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ARCHIV – ZUM NEUEN WASCHMITTEL OHNE PALMOEL DER FIRMA GOOD SOAPS AM DIENSTAG, 19. JUNI 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- (08/42) An Indonesian worker harvests palm fruits at a palm oil plantation in Deli Serdang, North Sumatra, Indonesia, 16 September 2016. Indonesia is the world's largest producer of Palm Oil, made from the palm fruit, followed closely by Malaysia. Palm plantations built on destroyed tropical rainforest, have seen the death and displacements of many species, among them the endangered orangutan. Palm oil is an ingredient in many products across supermarket shelves. Consumer groups are pressing end users to buy only products containing substitutes or sustainably sourced palm oil, warning species and pristine habitats are on the brink of being lost forever to humankind.  EPA/DEDI SINUHAJI

Ein indonesischer Arbeiter bei der Palmfrucht-Ernte in Sumatra. Bild: EPA

Referendum «Stop Palmöl» mit fast 60'000 Unterschriften eingereicht



Mit 59'200 beglaubigten Unterschriften ist am Montag bei der Bundeskanzlei in Bern das Referendum «Stop Palmöl» eingereicht worden. Es ist gegen das Freihandelsabkommen mit Indonesien gerichtet, über welches das Schweizer Stimmvolk noch abstimmen soll.

Das Parlament hatte das Freihandelsabkommen im letzten Dezember gutgeheissen. Das Referendum dagegen – 50'000 Unterschriften sind für ein solches notwendig – wurde im Januar von der Bauerngewerkschaft Uniterre und dem Biowinzer Willy Cretegny lanciert. Fast 50 Organisationen unterstützen es mittlerweile, wie es in einer Mitteilung des Referendums-Komitees vom Montag heisst.

Indonesien sei nicht willens, ökologische und soziale Standards umzusetzen, um die Zerstörung der artenreichen Urwälder zu verhindern. Jährlich würden rund eine Million Hektar unter anderem für Palmöl-Monokulturen gerodet. Diese «grüne» Wüste breite sich schon heute auf fast 17 Millionen Hektaren aus, viermal die Fläche der Schweiz und fast zehn Prozent der Landesfläche von Indonesien.

Weitere Konzessionen würden vorangetrieben in Bergbau, Kohleabbau, Infrastrukturprojekten, Zellulose und Forstwirtschaft – mit verheerenden Folgen für Klima und Umwelt, die Kleinbauern und Indigenen. «Dieses Freihandelsabkommen ist ein Vertrag der Mächtigen», wird Juso-Präsidentin Ronja Jansen in der Medienmitteilung zitiert. «Wir dürfen uns nicht täuschen lassen: Die wohlklingenden Versprechen der Nachhaltigkeit darin sind wenig wert, solange darin keine strikten Kontrollen garantiert sind.»

Kaum Nutzen für Exportwirtschaft

Das zweifelhafte Efta-Freihandelsabkommen bringe kaum einen signifikanten Nutzen für die Schweizer Exportwirtschaft, heisst es weiter im Communiqué. Vielmehr stünde es der Schweiz gut an, sich für wirklich fairen und nachhaltigen Handel einzusetzen.

«Die Klimaproteste, die Tausende von Menschen auf der ganzen Welt zusammengebracht haben, müssen zu echten Veränderungen führen», wird Willy Cretegny, Biowinzer und Initiant des Referendums, zitiert. «Wir müssen anders produzieren, wir müssen anders konsumieren, wir müssen unsere Umwelt als ganzes respektieren – Natur, Ressourcen, Landschaft, Menschenrechte, das soziale und wirtschaftliche Gefüge. Dieses Referendum ist ein Stein in diesem neuen Gebäude, das wir gemeinsam errichten wollen.»

Bundesrat garantiert Rückverfolgbarkeit

Widerstand gegen das Freihandelsabkommen mit Indonesien gab es nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit: Bauern befürchteten während der Verhandlungen, das Geschäft mit einheimischem Raps- und Sonnenblumenöl könnte wegen des Palmöls unter Druck geraten. Der Bundesrat handelte für Palmöl deswegen eingeschränkte Kontingente aus, die über mehrere Jahre hinweg erhöht werden. Vorgaben zur Einfuhr sollen garantieren, dass die Rückverfolgbarkeit bis zum Hersteller sicher ist.

Der Bauerngewerkschaft Uniterre reicht das aber nicht. Palmöl sei schon heute billiger als Raps- und Sonnenblumenöl, stellte sie fest. Mit dem Abkommen würde der Druck auf die einheimische Produktion stark steigen. Die vorgesehene durchschnittliche Tarifsenkung von 35 Prozent stelle eine Kostenreduzierung von etwa 40 Rappen pro Liter dar.

Im Interesse der Konzerne

Das Referendums-Komitee stellt den Freihandel aber auch grundsätzlich in Frage. Dieser habe in den meisten Ländern weder den Wohlstand noch die Lebensqualität erhöht und diene allein den wirtschaftlichen Interessen multinationaler Konzerne.

Angesichts der globalen Erwärmung müsse der Freihandel zugunsten einer Handelspolitik aufgegeben werden, die lokale Produkte begünstige. Eine protektionistische Politik sei der beste Weg. (sda)

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Unser Kühlschrank ist voller Palmöl

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40Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Knety 23.06.2020 06:38
    Highlight Highlight Die Migros hat übrigens bei ihrer Peanutbutter das Rezept geändert und ist jetzt frei vom Palmöl.👍
    • das_pawi 23.06.2020 11:03
      Highlight Highlight Und bei den Guetzli empfehle ich die italienischen Kekse (Mulino Bianco oder ähnliche), die sind in der Regel ebenfalls frei von Palmöl.

      Oder die Butter Shortbread... mmmh...
  • Bildung & Aufklärung 23.06.2020 06:11
    Highlight Highlight Äh ja, wiedermal super Titel- und Symbolbild, welches suggeriert, dass diese Monoplantagen um die es geht, in etwa noch so 'natürlich' aussehen...

    Jeez, bisschen mehr Verantwortung wäre halt schon langsam mal angebracht. Auch wenn das - gerade drum! - ja nicht mit böser Absicht, sondern einfach mit Gleichgültigkeit passiert.
    Keine Angst, das betrifft nahezu alle Medien.

    E.R. hat diese Tage sogar vor den Büros von Spiegel etc. deswegen protestiert.

    Die weltbedrohenden Ausbeutungen und Öko-Katastrophen sind immernoch so eine Randerscheinung... Lieber Bätschler, Funnypics und Fussball.

  • Sälüzäme 23.06.2020 01:48
    Highlight Highlight Aktuell wird 1/3 der weltweiten Agrarflächen zum Anbau von Tierfutter verwendet, ein weiterer Teil für Kraftstoffe, z.B. Raps wird zu 3/4 für Biokraftstoff und Industrieöl verwendet. Da muss angesetzt werden, denn es macht keinen Sinn weitere Ökosysteme für billiges Industrieöl zu zerstören. Palmöl wird auch unvernünftig verwendet nur weil es billiger ist. Margerine, Gebäck, Waschmittel, Nutella etc. Die Nachverfolgung ist augenwischerei, das wurde bei Holz, Fisch, Baumwolle und anderen Rohstoffen schon bewiesen, Papier ist geduldig und Kontrollen bringen nichts. Darum Ja zum Referendum.
    • Bildung & Aufklärung 23.06.2020 12:20
      Highlight Highlight Einfach schlichte Fakten und wirklich eminent wichtiger und dringlicher allumfassender Appell.

      'ich bin dagegen - blitz!'

      Wieso MitbügerInnen... Wieso.

      Dass diese Möchtegern-Labels (nachhaltig, super duper) grossteils nur Schein sind, uns ein gutes Gewissen geben und die Verbrecher die unmengen Kohle mit Zerstörung/Ausbeutung machen so reinwaschen, ist echt auch ein dringliches Problem, dass vieeel zu wenig diskutiert wird.

      Ausbeutung/Vernichtung von unzähligem unzahlbarem wertvollem Leben, Land, Natur ist ja vielen erschreckenderweise egal, dass wir uns selber ausrotten sogar auch?
    • Sälüzäme 23.06.2020 18:17
      Highlight Highlight @Bildung & Aufklärung: danke

      Beispiel Green Cotton: dieses neue Label wurde von Ikea zusammen mit H&M, C&A, Zara, usw. gegründet. Der Baumwollproduzent muss um das Label zu erhalten nur weniger Chemie pro Hektar einsetzen, keine Grenzwerte. In Indien haben über 50% der Biobauern aufgeben müssen wegen der Billigkonkurenz. Die Spinnerei hat keine Mindestmenge an Green Cotton im Garn, sogar 0% sind möglich, denn sie bekommen das Label wenn sie GC bestellt haben, nicht wenn verarbeitet. Ikea und Freunde bescheissen den Konsumenten mit diesem Grün-Weissen Label und dieser denkt, er tue was Gutes.
  • freeLCT 22.06.2020 15:47
    Highlight Highlight Ersetze Freihandel mit Handelspolitik und rufe damit einen Altbekannten auf den Plan: den Schwarzmarkt

    dieser Wünsche ich den Initianten von ganzem Herzen ❤️
    • Bildung & Aufklärung 23.06.2020 06:14
      Highlight Highlight So wie beim weltweiten Drogenmarkt, bei welchem man eine fast komplette Prohibition mit Billionen un Billionen bezahlt und verfolgt und durchzieht?

      Ach so, so schlimm wirds nicht annähhernd werden, obwohl man diesbezüglcih den Schwarzmarkt mit aller Kraft erzwingt.

      Du willst halt einfach das neoliberale Lügen-Mantra von "ohne Regeln, bei Regeln wirds sonst schwarz gemacht!" verbreiten.

      Das Freihandelsabkommen mit Brasilien, welches ein Todesstoss für den unersetzlichen Rest-Urwald ist, findest du sicher auch klasse.

      Wer braucht schon Urwald, pha!
    • Sälüzäme 23.06.2020 18:33
      Highlight Highlight Freihandel hat den Schwarzmark nie eingedämmt, sonst wäre die Mafia pleite. Im Gegenteil, er macht es einfacher mit gefälschten Dokumenten illegale hergestellte Ware und Rohstoffe in den Kreislauf zu bringen. Siehe Drogen und (gefälschte) Medikamente, übers Internet bestellt und verschickt. Ein Milliardenmarkt dank fehlenden Kontrollen, der Zoll kann nur Stichproben machen. In einem Land ohne FHA (Vietnam) billigst produzieren, in ein Land mit FHA (China) liefern, umlabeln und fertig ist die Chose. Je weniger die Kontrollen desto mehr wird betrogen.
  • Inflatio 22.06.2020 13:56
    Highlight Highlight Was nützt eine Rückverfolgbarkeit bis zum Hersteller, wenn bei Verstössen eh nix passiert.

    Ich kann auch mein Hühnerei bis zum Füdli von Huhn Berta nachverfolgen. Wegen dem geht es ihr in der Bodenhaltung nicht besser.
    • Kruk 22.06.2020 17:29
      Highlight Highlight Ganz genau so ist es, dieser Labelkram ist zu grossem Teil reines greenwashing.
    • Bildung & Aufklärung 23.06.2020 06:17
      Highlight Highlight Leider wahr...

      Okay, meist kann man die Erzeugnisse und Tierleichen überhaupt tatsächlich meist sehr schwer und gar nicht zurückverfolgen, aber sonst habt ihr völlig recht.

      Ist selbige Schiene wie die 'strengen' (haha) Regeln zu Mitweltschutz und Tierschutz mit welchen sich Industrien und Politik brüsten.

      "Wuppsi 80% der Insekten sind ausgerottet, ist wegen den strengen Regeln und Kontrollen... So streng wie in Bayern die Tiersklavereien alle 50 Jahre im Schnitt (true story) kontrolliert werden..."



  • Paddiesli 22.06.2020 13:25
    Highlight Highlight Gut so! Hoffe, das kommt durch.
    Man muss aber festhalten, dass das meiste Palmöl nicht (mehr) bei Nahrungsmittel verwendet wird, sondern in der Industrie.
  • Ludwig van 22.06.2020 12:12
    Highlight Highlight Wir zahlen jährlich schon viele Milliarden direkt an die Bauern. Jetzt sollen wir auch noch auf Exporte verzichten, damit die Bauern etwas mehr geschützt werden?
    • Tschowanni 22.06.2020 18:32
      Highlight Highlight Du meinst wohl die Industrielle Lebensmittel Produktion?
    • trio 23.06.2020 06:30
      Highlight Highlight @Ludwig van
      Du meinst Importe?
  • Ludwig van 22.06.2020 12:08
    Highlight Highlight Palmöl ist eigentlich umweltschondender als die anderen pflanztlichen Öle. Und viel umweltschonender als tierische Fette.
    • deepmind96 22.06.2020 12:36
      Highlight Highlight Es wird ja nicht etwa ein ganzes Ökosystem für die Herstellumg von Palmöl zerstört, sehr Umwelt schönend Momol.
    • NotWhatYouExpect 22.06.2020 13:17
      Highlight Highlight @deepmind96: Seine Aussage ist nicht falsch, denn wenn all die Palmöl Bauen nun auf z.B. Raps umsteigen würden müssten Sie noch viel mehr Wälder roden.

      https://orgprints.org/33773/1/batlogg-bernet-2018-FiBLBericht-RapsoelPalmoelVergleich_final.pdf

      Wichtig wäre, dass man wo man kann auf Öle verzichtet. Und nur noch Biologischen Anbau erlaubt. Damit würde der Preis steigen sowie die
      Industrie müsste den Verbrauch reduzieren in den Produkten und nach alternativen suchen. Wichtig ist hier auch, die alternative nicht schlechter sein darf.
    • bebby 22.06.2020 13:28
      Highlight Highlight Hast Du echt das Gefühl, die Sonnenblumenmonokultur sei besser?
    Weitere Antworten anzeigen
  • maddiepilz 22.06.2020 11:58
    Highlight Highlight Bevor man sich über Palmöl (dessen Herstellung flächenmässig viel effizienter ist als die meisten anderen Öle) Gedanken macht, wäre es viel günstiger und effektiver fürs Klima und für Tropenwälder, aufzuhören Rindfleisch zu essen, da riesige Flächen an Regenwald für Viehfutteranbau gerodet werden.
    • tomatoe 22.06.2020 13:45
      Highlight Highlight Wenn in deinem Kommentar "Bevor" mit "Zudem" ersetzt würde, wäre ich voll einverstanden :-)
    • 1of8mio 22.06.2020 14:16
      Highlight Highlight Ein weiterer Fakt ist - leider - dass unser "Fetthunger" bzw. "Fettbedarf" so hoch ist, dass er aktuell nur über Palmöl befriedigt werden kann. Genau wegen der obgenannten Flächeneffizienz. Das ist nicht schön, aber leider ein Fakt. Auch heute ist es aber schon möglich nur zertifiziertes Palmöl zu verwenden. Da ist dann wenigstens - ähnlich zur CO2-Abgabe beim Fliegen - schon ein gewisser Betrag für Aufforstungsprojekte etc. eingerechnet.
    • Maragia 22.06.2020 14:38
      Highlight Highlight Nur weil das eine schlecht ist, ist das andere nicht weniger schlecht...
      Oder: Warum soll ich aufhören RIndfleisch zu essen, wenn andere Autofahren. Oder warum aufhören Auto zu fahren, wenn andere fliegen...
      Auf Palmöl können wir ohne Probleme verzichten, wirklich!
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Facebook sperrt Petition gegen Homo-Ehe – zum Ärger der EDU

Eine Petition, die sich gegen die «Ehe für alle» in der Schweiz ausspricht, wurde von Facebook gesperrt. Die Petition verstosse gegen die Gemeinschaftsstandards der Plattform, so die Begründung. Das stösst der EDU sauer auf.

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