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Abgang von SBB-Meyer: Erschwert der tiefere Lohn die Suche nach neuem Chef?

Der Bundesrat verlangt von den bundesnahen Betrieben eine tiefere Entschädigung für Spitzenjobs – allen voran von den SBB. Wird dies die Nachfolgersuche erschweren? Und wer kommt für den CEO-Posten in Frage?

Sven Altermatt / ch media



Andreas Meyer, CEO SBB, spricht neben VR-Praesidentin Monika Ribar ueber seinen Ruecktritt waehrend einer Medienkonferenz, am Mittwoch, 4. September 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar muss einen Nachfolger für CEO Andreas Meyer finden. Bild: KEYSTONE

Der Rücktritt von SBB-CEO Andreas Meyer ist noch keine Stunde bekannt, als am Mittwochmorgen auch schon die Diskussion über einen Nachfolgekandidaten losbricht. Einen «radikalen Wechsel der Kultur und der Kommunikation im Umgang miteinander» fordert etwa Giorgio Tutti. Der Präsident der Eisenbahnergewerkschaft SEV kritisiert die «ständigen Reorganisationen» unter Meyers Ägide.

Eine schnelle Besetzung des Postens scheint freilich wenig wahrscheinlich, Meyer könnte noch bis Ende 2020 im Amt bleiben. Doch welche Qualitäten muss der neue SBB-CEO mitbringen?

Am meisten zu sagen bei der Neubesetzung hat SBB-Präsidentin Monika Ribar. Sie leitet auch den vierköpfigen Nominationsausschuss des Verwaltungsrats, der für die Chefsuche verantwortlich ist. Die SBB bestätigen zudem: Der bekannte Headhunter Guido Schilling ist bereits damit beauftragt worden, geeignete Kandidaten zu finden.

Das Kandidatenprofil sei vom Gesamtverwaltungsrat erarbeitet worden, sagt Ribar. Die Präsidentin ist sich bewusst: «Die eierlegende Wollmilchsau werden wir nicht finden.» Interne Kandidaten würden ebenso geprüft wie externe. Und eine Frauenkandidatur sei «herzlich willkommen».

Die Frage, ob der neue SBB-Chef ein Bahnspezialist sein muss, beantwortet Ribar im Gespräch mit dieser Zeitung vieldeutig. «Ideal ist, wenn der künftige CEO mit dem Schweizer Bahnsystem vertraut ist», sagt sie. «Die SBB ist eine Ikone in diesem Land, keine normale Firma.»

Der CEO braucht laut Ribar keinen Schweizer Pass. «Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus dem Ausland, der noch nie in der Schweiz gelebt hat und das Land nicht versteht, dieses Unternehmen leiten kann.» Auffällig: Gleich mehrfach betont Ribar, wie wichtig ein Flair für die Politik sei. Tatsächlich wird Amtsinhaber Meyer, der zuvor lange in Deutschland gearbeitet hat, immer mal wieder mangelndes politisches Gespür vorgeworfen.

Zwar wurden die SBB in den beiden vergangenen Jahrzehnten entpolitisiert. Doch noch immer ist es das Parlament, das die Milliarden für die Bahninfrastruktur freigibt. Und noch immer ist es der Bundesrat, der die strategischen Ziele definiert.

Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga nimmt stärker Einfluss als ihre Vorgängerin, bestätigen Verkehrspolitiker aller Couleur. Bestes Beispiel: Im Frühjahr wollte sie im Bundesrat durchsetzen, den Lohn des SBB-Chefs um vier Prozent zu kürzen. So sollte die Entschädigung unter die Grenze von einer Million Franken sinken.

Headhunter befürchtet: Lohndeckel wirkt sich aus

Der Bundesrat verlangt von den bundesnahen Betrieben eine «Senkung der maximalen Vergütung der obersten Leitungsorgane». Tatsächlich soll die Nachfolgerin oder der Nachfolger Meyers einen geringeren Lohn erhalten. Man halte sich an die Vorgaben des Bundesrates, sagt Präsidentin Ribar.

Dass der Bundesrat die Unternehmen enger führen will und eine Lohnsenkung verlangt, mache die Nachfolgersuche nicht einfacher, erklärt ein hochrangiger SBB-Kader hinter vorgehaltener Hand. «Man darf nicht vergessen, dass der Inhaber dieses anspruchsvollen Jobs immer unter öffentlicher Beobachtung steht.»

Pikant: Just Headhunter Guido Schilling, der bei den SBB mit der Kandidatensuche betraut ist, warnte mehrfach, eine Obergrenze für die Spitzenlöhne bei SBB, Swisscom oder Post wirke sich auf die Rekrutierung aus. Die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Unternehmen sei zentral, sagte er beispielsweise 2016 der «Handelszeitung»:

«Wenn die Löhne reglementiert werden und nicht mehr marktgerecht sind, können die Unternehmen nicht mehr die Besten für sich gewinnen.»

Statt auf Manager, die sich in einer ähnlichen Position bereits bewährt haben, müssten die bundesnahen Betriebe auf weniger erfahrene Personen zurückgreifen.

Sinnigerweise ist es nun an Schilling selbst, genau diese Befürchtung zu widerlegen.

Das Stellenprofil der SBB:

Wer Meyer nachfolgen könnte

Noch kursieren keine Namen für den CEO-Posten bei den SBB, noch ist alles Spekulation. Selbst hinter vorgehaltener Hand wollen sich Bahnexperten lieber nicht auf mögliche Kandidaten festlegen – schon gar nicht auf welche von ausserhalb der Bahnwelt. Doch klar ist: Es gibt Personen, die in Betracht gezogen werden müssen. Und andere, die zwar geeignet wären, aber trotzdem nicht in Frage kommen. Allen voran SBB-Personenverkehrschef Toni Häne, der 2021 pensioniert wird.
Zumindest für den Posten interessieren könnte sich dessen Vorgängerin Jeannine Pilloud, die nach ihrem umstrittenen Abgang bei den SBB nun die Techfirma Ascom führt. Aus dem Kreis der Konzernleitung genannt wird Infrastrukturchef Jacques Boschung, der allerdings erst seit kurzem für die SBB arbeitet und neu in der Branche ist. Das zweitgrösste Schweizer Bahnunternehmen, die BLS, wird vom früheren SBB-Mann Bernard Guillelmon umsichtig geführt. Ob ihm der Sprung an die Spitze der zehnmal grösseren SBB gelingen könnte? (sva)

(aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 05.09.2019 18:34
    Highlight Highlight "Meyer könnte noch bis Ende 2020 im Amt bleiben."

    Wieso kann er nicht schon früher den Sessel räumen?
    Ich habe langsam genug von diesem Bahnchaos.
  • Sbbler40 05.09.2019 13:43
    Highlight Highlight Die Manager mit den hohen Löhnen wollen wir gar nicht.Dies sollte auch mal die Politik begreiffen. Ich komme ja auch ohne 1 Million arbeiten und mein Job war gefragt. Jeder ist ersetzbar und schlimmer wie Herr Meyer kann man es nicht machen.Also hört auf mit diesen idiotische Argumenten
  • Alterssturheit 05.09.2019 11:49
    Highlight Highlight Wenn ich Guido Schilling richtig verstehe ist es also so, dass wer Topsaläre garniert bzw. immer am meisten verdient, quasi automatisch auch "die/der Beste" ist.
    Schön wärs…..
    • HansDampf_CH 05.09.2019 13:07
      Highlight Highlight Nein, aber seine Provision richtet sich nach dem lohn des Kaders..
  • dä dingsbums 05.09.2019 11:11
    Highlight Highlight Wenn der (eigentlich schon ganz passable) Lohn von knapp einer Million Franken im Jahr so viele gute Kandidaten abschrecken sollte, müssten im Bundesrat, in sämtlichen Kantonsräten, Stadträten und auch bei der Migros und Coop in der GL nur Leute sitzen die nicht so gut sind.

    Kann ich mir irgendwie nicht so vorstellen.

    Der Lohn ist eine Bedingung für den Job, genau so wie eine gewisse Erfahrung oder Ausbildung. Wer das nicht erfüllt, der ist halt kein geeigneter Kandidat.
  • Eraganos 05.09.2019 11:01
    Highlight Highlight Ich denke, es gibt durchaus fähige Kandidaten, die nicht eine knappe Millionen im Jahr verlangen. ;)
  • Clife 05.09.2019 10:21
    Highlight Highlight Wenn Millionensaläre für die Managerstellen als „marktgerecht“ bezeichnet werden sollen genau diese Personen mit solchen Behauptungen bitte ebenfalls ihre Stelle räumen. Die Lohnhöhe sagt schonmal gar nichts über die Qualitäten einer Person aus
  • burroamoroso 05.09.2019 09:00
    Highlight Highlight Also ich mach's sonst schon! Wird ja wohl nicht so schwierig sein. Bisschen reden. Schrottzüge bestellen und nicht zugeben können, dass ich damit in die Sch*%ç& gelangt hab. Mich vor wichtigen Dingen drücken und lieber mit Drohnen rumspielen. Ach ja und Mahngebühren eintreiben lassen, wenn ein GA gerade nicht obermegarechtzeitig bezahlt wird. Auch wenn der Kunde eventuell gerade nicht so viel Stutz im Portmonee hat und auf Knien nach Vergebung bittet. Mache es auch für 900'000 Franken. So bini de nid gäu! ;)

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