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Sicht auf eine Velostation mit Fahrraeder von PubliBike, am Dienstag, 18. September 2018, in Bern. Nach Eroeffnung der Stationen konnten die Veloschloesser problemlos geknackt werden und die Fahrraeder wurden entwendet. Nach einer Generalueberholung der Schloesser sind diese nun wieder im Einsatz. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Publibikes in der Stadt Bern. Bild: KEYSTONE

«Was Publibike tut, ist illegal»: Der Veloverleih ist beliebt, aber ruinös

Der Veloverleihdienst Publibike der Post macht Millionenverluste. Dass nun die öffentliche Hand einspringen soll, ärgert Konkurrenz und Politik.

Roger Braun / ch media



Auf den ersten Blick läuft es rund. Diesen Sommer vermietet Publibike so viele Leihvelos wie nie zuvor. In Zürich knackte das Unternehmen der Post im Juni die Marke von 100’000 Fahrten in einem Monat; in Bern waren es beinahe 140’000. Das Problem ist: Viele Leute bezahlen kaum etwas für das Velo. Das Jahresabonnement gibt’s bereits für 60 Franken; Kurzfahrten bis 30 Minuten sind damit gratis.

Die Branche rätselt seit Langem, ob diese Rechnung aufgehen kann, doch die Post schweigt eisern. Seit Mai weiss man dennoch: Publibike geht es nicht gut.

Laut einem kaum beachteten Bericht der Eidgenössische Finanzkontrolle hat die Post mit ihrem Verleihservice Verluste von 10.9 Millionen Franken angehäuft. Alleine im Jahr 2017 fiel ein Defizit von fünf Millionen Franken an; dabei betrug der Umsatz nicht einmal drei Millionen Franken. Und vergangenes Jahr dürfte wegen des Fiaskos um die aufgebrochenen Schlössern noch schlechter gewesen sein.

«Was Publibike tut, ist illegal.»

François Kuonen, Verleihdienst Intermobility

Angesichts dieser Zahlen kritisiert die Finanzkontrolle den übertriebenen Optimismus der Manager, die Publibike einst als «Topchance» einschätzten und noch immer von rosigen Ertragszahlen ausgehen. Dies sei «in einem sehr umkämpften, freien Markt sehr optimistisch», schreiben die Rechnungsprüfer in ihrem Bericht.

Post-Präsident Urs Schwaller prüfte die Aufgabe oder einen Verkauf von Publibike, doch der Verwaltungsrat kam zu einer anderen Lösung: Die Post will künftig «gezielte Partnerschaften» eingehen, um «mittelfristig» aus den roten Zahlen zu kommen. Was das heisst, ist unklar.

Die Medienstelle nennt auf Anfrage Städte oder staatliche Verkehrsbetriebe als mögliche Partner. Konkreter könne man nicht werden. Faktisch dürfte es vor allem darum geben, einen Teil des Defizits auf andere abzuwälzen. Die Stadt Bern hat bereits signalisiert, dass man eine Anfrage prüfen werde.

Publibike hat zu null Franken offeriert

Überrascht über die neue Wendung ist François Kuonen. Er baute mit Intermobility vor rund zehn Jahren den ersten Veloverleih-Service der Schweiz auf. «Was Publibike hier tut, ist illegal», sagt er.

Intermobility hatte sich in den beiden grössten Märkten Bern und Zürich um den öffentlichen Auftrag beworben, unterlag aber zweimal, weil Publibike versprochen hatte, den Verleih ohne öffentliche Gelder betreiben zu können. Dass es nun doch öffentliche Gelder braucht, ärgert ihn gewaltig. «Publibike hat den Städten ein unrealistisches Angebot für fünf Jahre gemacht und den Zuschlag erhalten. Wenn sie nun trotzdem staatliche Gelder beantragt, bricht sie den eingegangenen Vertrag», sagt er.

Kuonen hatte sich in der Vergangenheit mehrfach darüber ausgelassen, dass ein stationsbasierter Velobetrieb ohne staatliche Beiträge nicht finanzierbar sei. Er sagt: «Publibike hat mit ihren Dumpingpreisen einen funktionierenden Markt kaputt gemacht, nun erhält sie die Quittung dafür.»

Benachteiligt fühlt sich auch der Zürcher Anbieter Smide. Im Unterschied zu Publibike und Intermobility bietet das Unternehmen Velos an, die frei irgendwo abgestellt werden können. Geschäftsführer Raoul Stöckle kritisiert seit geraumer Zeit die Publibike-Privilegien in Form von Veloabstellplätzen an bester Lage und Sponsoringverträgen mit staatsnahen Unternehmen. «Dass nun Publibike trotz der Vorzugbehandlung auch noch staatliche Gelder fordert, ist ein klarer Wortbruch», sagt Stöckle.

Wie Kuonen erinnert er an den Leistungsauftrag, den Publibike von den Städten erhalten hat. «Eigentlich müsste man die Ausschreibung wiederholen», sagt er. Für das Geld, das Publibike bereits heute von staatsnahen Betrieben und indirekt durch die Stadt erhält, wäre Smide gerne bereit, Bern abzudecken, sagt Stöckle.

Auch der Ausstieg aus dem Geschäft käme teuer

Einfach wird es für Publibike nicht, neue Finanzquellen anzuzapfen. Die Stadt Zürich hat Beiträge an den Betrieb bereits ausgeschlossen. Auch staatsnahe Betriebe dürften sich das finanzielle Abenteuer zweimal überlegen. Eine gut informierte Person will wissen, dass die Post Publibike am liebsten loshaben würde, der Ausstieg aber teuer würde.

Ein Branchenbeobachter rechnet mit einem Abschreiber von rund 50 Millionen Franken bei einem Sofortaufstieg. Dabei geht es um die Realisierung der aufgelaufenen Verluste, die getätigten Investitionen sowie die Konventionalstrafen für nicht eingehaltene Verträge.

In der Politik verhärtet sich derweil das Klima für die Post-Tochter. «Das ist ein riesiger Schlamassel», sagt der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. «In Bern hat man Publibike alle Tore geöffnet, die Konkurrenz abgeblockt und nun soll die Stadt noch nachzahlen – ich weiss nicht, wie man einen Betrieb dermassen an die Wand fahren kann.»

Eine finanzielle Unterstützung kommt für Wasserfallen nicht in Frage. «Wenn es Publibike nicht schafft, sollen sie den Auftrag einem Privaten überlassen», sagt er. Es gebe genug andere Anbieter von Leihvelos und E-Trottinetten, die das Bedürfnis abdeckten. Und: «Weder die Post noch die öffentliche Hand haben in diesem hochumkämpften Markt etwas zu suchen.»

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81 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Bene883
30.07.2019 07:01registriert July 2014
Wieder ein Geschäftsfeld, welches null und nichts mit dem Service Public Auftrag der Post zu tun hat und wieder nur Schlamassel. Wann endlich wird der Konzern gezwungen, seinen Auftrag, meinetwegen subventioniert wekl Berggebiete etc. Zu machen und sonst nix?
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yey
30.07.2019 07:03registriert August 2018
Tolle Bilanz:
1.) Leistungsbetrug / Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen berechnet im Postauto-Bereich.
2.) Abhören von Mitarbeitergesprächen trotz klaren Verstoss gegen das Datenschutzrecht.
3.) Monopolbildungsversuche auf Kosten der Steuerzahler / Subventionen inkl. nichteinhalten von Leistungsvereinbahrungen.
Vielleicht stellt sich viel eher die Frage, ob nicht 'wir' uns langsam von der Post trennen wollen...
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bebby
30.07.2019 07:03registriert February 2014
Fahrradverleih und Trottiverleih werden sich nie lohnen, weil der Ertrag im Verhältnis zum Aufwand viel zu tief ist.
Zusätzlich stehen diese oft am falschen Ort herum. Was den Aufwand noch erhöht.
Für Pendler ist es auf die Länge eh günstiger, an einem Ort ein günstiges Velo zu parkieren oder die paar Schritte zu gehen.
Notabene wurde catch-a-car jüngst in mobility integriert, vermutlich aus ähnlichen Gründen. Autos landen immerhin nicht im Fluss.
20019
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81

Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, wir müssen reden ...»

Sollte die Schweizer Stimmbevölkerung die Beschaffung neuer Kampfjets Ende September auch im zweiten Anlauf ablehnen, wäre das gut für die Schweiz. Sie könnte dann die längst überfällige sicherheitspolitische General-Debatte führen.

Liebe Frau Amherd

Herzliche Gratulation zu den jüngsten «Polls», wie man in Amerika sagen würde. 58 Prozent der Stimmberechtigten gedenken laut einer Tamedia-Umfrage, den Kredit für die Kampfflugzeuge mit «Ja» oder «Eher Ja» anzunehmen.

Aber wie sagt man so schön? «It's not over, until it's over», und solche Abstimmungsbarometer wirken ja eher mobilisierend auf das Lager, das gerade im Rückstand ist.

Für Sie hoffe ich natürlich, dass Sie Ihr erstes grosses Geschäft als Verteidigungsministerin …

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