Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

ETH-Studie zeigt: Wer eingebürgert wird, verdient über 5000 Franken mehr pro Jahr

Die Einbürgerung wirkt sich direkt auf das Portemonnaie aus. Besonders stark vom Schweizer Pass profitieren Leute mit tiefen Löhnen und Zugewanderte aus der Türkei und Ex-Jugoslawien.

Stefan Trachsel / ch media



Ein Mann haelt einen Schweizer Reisepass, aufgenommen am 10. Februar 2011 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Das Schweizer Bürgerrecht führt zu einem höheren Lohn. Bild: KEYSTONE

Der Schweizer Pass ist bares Geld wert. Der Effekt ist für andere Länder schon länger bekannt, nun ist er auch für die Schweiz belegt. Eingebürgerte erhalten in 15 Jahren im Schnitt rund 5000 Franken mehr Lohn pro Jahr als Ausländer, deren Einbürgerung abgelehnt wurden. Das sind total über 75'000 Franken.

ETH-Forscher um Dominik Hangartner, Professor für Politikanalyse, untersuchten in ihrer Studie die Einbürgerungsgesuche der 46 Deutschschweizer Gemeinden, die bis 2003 in geheimer Urnenabstimmung über die Einbürgerung von Ausländern entschieden. Nach 2003 waren solche Abstimmungen nicht mehr erlaubt.

Die Studie zeigt, dass die zwei Gruppen vor dem Einbürgerungsentscheid praktisch gleich viel verdienten. Die Löhne der Eingebürgerten legten danach jedoch deutlich zu – am meisten fünf bis zehn Jahre nach der Einbürgerung. Bei den Abgelehnten stagnierte das Einkommen und sank mittelfristig sogar.

Kausaler Zusammenhang

Die Forscher zeigen sich überzeugt, dass der Lohneffekt kausal, also direkt, auf die Einbürgerung zurückzuführen ist. Zu diesem Schluss kommen sie aufgrund ihres Forschungsdesigns: Sie betrachteten nur Einbürgerungsgesuche, die knapp angenommen oder abgelehnt wurden.

Deutliche Entscheide für oder gegen eine Einbürgerung wurden dagegen entfernt. Besonders gut oder schlecht Integrierte, bei denen eine besonders günstige respektive schlechte Lohnentwicklung erwartet würde, verzerren so das Ergebnis nicht. Sie schlossen auch aus, dass sich Nicht-Eingebürgerte von der Schweiz entfremden und deshalb weniger verdienen.

«Dies erlaubt uns, den Schluss zu ziehen, dass die nach dem Einbürgerungsentscheid ansteigenden Einkommensunterschiede zwischen den beiden Gruppen kausal auf die Einbürgerung zurückzuführen sind», lässt sich Mitautor Dalston Ward in einer ETH-Mitteilung zitieren.

Möglichst früh einbürgern

Ziel der Studie war es unter anderem, die Auswirkung einer Einbürgerung auf die Integration zu prüfen. Aufgrund des Ergebnisses plädiert Hangartner für eine möglichst frühe Einbürgerung. Je früher jemand eingebürgert werde, umso grösser seien die Effekte, sagte er.

Einen Schritt in diese Richtung macht die Stadt Zürich. Dort werden den Ausländerinnen und Ausländer, welche lange genug in der Schweiz leben, per Brief zur Einbürgerung motiviert. Prompt stiegen die Gesuchszahlen. Diese Projekt wollen die ETH-Forscher denn auch in einem nächsten Projekt anschauen.

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Asmodeus 06.12.2019 08:05
    Highlight Highlight Ist zu einem gewissen Grad logisch.

    Jemand der eingebürgert wurde, signalisiert einem Arbeitgeber eine gewisse Sicherheit. Die Person behält garantiert ihr Aufenthaltsrecht in der Schweiz.

    Die Person demonstriert den Willen sich einzugliedern (würden die knapp abgelehnten wohl auch, aber in der Papierlischweiz braucht es halt Beweise Schwarz auf Weiss).

    Aber trotzdem sollte sich niemand einbürgern lassen. Denn auch wenn sie bewiesenermassen mehr verdienen, so wissen wir doch von unseren Politikern, dass ihnen dann nicht Eingebürgerte die Jobs stehlen ;)
  • murrayB 05.12.2019 23:16
    Highlight Highlight Schon mal daran gedacht - zuerst muss eine genügend grosse Anzahl Menschen gefunden werden, welche 15 Jahre hier wohnen und nicht eingebürgert sind... Dann müsste man auch die Branchen analysieren und die Wohngegenden - und schwups, so erklärt man den Unterschied... Das hat nichts mit eingebürgert oder nicht zu tun!
  • [Nickname] 05.12.2019 17:51
    Highlight Highlight Ähm maybe maybe weil: eingebürgert = deutlich (hoffe ich) besser integriert = gebildeter = mehr Lohn.

    Bitte bitte bitte kommt jetzt nicht mit rAsSiSmUs, bin selber eingebürgert.
    • Christian Mueller (1) 05.12.2019 21:53
      Highlight Highlight Es steht ja im Bericht, dass gerade Menschen ausgewählt wurden, die möglichst vergleichbar waren. viellicht sind menschen mit abgelehntem gesuch dann weniger motiviert, sich weiterhin zu integrieren... eine lose-lose situation für die schweiz und den abgelehnten.
    • little.saurus 05.12.2019 22:16
      Highlight Highlight Erklärt aber nicht den Anstieg. Diese Menschen hätten deiner Theorie nach auch ohne Einbürgerung bis zu 5000 mehr verdienen sollen, was aber nicht so ist, laut studie.
    • pali2 05.12.2019 22:58
      Highlight Highlight Hast den Artikel gelesen? Sie haben ja nur die knappen Einbürgerungsentscheide genommen - diese Individuen sollten also nicht unterschiedlich integriert sein.
    Weitere Antworten anzeigen

Kommentar

Corona erschüttert Weltwirtschaft – jetzt braucht es ein bedingungsloses Grundeinkommen

Die Weltwirtschaft wird einen gewaltigen Schock erleiden. Um eine Depression zu verhindern, muss die Politik handeln. Unkonventionell und rasch.

Noch am Sonntag wies der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin die Idee einer Rezession weit von sich. Tags darauf wurde er von seinem Präsidenten überstimmt. Donald Trump gab zähneknirschend zu, dass eine Rezession der US-Wirtschaft nun möglich geworden sei, wenn auch nur kurz, und danach gehe es wieder rasant bergauf.

Neueste Zahlen aus China haben dieses Eingeständnis nötig gemacht. Um 13 Prozent ist die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal eingebrochen, weit mehr als bisher …

Artikel lesen
Link zum Artikel