Schweiz
Umwelt

PFAS, Chlor oder Arsen: Altlasten im Wallis sorgen für Milliardenkosten

Verseuchte Böden im Wallis: Sanierung dürfte eine Milliarde Franken kosten

12.05.2026, 13:4212.05.2026, 13:42

Im Kanton Wallis haben die Behörden seit 2022 keine neue grössere Umweltverschmutzung mehr festgestellt. Rund 100 ehemalige Industrieareale und Deponien sind indes weiter mit Atlasten verunreinigt. Die Behörden rechnen mit Milliardenkosten für die Sanierung.

Von den insgesamt 1386 im kantonalen Kataster erfassten Standorten wurden nach Angaben der Walliser Dienststelle für Umwelt (DUW) bislang 728 untersucht. 190 davon wurden saniert.

Laut DUW müssen rund 580 Standorte im Fall von Bauprojekten noch genauer geprüft werden. Etwa 100 Standorte erfordern weiterhin Sanierungsmassnahmen, wie es am Dienstag an einer Medienkonferenz in Sitten hiess.

Eine Milliarde Franken, um den Boden zu sanieren

Im Zentrum der aktuellen Herausforderungen stehen laut Kantonsregierung insbesondere Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS). Diese synthetischen Industriechemikalien gelten als besonders langlebige und schwer abbaubare Schadstoffe. Sie sind an mehreren grossen Standorten nachgewiesen worden, darunter in ehemaligen Industrie- und Militäranlagen.

Une barriere hydraulique avec pompage et traitement des eaux pour confiner la pollution sur le site de l'ancienne usine Giovanola Freres, ou le secteur a ete pollue par des solvants chlores qui s ...
Auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik Giovanola Freres ist der Boden belastet.Bild: KEYSTONE

Zu den am stärksten belasteten Orten zählen unter anderem die ehemalige Raffinerie in Collombey-Muraz, Chemieareale in Evionnaz, Monthey und Visp sowie das Ausbildungszentrum in Grône. Insgesamt könnten rund 190 weitere Standorte im Kanton ebenfalls betroffen sein.

Le site de BASF Pharma est photographie ce vendredi, 13 mars 2015, a Evionnaz, Valais. A l'occasion d'un debat parlementaire special consacre a la pollution au mercure dans le Haut-Valais, l ...
In Evionnaz ist es insbesondere Arsen, das die Umwelt belastet.Bild: KEYSTONE

Die Sanierungskosten werden auf rund eine Milliarde Franken bis 2045 geschätzt. Sie betreffen vor allem ehemalige Industrieflächen, Deponien und Schiessanlagen.

Finanzierung nach Verursacherprinzip

Die Finanzierung erfolgt grundsätzlich nach dem Verursacherprinzip, wobei Unternehmen oder deren Rechtsnachfolger die Kosten tragen sollen. Öffentliche Hand und Gemeinden springen ein, wenn Verantwortliche nicht mehr haftbar gemacht werden können.

Besonders komplex ist die Situation beim Areal der ehemaligen Raffinerie von Tamoil in Collombey-Muraz, wo derzeit Gespräche zwischen Gemeinde, Kanton und Unternehmen laufen.

Une vue generale montre l'avancement du chantier de la raffinerie lors des travaux de demantelement de la raffinerie Tamoil, le mercredi 3 juillet 2024, a Collombey-Muraz. (KEYSTONE/Maxime Schmid ...
Ein Standort ist die ehemalige Tamoil-Raffinerie in Collombey-Muraz.Bild: KEYSTONE

Auch mehrere Grossprojekte zur Sanierung sind bereits umgesetzt oder im Gang. So wurden in Visp rund 450 Kilogramm PFAS aus einem ehemaligen Übungsplatz entfernt. Insgesamt wurden seit den 2000er-Jahren rund 900’000 Tonnen belastetes Material ausgehoben.

Sanierungen könnten zwei Generationen dauern

Weitere Altlasten, etwa mit Quecksilber im Oberwallis oder in der Deponie Gamsenried, erfordern langfristige Sanierungen. Diese dürften sich laut Behörden über ein bis zwei Generationen erstrecken.

Vue prise en drone de l'ancienne decharge de Gamsenried photographiee lors de son assainissement ce lundi 2 janvier 2023 a Gamsen. L'ancienne decharge de Gamsenried se situe entre Brig/Brigu ...
Die betroffene Fläche der Deponie Gamsenried misst rund 29 Fussballfelder.Bild: KEYSTONE

Arbeiten an mehreren Standorten laufen bereits oder sind in Vorbereitung, verzögern sich jedoch teilweise aufgrund komplexer Planungs- und Umsetzungsfragen. (sda)

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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H. Fröhlich
12.05.2026 13:46registriert März 2019
Und wem haben diese Firmen mal gehört?

Bin mir sicher, da gibt es sehr bekannte Namen.
Auch von Menschen die noch leben und sehr Vermögend sind.
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Zum Kommentar
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Badener
12.05.2026 14:03registriert März 2017
Lasst das mal schön den Filz da unten selber bezahlen.
Tschugger war eine nett gemeinte Doku.
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