Schweiz
Wirtschaft

Bundesrat will freiwilliges Gas-Sparziel, um Engpässe zu vermeiden

Bundesrat setzt freiwilliges Gas-Sparziel, um Engpässe zu vermeiden

Der Bundesrat hat an seiner heutigen Sitzung entschieden, dass sich die Schweiz für das Winterhalbjahr beim Gas ein freiwilliges Sparziel von 15 % setzen soll.
24.08.2022, 16:1524.08.2022, 16:51
Mehr «Schweiz»
Verschiedene Medienbruecken und Medienversorgungen, Rohre fuer die Gasaufbereitung der Power-to-Gas-Anlage, anlaesslich der Besichtigung der ersten industriellen Power-to-Gas-Anlage von Limeco in Diet ...
Bild: keystone

Bund, Wirtschaft und Private sollen auf freiwilliger Basis im Winterhalbjahr 2022/2023 15 Prozent weniger Gas verbrauchen, um einer Mangellage vorzubeugen. Dieses Ziel hat der Bundesrat beschlossen. Falls das Gas trotzdem knapp würde, wären Verbrauchsverbote denkbar.

Von Anfang Oktober 2022 bis Ende März 2023 sollen die Behörden, die Wirtschaft und die privaten Haushalte sparsamer mit Gas umgehen. Das freiwillige Sparziel von 15 Prozent im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch der vergangenen fünf Jahre entspricht jenem der EU. In den EU-Staaten gilt das Sparziel von August 2022 bis März 2023.

Gemäss Mitteilung des Bundesrats vom Mittwoch ist die Schweiz beim Gas vollständig von Importen aus dem Ausland abhängig. Eine europäische Mangellage würde sich daher direkt auf die Schweiz auswirken und den Abruf der von der Schweiz im Ausland eingekauften Gaslieferungen erschweren. Da andere Länder Gas brauchen, um Strom zu produzieren, könne mit Einsparungen beim Gas die Versorgungssituation generell verbessert werden, schreibt die Landesregierung.

Heizungen runterschalten

Im Fokus von freiwilligen Einsparungen steht die Industrie. Mit einer freiwilligen Umschaltung von Zweistoffanlagen von Gas auf Öl könnten beträchtliche Gasmengen eingespart werden, schreibt der Bundesrat.

Das grösste Einsparpotenzial gibt es jedoch bei der Raumwärme. Ein Grad weniger heizen, spart bis zu sechs Prozent Energie. Ein wesentlicher Teil der Einsparungen soll laut dem Bundesrat deshalb durch freiwillige Einsparungen bei Haushalten, Industrie, Dienstleistungen und in der öffentlichen Verwaltung erreicht werden.

Zudem bereitet der Bundesrat ein Sparprogramm für die Bundesverwaltung vor. Apparate und Computer, die nicht zwingend in Betrieb sein müssen, sollen abgeschaltet werden. Abgeklärt wird auch, wie bei einer Mangellage Standorte der Bundesverwaltung zusammengelegt werden könnten, damit weniger Räume geheizt werden müssten. Auch Homeoffice ist ein Thema.

Keine Abschaltung bei Haushalten

Falls das Gas in der Schweiz im Winter trotzdem knapp werden würde, könnte der Bundesrat Verbrauchsverbote erteilen. Denkbar wären gemäss dem Grundsatzentscheid beispielsweise das Untersagen von Terrassen-Heizstrahlern oder die Schliessung von Sport- und Wellnessbereichen.

Nächste Woche sollen die entsprechenden Verordnungsentwürfe vom Bundesrat zur Kenntnis genommen werden und danach in die Konsultation gehen. Erst danach werden die definitiven Massnahmen beschlossen.

Nützt der freiwillige Sparappell nichts oder zu wenig, sind gemäss Eckwerten auch Verwendungseinschränkungen und Verbote und - als Ultima Ratio - eine Kontingentierung möglich. Von einer Abschaltung nicht betroffen wären aber private Haushalte.

Momentan kein Engpass

Die Verordnungen sollen laut der Regierung erst im Falle einer Mangellage in Kraft treten und je nach aktueller Lage angepasst werden. Beispielsweise könnten verschiedene Regionen unterschiedlich stark von Gasmangel betroffen sein.

Die Versorgungssicherheit der Schweiz ist laut dem Bundesrat derzeit gegeben. Aufgrund des Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen Gaslieferunterbrechungen in Europa sowie der Situation bei den Kernkraftwerken in Frankreich kann gemäss Einschätzung der Elektrizitätskommission (Elcom) die Stromversorgung im kommenden Winter 2022/2023 aber angespannt werden.

Massnahmen zur freiwilligen Gaseinsparung in der Schweiz

  • Vorbildfunktion der Verwaltung
  • Freiwillige Umschaltung von Zweistoffanlagen
  • Energiespar-Kampagne
  • Freiwillige Branchenvereinbarungen von Industrie und Dienstleistungssektor
  • Freiwillige Einsparungen als Ergänzung

(aeg)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
98 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
peterli90
24.08.2022 16:24registriert Mai 2017
Eigenverantwortung funktioniert wie folgt in der Schweiz: Ich mache weiter wie bis anhin, aber die anderen sollen.
10512
Melden
Zum Kommentar
avatar
Atavar
24.08.2022 16:21registriert März 2020
Das freiwillige Sparziel ist die kleine Schwester des eigenverantwortlichen Handelns.
8411
Melden
Zum Kommentar
avatar
Fairness
24.08.2022 17:04registriert Dezember 2018
Eigentlich sollte Energie sparen eine Selbstverständlichkeit sein. In unserer Familie und Verwandtschaft tun es praktisch alle seit ihrer Kindheit. Wir haben es alle so gelernt. Wozu muss überall das Licht brennen, wo gar niemand drin ist oder nächstens reingeht? Wieso muss unnötig so stark geheizt werden, dass man das Fenster öffnen muss, um nicht zu verschmachten? Alles kostet ja nur unnötig mehr.
385
Melden
Zum Kommentar
98
Samsung stösst Apple wieder vom Smartphone-Thron
Samsung hat sich im vergangenen Quartal nach Berechnungen von Marktforschern den Spitzenplatz im Smartphone-Markt von Apple zurückgeholt. Vom südkoreanischen Konzern kamen knapp 21 Prozent der weltweit verkauften Geräte.

Das berichtete die Analysefirma IDC in der Nacht zum Montag. Apples iPhone lag demnach bei 17,3 Prozent Marktanteil. Den stärksten Schub verzeichnete der vor allem in Afrika aktive chinesische Anbieter Transsion, der mit einem Absatzplus von rund 85 Prozent etwa jedes zehnte Smartphone weltweit verkaufte und auf Rang vier sprang.

Zur Story