Schweiz
Wirtschaft

Swiss gibt 15'000 Franken bei freiwilliger Kündigung – nicht für alle

Swiss lockt mit 15'000 Franken bei freiwilliger Kündigung – aber nicht für alle

Die Airline wirbt mit einer Entschädigung für freiwillige Abgänge, allerdings nur für das Personal im Heimmarkt. Diese Taktik wirft Fragen auf.
21.03.2026, 10:1721.03.2026, 10:17
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann
Swiss-Crew swiss airline
Probleme bei der Personalplanung: Der Überschuss an Kabinen-Angestellten verursacht derzeit Kosten für die Swiss.Bild: Keystone

Zu wenig Piloten, zu viele Angestellte in der Kabine: So lässt sich derzeit die Personalsituation bei der Swiss beschreiben. Vergangenen Herbst machte CH Media publik, dass die Airline einen Überbestand von rund 400 Flight Attendants hat. Sprich: Etwa jede zwölfte Flight Attendant bräuchte es aktuell nicht. Dafür gibt es verschiedene Gründe, wie die anhaltenden Triebwerksprobleme sowie den Engpass im Cockpit aufgrund von Umschulungen.

An der Bilanz-Medienkonferenz vor zwei Wochen bestätigte Swiss-Betriebschef Oliver Buchhofer, dass dieser Überbestand nach wie vor besteht. Entlassungen seien derweil kein Thema, man setze auf freiwillige Massnahmen. Diese Woche berichtete das Branchenportal «Aerotelegraph», wie diese Bemühungen aussehen.

Und zwar wirbt die Lufthansa-Tochter mit einer Austrittsprämie für Flight Attendants, die bis Ende April freiwillig kündigen. Ihnen winkt ein Betrag von bis zu 15'000 Franken. Da der Einstiegslohn aktuell bei rund 4000 Franken liegt, entspricht dies für viele Crew-Mitglieder mehreren Monatsgehältern. Bei einer Kündigung geben sie aber nicht nur ihren Job auf, sondern auch die zahlreichen Flugvergünstigungen, die für viele Angestellte einen grossen Reiz darstellen.

Kein Überbestand im Ausland

Sollten zu wenige Leute freiwillig die Firma verlassen, schliesst die Swiss in einem internen Schreiben Kündigungen als letzte Konsequenz nicht mehr aus. Wie CH Media erfahren hat, gilt das Angebot jedoch nicht für alle Flight Attendants, sondern nur für jene mit einem Schweizer Arbeitsvertrag. Damit könnte der Eindruck entstehen, als wolle die Lufthansa-Tochter insbesondere beim hiesigen, teureren Personal die Kosten drücken. Die günstigeren Crew-Mitglieder aus dem Ausland sollen hingegen an Bord bleiben.

Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott bestätigt, dass sich das Angebot nur an die Crew mit Basis in Zürich richtet. Denn bei den Mitarbeitenden im Ausland und in Genf bestehe aktuell kein Überbestand.

Insgesamt sind im Ausland rund 230 sogenannte «International Cabin Crew Members» im Sold der Airline. Dabei handelt es sich um Kabinen-Angestellte, die für die Swiss-Crew-Stützpunkte in Tokio, Bangkok, Mumbai, Delhi, Schanghai und Peking rekrutiert wurden. Deutsch müssen sie nicht beherrschen. Aktuell machen sie laut der Swiss etwa 8 Prozent der eingesetzten Crew auf Langstreckenflügen aus.

547 Franken als Monatslohn

Pro Basis zählt die Swiss 45 bis 50 Angestellte, wie die Airline zuletzt gegenüber CH Media bestätigte. Einzig die japanischen Flight Attendants haben einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Der Rest arbeitet mit einem lokalen Vertrag – und deutlich tieferen Salären im Schweiz-Vergleich.

So verdienen die indischen Flight Attendants je nach Dienstgrad zwischen 65'000 und 106'000 Rupien. Gemäss aktuellem Wechselkurs sind das zwischen 547 und 892 Franken – im Monat. Diese Vergütung liegt gemäss Swiss im Branchenvergleich in Indien über dem Durchschnitt.

Ursprünglich setzte die Swiss die lokalen Flight Attendants auf Flügen in ihr und aus ihrem Heimatland ein. Die Airline begründet dies mit den kulturellen und sprachlichen Kompetenzen für den Austausch mit den Gästen. Dies werde sehr geschätzt, sagt Fuhlrott.

Edelweiss als Abnehmerin?

Doch in den vergangenen Jahren wurde ihr Einsatz stetig ausgeweitet, auch auf andere Destinationen, was bei der Kabinengewerkschaft Kapers für Kritik sorgt. Nicht zuletzt angesichts des Überbestands ist die Ausweitung des Tätigkeitsgebiets der Ausland-Crew pikant.

Intern stellen sich jedoch manche Leute die Frage, ob überschüssige Flight Attendants nicht an Partnerairlines wie die Edelweiss oder Helvetic vermittelt werden könnten.

Dieser Idee nimmt Fuhlrott Wind aus den Segeln: «Die Idee, Cabin-Crew-Mitglieder bei einer anderen Airline zu beschäftigen, klingt naheliegend und einfach, ist in der Praxis jedoch sehr komplex.» Zwar hätten sie eine europaweit gültige Lizenz. «Dennoch müssen sie bei einem Wechsel auf neue Flugzeugtypen geschult werden, die Airline spezifischen Sicherheits- und Notfalltrainings absolvieren und neue Serviceprozesse erlernen.» Hinzu kämen arbeitsrechtliche und vertragliche Einschränkungen. «Ein Übertritt ist daher nicht ohne Weiteres möglich.»

Keine Vereinbarung mit Helvetic

Dazu kam es allerdings vor einigen Monaten: Swiss-Flight-Attendants wurde ein Wechsel zur Schwester Edelweiss angeboten. Der entsprechende Kurs für sie hat laut Edelweiss-Sprecher Andreas Marti diese Woche begonnen. Doch laut Swiss-Sprecherin Fuhlrott hat die Edelweiss «keinen weiteren Bedarf» gemeldet.

Bei Helvetic Airways, der Airline von Milliardär Martin Ebner, heisst es auf Anfrage, die Rekrutierung sei ein fortlaufender Prozess. «Interessierte mit und ohne Flugerfahrung können sich das ganze Jahr bei uns bewerben.» Eine Übernahmevereinbarung mit der Swiss gibt es jedoch nicht. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Swiss führt neue Regeln für Powerbanks an Bord ein – das musst du wissen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
34 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
James McNew
21.03.2026 11:27registriert Februar 2014
Ihr wollt ja den Kapitalismus. Da müssen halt die Kosten den Einnahmen angepasst werden. Eine private Firma ist keine Beschäftigungsinstitution. 🤷🏻‍♂️
384
Melden
Zum Kommentar
34
2025 wurde deutlich weniger Schweizer Schoggi verkauft
Die Schweizer Schokoladenbranche hat 2025 deutlich weniger Tafeln, Pralinen und andere Produkte verkauft, gleichzeitig aber mehr umgesetzt. Grund dafür sind die Preisaufschläge für Produkte, um die stark gestiegenen Rohstoffkosten aufzufangen.
Zur Story