Wirtschaft
Schweiz

Euro fällt zum Franken auf tiefsten Stand seit 2015

Euro fällt zum Franken auf tiefsten Stand seit 2015

18.11.2021, 15:0218.11.2021, 15:02
ARCHIVBILD - EURO UEBERSCHREITET ZUM ERSTEN MAL SEIT JANUAR 2015 DIE MARKE VON 1,15 FRANKEN - A coin of 1 Euro (left) and a coin of 1 Swiss Franc (right), pictured on July 21, 2011.(KEYSTONE/Martin Ru ...
Bild: KEYSTONE

Der Euro verliert zum Franken immer mehr an Wert. Am Donnerstagnachmittag kostet die Gemeinschaftswährung zeitweise weniger als 1.05 Franken und damit so wenig wie seit Sommer 2015 nicht mehr.

Anders als beim Ausbruch der Coronakrise im März 2020 profitiert der Franken diesmal nicht von seiner üblichen Rolle als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Denn es nicht der Franken, der besonders stark ist. Vielmehr ist der Euro derzeit besonders schwach.

Am Donnerstagnachmittag notiert das Währungspaar EUR/CHF bei 1.0507 Franken. Kurzzeitig fiel der Euro gar auf 1.04975 Franken - das ist der tiefste Stand seit Juli 2015. Am Jahresanfang kostete der Euro noch mehr als 1.08 Franken und im März erreichte er gar auf 1.11525 Franken den bisher höchsten Stand im laufenden Jahr.

Der Euro schwächelt nämlich nicht nur gegenüber dem Franken, sondern auch gegenüber dem Dollar. Auch der Franken hat dabei zum Greenback ebenfalls etwas an Wert eingebüsst. Derzeit kostet ein Dollar 0.9274 Franken.

Unterschiede in der Geldpolitik

Gründe für den schwachen Euro gibt es mehrere: Zum einen lasten auf der Gemeinschaftswährung die Unterschiede in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB und der US-Notenbank Fed. Während die Federal Reserve damit beginnt, ihre extrem lockere Ausrichtung etwas abzuschwächen, lässt die EZB noch keine solche Neigung erkennen.

Hinzu kommen solide Konjunkturdaten aus den USA und die angespannte Corona-Lage in Europa. Ausserdem ist die Inflation in der Eurozone mit mehr als 4 Prozent deutlich höher als in der Schweiz mit zuletzt 1.2 Prozent Jahresteuerung.

Dass der Euro nicht deutlicher unter die Marke von 1.05 Franken gefallen ist, könnte laut Devisenhändlern daran liegen, dass die Schweizerische Nationalbank SNB am Devisenmarkt eingegriffen hat. Die Marke von 1.05 wird von einigen Marktteilnehmern als «Verteidigungslinie» der SNB angesehen. Die Notenbank betont immer ihrerseits wieder, dass sie den Franken als hoch bewertet ansieht und bei Bedarf am Markt intervenieren wolle. (aeg/sda/awp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
12 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
dmark
18.11.2021 17:08registriert Juli 2016
Mann, was waren das noch Zeiten, als man für einen Euro gut 1,65 Franken bekam...
Müsste so 2007 herum gewesen sein.
270
Melden
Zum Kommentar
12
Reto Knutti zu Klimazielen während Öl-Krise: «Es ist geradezu grotesk»
Klimaziele haben gerade keine «Hochkonjunktur». Dabei sind diejenigen Länder, welche ihre Ambitionen früh umsetzen, besonders gut gegen externe Schocks wie die Öl-Krise gewappnet. Der Wissenschaftler Reto Knutti erklärt, warum Klimaziele so wichtig bleiben – und wie der Bundesrat seine eigenen schönredet.
Katherina Reiche, Wirtschaftsministerin in Deutschland, hat vor Kurzem an einem Treffen der Öl- und Gasbranche öffentlich an den Klimazielen der EU gezweifelt. Sehen wir einen Trend, dass kritische Stimmen in Bezug auf die – selbst gesteckten, verbindlichen – Klimaziele jetzt lauter werden?
Reto Knutti: Weltweit sind die Fortschritte bei den CO2-Reduktionen ungenügend. Die globalen Emissionen haben wahrscheinlich den Höchststand erreicht, aber sie sinken immer noch nicht. Die US-Regierung hat sich offiziell aus der UNO-Rahmenkonvention, dem Weltklimarat IPCC und dem Pariser Übereinkommen verabschiedet. Die Welt ist auf Kurs für fast 3 Grad statt 1,5 Grad. Aber statt mehr zu tun, fordern einige nun «realistischere Ziele».
Zur Story