Trumps Zollhammer hat Folgen: Corden streicht Chemiefabrik in Muttenz
Aus der neuen Chemiefabrik in Muttenz, die Corden Pharma im März 2025 in grossen Tönen angekündigt hatte, wird jetzt doch nichts. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte auf Anfrage entsprechende Informationen von CH Media. «Corden Pharma hat infolge einer strategischen Überprüfung entschieden, das Peptid-Projekt in Muttenz zurückzustellen, während andere Möglichkeiten evaluiert werden».
Zu den Hintergründen und Ergebnissen dieser «strategischen Überprüfung» macht die Sprecherin keine Angaben. Auch die lokalen Behörden wurden darüber im Dunkeln gelassen. Franziska Stadelmann, Gemeindepräsidentin von Muttenz, sagt im Gespräch mit CH Media, sie habe Ende Oktober die Information erhalten, dass Corden seine Investitionspläne in der Schweiz vorerst nicht weiterverfolgen würden. Was zunächst nicht definitiv klang, ist inzwischen zur Gewissheit geworden. «Wir bedauern den Entscheid, ohne dessen Gründe zu kennen», sagt Franziska Stadelmann.
Wirken Trumps Zölle?
Auch Thomas Kübler, Leiter Standortförderung Baselland, weiss «nicht genau», warum das Projekt aufgegeben wurde. Ein Brancheninsider vermutet, dass die protektionistische amerikanische Handels- und Zollpolitik eine wesentliche, wenn nicht die ausschlaggebende Rolle spielt. US-Präsident Donald Trump hatte Schweizer Exporte in Richtung USA im August 2025 mit einem beispiellosen Importzollsatz von 39 Prozent belegt. Im November wurde der Satz nach turbulenten Verhandlungen vorerst auf 15 Prozent reduziert. Aber Trump bezichtigt die Schweiz und ihre erfolgreiche Exportindustrie trotzdem immer wieder als Profiteure eines viel zu grosszügigen US-Regimes.
Anfang April kündigte der US-Präsident Zölle von generell bis zu 100 Prozent auf patentierte Arzneimittel und deren Wirkstoffe an. Offiziell bezweckt die US-Regierung damit, die inländische Produktion zu stärken und Abhängigkeiten von Importen zu reduzieren. Die Schweizer Exporte sollen zwar «nur» mit 15 Prozent belastet werden. Aber je nach Produkt kann diese Abgabe im internationalen Wettbewerb zu einem ernsthaften Nachteil für Produktionsfirmen in der Schweiz werden.
Wie es scheint, machten die Zölle und vor allem die anhaltende Unsicherheit über weitere Wendungen in der US-Handelspolitik bei Corden Pharma einen Strich durch die Investitionsrechnung.
Corden stellt mittels chemischer Synthese Wirkstoffe für Medikamente her. Insbesondere im Multimilliardengeschäft mit Abnehmmedikamenten hegt die Firma grosse Ziele. Bereits im Juli 2024 hatte CEO Michael Quirmbach eine Milliardeninvestition angekündigt, um in dem schnell wachsenden Markt ein wichtiger Anbieter zu werden. Im März 2025 präzisierte der Manager das Investitionsvolumen von mehr als 1 Milliarde Euro, das je etwa hälftig für die Schweiz und den Ausbau der amerikanischen Produktion in Colorado vorgesehen war.
Ehrgeizige Ziele bleiben
An den ehrgeizigen Zielen von Corden hat sich trotz des abgebrochenen Projekts in der Schweiz offenbar nichts geändert. «Gestützt auf eine starke Nachfrage und den fortschreitenden Ausbau der Kapazitäten in ihrem globalen Netzwerk verfolgt Corden Pharma weiterhin das Ziel, in den kommenden Jahren einen Umsatz von über 1 Milliarde Euro mit Peptiden zu erreichen», teilt das Unternehmen auf Anfrage von CH Media mit. «Die Schweiz und Europa bleiben wichtige Säulen der globalen Aktivitäten von Corden Pharma. Das Unternehmen wird im Rahmen seiner langfristigen Wachstumsstrategie weiterhin in die Region investieren.»
Corden betreibt bereits eine Peptide-Produktion in Liestal, allerdings für Arzneimittelrezepturen in kleineren Volumina. Auch im nahegelegenen Ettingen und in Freiburg unterhält Corden zwei auf Medikamentenverpackungen spezialisierte Standorte, die das Unternehmen 2021 von Vifor übernommen hatte. Corden selbst wurde 2006 gegründet und 2022 von der europäischen Investmentgruppe Astrong übernommen.
Corden ist nicht zufällig in der Schweiz in der Peptid-Herstellung tätig geworden. Die weltgrösste Akteurin in dem Geschäft ist die in Bubendorf tätige Firma Bachem – eng gefolgt oder gar auf Augenhöhe mit der chinesischen Herstellerin Wuxi. In den USA scheint es in puncto Peptide-Kapazitäten einen gewissen Nachholbedarf zu geben. Bachem setzt dennoch stark auf die Schweiz und hat soeben einen 800-Millionen-Franken-Neubau in Bubendorf in Betrieb genommen.

