – geschieht nicht nur am Boden, sondern auch über den Wolken. In den letzten Jahren, in einer Zeit mit stärkerer Öko-Sensibilisierung, hat das Thema in der Gesellschaft und bei Unternehmen an Bedeutung gewonnen. In der Schweiz fallen jährlich 2.6 Millionen Tonnen an Food Waste an.

Auch die Swiss hat das Problem auf dem Radar und plant neue Massnahmen, um ihre Food-Waste-Bilanz zu verbessern, wie ein Artikel im neuen Magazin des Swiss-Pilotenverbands Aeropers zeigt, der die Verschwendung an Bord anprangert.

«Erschreckende Menge»

Am Beispiel eines Fluges nach Chicago schreibt ein Pilot: «Auf Flügen in die USA müssen gemäss den Bestimmungen der amerikanischen Behörden so gut wie alle frischen Lebensmittel entsorgt werden – ganz egal, wie lange sie noch haltbar oder wie sie verpackt sind.»

Ausgenommen seien nur der sündhaft teure Balik-Lachs, einige Backwaren in der First Class, ein paar Salatsaucen und Haltbares wie beispielsweise Trockenobst, schreibt der Pilot. «Für unseren Flug bedeutet das, dass wir in Chicago heute eine erschreckende Menge qualitativ einwandfreier Lebensmittel wegwerfen werden.

Und so stapeln sich nach der Landung in den Galleys (Bordküchen, Anm. d. Red.) Säcke-weise volle Kaffeerahmkapseln, Butter, Käse, Schinken und Früchte und warten auf ihre Entsorgung.» In der Business-Class seien nach dem Flug oft noch etwa zehn bis zwanzig Mahlzeiten übrig und werde vernichtet.

«Die USA misstrauen den Standards der Europäer, die Europäer misstrauen den Standards der USA, und den Standards aller anderen Staaten misstraut sowieso jeder.»

Grund für den Wegwerfwahn sind in der Regel die strengen Seuchenschutzgesetze in den Zielländern. Aus Angst, dass mit dem Essen ein Krankheitserreger oder Seuchen ins Land geschleppt werden könnte, der die Menschen oder die Flora und Fauna im Land bedrohen könnte, fordern die Staaten die Vernichtung vieler tierischer oder pflanzlicher Produkte.

Im Pilotenmagazin heisst es: «Die USA misstrauen den Standards der Europäer, die Europäer misstrauen den Standards der USA, und den Standards aller anderen Staaten misstraut sowieso jeder.»

Weniger Gipfeli und Sandwiches

Bei der Swiss läuft seit einiger Zeit ein konzerninternes Projekt mit dem Namen «Fly Greener», eine Initiative des Kabinenpersonals. Ziel ist es, das Recycling an Bord zu fördern und Abfall zu vermeiden.

Eine Sprecherin sagt, aus Rückzählaktionen wisse man, dass nur 80 Prozent der Gäste auf Europaflügen die Gipfeli und Sandwiches essen. Der Rest wird entsorgt. Aus diesem Grund würden nun weniger Frischprodukte als vorher geladen. Auch die Mahlzeiten für die Crew seien angepasst und zum Teil reduziert worden.

Zahlen zur heutigen Food-Waste-Menge kann die Sprecherin nicht nennen, diese würden erst gegen Ende Jahr vorliegen. Die gesamte Lufthansa-Gruppe, also auch die Swiss, unterstütze zudem die so genannten «Sustainable Development Goals» des Branchenverbands IATA, sagt die Sprecherin. Zu diesen Zielen gehört unter anderem die Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis 2030.

Easyjet, die Nummer 1 an den Flughäfen Genf und Basel, hat sich dem Thema ebenfalls angenommen. Die Billigairline setzt seit vergangenem Jahr auf einen selber kreierten Algorithmus für den voraussichtlichen Bedarf an Mahlzeiten, abhängig von einer Vielzahl Faktoren.

Mit dem alten Modell seien pro Flug im Schnitt 4.6 Lebensmittelprodukte entsorgt worden, sagt eine Sprecherin. Mit dem neuen Algorithmus seien es nur noch 1.9. Aktuell kommt er an acht Standorten in Grossbritannien und Europa zum Einsatz.

Belegte Brötli zum halben Preis

Bei der Swiss heisst es, für Flüge ab Zürich würde das Essen je nach Destination unterschiedlich eingeplant. Auch Faktoren wie Tag- oder Nachtflüge würden berücksichtigt sowie die Erkenntnisse aus dem «Fly Greener»-Projekt.

Bei Flügen ab Genf, bei denen Gäste für ihr persönliche Essenswahl bezahlen müssen, habe man ebenfalls ein automatisches Prognosesystem entwickelt, das eine präzisere Beladung ermögliche.

Zudem will die Swiss in Genf ein System prüfen, das sich Kunden von Migros, Coop und Co. bereits gewöhnt sind: Den Rabatt kurz vor Ladenschluss. «Wir schauen uns den Verkauf von Lebensmitteln zu speziellen Preisen an», bestätigt die Sprecherin. Auf Zürich-Flügen ist dies nicht möglich, da die Mahlzeiten im Preis inbegriffen sind.

Easyjet hat das Rabatt-System bereits eingeführt. Auf dem letzten Flug zurück zur Basis des Flugzeugs werden Snacks zum halben Preis angeboten. (mim/aargauerzeitung.ch)

Die Pizza der amerikanischen Armee, welche drei Jahre lang haltbar ist.

So viel Food Waste produzieren Schweizer Haushalte jährlich

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    Alle Leser-Kommentare
  • wolge 10.09.2019 17:21
    Highlight Highlight Der Mensch und seine Überregulierung... Wir betrachten uns als das intelligenteste Wesen auf dem Planeten und tun doch praktisch nur Mist...
  • felchlina 10.09.2019 12:37
    Highlight Highlight Es kann wohl kaum nur Business und First dafür verantwortlich sein. Doch eine Abnahme des Food Waste könnte auch durch eine Steigerung der Qualität erreicht werden.
    (Bild: SWISS von BKK nach ZRH, Mai 2019)
    Benutzer Bild
  • Peter Li 10.09.2019 10:22
    Highlight Highlight Foodwaste = Dekadenz
  • fidget 10.09.2019 09:36
    Highlight Highlight Es ist ja auch wahnsinnig, was auf Langstreckenflügen, gerade in Business und First Class, alles angeboten wird. Da gibt es Restaurants am Boden, die haben keine so grosse Auswahl. Eventuell müsste auch dort angesetzt werden. Ich kann das Vorgehen gegen Food Waiste bei den Airlines nur befürworten, denn ich hasse es noch gute Lebensmittel wegzuwerfen.
  • Glenn Quagmire 10.09.2019 08:41
    Highlight Highlight Die schrecklichen Käsesandwiches auf den Europaflügen enden wohl zu 99.9% als Food Waste.
    • OvoBärn 10.09.2019 11:08
      Highlight Highlight Also ich finde die gar nicht so übel, besser als diese Pizzadinger die Schnecken wie die gefalteten. Wenn die Stewards mit den restlichen Sandwiches noch einmal vorbei kommen nehm ich gerne noch eins. Wobei sich dies dann zum Waist Food entwickelt 😁
  • Simon 10.09.2019 08:41
    Highlight Highlight Sehr schön, sobald die Gipfelifrage geklärt ist, ist das Flugwesen rehabilitiert
  • Smiley99 10.09.2019 08:38
    Highlight Highlight In der Schweiz fallen jährlich nur 2.6 Tonnen Food waste an? Ich glaube kaum, dass diese Zahl stimmt, ich kenme Lebensmittelbetriebe die produziere pro Tag 2 Tonnen Good waste...
    Trauriges Thema, andere Hungern und bei uns landet jedes dritte Brot im Abfall
    • Martin Lüscher 10.09.2019 10:24
      Highlight Highlight @Smiley99: Ist korrigiert. Es sind 2.6 Millionen Tonnen.
    • Alnothur 10.09.2019 13:58
      Highlight Highlight 325 kg pro Jahr für jeden der 8 millionen Einwohner... sprich wir schmeissen Essen für x millionen Menschen weg? Schon nur wir in der kleinen Schweiz.
  • foxtrottmikelima 10.09.2019 08:17
    Highlight Highlight Ist auf Zürich Flügen nicht möglich...

    Wie wärs wenn ihr einfach vor der Landung nochmal durch das Flugzeug geht und fragt, ob jemand noch Hunger hat? Ich bin mir sicher, dass so noch einiges an Abfall eingespart werden kann.
    • Hartmann Stahlberg 10.09.2019 12:12
      Highlight Highlight Dann müsste man ja etwas dafür tun! WTF?!
  • AdvocatusDiaboli 10.09.2019 07:30
    Highlight Highlight «Die USA misstrauen den Standards der Europäer, die Europäer misstrauen den Standards der USA, und den Standards aller anderen Staaten misstraut sowieso jeder.»

    Wobei dieses Misstrauen voll unnötig ist. Anhand vom rasanten Bevölkerungswachstum sieht man
    ja das die Lebensmittelstandards weltweit durchaus in Ordnung sind.
  • Goldjunge Krater 10.09.2019 07:30
    Highlight Highlight In der Business Class zB kann ich vorgängig mein Menu nicht auswählen. Ich muss mich erst im Flugzeug entscheiden ob ich mich für Fleisch oder Fisch entscheide, ob ich eine Vorspeise und/oder Dessert will. Ebenfalls werden weitere Snacks während des Fluges serviert. Wenn ich nicht auf einiges verzichte, fühle ich mich nach einem Langstreckenflug mit Swiss oft fast schon gemästet..

    Warum kann man vorgängig in der App nicht auswählen was man Essen will? Die einzelnen Gänge anwählen die man will und das Menu auswählen? So muss die Airline nur laden wozu sich der Passagier entschieden hat!
    • Ticasuk 10.09.2019 10:46
      Highlight Highlight Kann man auf einigen Airlines.
    • tephysstory 10.09.2019 13:17
      Highlight Highlight Könnte dann problematisch werden, wenn der Passagier sich dann aber doch um entscheidet
  • Alice36 10.09.2019 07:25
    Highlight Highlight Die Muttergesellschaft Lufthansa hat das schon Problem gelöst. Da gibt es seit neuestem nur noch Plastikbecher gefüllt aus der grossen Pet-Flasche und Duplo's👎
  • Wiesler 10.09.2019 07:17
    Highlight Highlight Hallo

    Nur eine kurze Frage:
    Seid ihr sicher dass es 'nur' 2.6 Tonnen Food-waste ist?
    Scheint mir unrealistisch bei ca. 8 Millionen Menschen.
    • Martin Lüscher 10.09.2019 10:24
      Highlight Highlight @Wiesler: Ist korrigiert. Es sind 2.6 Millionen Tonnen.
  • Blitzesammler 10.09.2019 07:06
    Highlight Highlight Wieso sooo kompliziert? blBei einer Buchung könnte man die Leute ja verpflichten sein Essen auslesen zu müssen und nur sehr geringe Mängen ,,Not-Lebensmittel,, für Spontanesser mit Mega Preisen mitnehmen. Wenn ich hier einen Tagesausflug mache und Lunch einpacke, entscheide ich ja auch vorher was ich essen möchte.
  • Merida 10.09.2019 06:56
    Highlight Highlight „In der Schweiz fallen jährlich 2.6 Tonnen an Food Waste an.“

    Das wär ja mal schön... 😉

    Liebe Watsons, könnt ihr diese Zahl bitte nochmals überprüfen?
    • Martin Lüscher 10.09.2019 10:24
      Highlight Highlight @Merida: Ist korrigiert. Es sind 2.6 Millionen Tonnen.
  • Xen0n 10.09.2019 06:49
    Highlight Highlight Jährlich 2.6 Tonnen an Food Waste klingen leider etwas zu schön um wahr zu sein 😅
    • Martin Lüscher 10.09.2019 10:24
      Highlight Highlight @Xen0n: @Merida: Ist korrigiert. Es sind 2.6 Millionen Tonnen.

Eine halbe Million Menschen in der Schweiz denken an Suizid

541'000 Menschen in der Schweiz haben in den letzten zwei Wochen an Suizid gedacht. 200'000 haben schon einen Versuch gemacht, 33'000 in den letzten 12 Monaten. Seit 2012 stieg der Anteil an Menschen mit Suizidgedanken von 6.4 auf 7.8 Prozent.

Und die Dunkelziffer dürfte aus zwei Gründen hoch sein: Erstens basiert die Statistik des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) auf Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB 2017), und bei Befragungen werden Auskünfte oft aus Scham …

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