Schweiz
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Grenzgänger-Streit: Italien macht bei der EU mobil gegen die Schweiz



Die italienische Europaparlamentarierin Lara Comi will im Grenzgänger-Streit zwischen Italien und dem Kanton Tessin den Europäischen Gerichtshof und das EU-Parlament anrufen. Sie spricht von einer «inakzeptablen Provokation» der Behörden in Bellinzona. Nun sucht der Bundesrat erneut das Gespräch mit den Tessiner Behörden.

Die Tessiner Regierung müsse auf ihren Entscheid zurückkommen, wonach Antragsteller für eine Aufenthaltsbewilligung einen Strafregisterauszug aus Italien vorweisen müssen. «Das ist eine Frage der Vernunft und des Respekts vor den Vereinbarungen zur Personenfreizügigkeit», erklärte die italienische Europaparlamentarierin Lara Comi am Mittwoch.

«Seit vier Jahren prangere ich die zahlreichen Diskriminierungen an, denen italienische Grenzgänger ausgesetzt sind»

Der Schweizer Botschafter Giancarlo Kessler war am Dienstag in Rom ins italienische Aussenministerium einbestellt worden. Dieses sieht in den Massnahmen des Kantons Tessin eine Verletzung der Personenfreizügigkeit. Kessler sei darüber informiert worden, dass Italien eine «rasche Lösung» erwarte, teilte das italienische Aussenministerium weiter mit.

Diese Erklärungen reichen laut Comi aber nicht aus. Die bilateralen Verträge müssten «unverzüglich» respektiert werden. «Seit vier Jahren prangere ich die zahlreichen Diskriminierungen an, denen italienische Grenzgänger ausgesetzt sind», erklärte Comi.

Bundesrat hält sich bedeckt

Das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) hielt sich auf Anfrage bedeckt. Der Bundesrat werde sich in nächster Zeit mit dem Thema beschäftigen und gemeinsam mit den Tessiner Behörden nach einer Lösung suchen, sagte ein EJPD-Sprecher. Für konkrete Massnahmen seitens des Bundes sei es aber noch zu früh.

Dass das generelle Einfordern von Strafregisterauszügen das Personenfreizügigkeitsabkommen verletzt, hatte Justizministerin Simonetta Sommaruga dem Kanton Tessin bereits 2013 mitgeteilt - damals hatte der Südkanton erstmals einen Versuch unternommen, flächendeckend Strafregisterauszüge zu verlangen.

Italien stellt Antrag bei EU-Kommission

Der Kanton Tessin führte die neue Regelung im April ein. Betroffen sind Antragsteller für eine Aufenthaltsbewilligung B aus den EU-/EFTA-Staaten sowie Grenzgänger aus Italien. Das Staatssekretariat für Migration erklärte den Tessiner Vorstoss für unzulässig.

Der Tessiner Grosse Rat hatte ausserdem beschlossen, den Steuerfuss für Grenzgänger von 78 Prozent auf 100 Prozent zu erhöhen. Damit dürfte der Kanton jährlich rund 20 Millionen Franken mehr einnehmen.

Ende Juni hatte Italien dies zum Anlass genommen, um bei der EU-Kommission einen Antrag zu stellen, damit ein Verfahren gegen die Schweiz eröffnet wird. (whr/sda/ans)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tscheggsch? 30.07.2015 09:30
    Highlight Highlight Wusste gar nicht dass die Lega Einfluss auf die Tessiner Grenze nehmen kann. Oder von woher kommen die Ideen zu solchen Massnahmen?
  • Sandokan 29.07.2015 22:29
    Highlight Highlight Hey Watson wollt ihr 20min und Blick Leser abwerben? Bei diesen Kommentaren gegen Italien und Italiener wird mir schlecht.
    • Bobo B. 29.07.2015 23:18
      Highlight Highlight Gegen Italien als Staat mit seinen durch und durch korrupten, ineffizienten und unfähigen Institutionen darf man ohne Vorbehalte was haben. Gegen den einzelnen Italiener habe ich rein gar nichts. Ich habe hier keinen Kommentar gelesen, der die Italiener als Menschen verunglimpft. Wo also genau ist dein Problem?
  • KriZZtoFF 29.07.2015 21:07
    Highlight Highlight Man müsste mal prüfen ob Italiens lückenhafte Registrierung der Asylsuchenden auch als Vertragsbruch verfolgt werden kann. So als kleine Retourkutsche wie im Kindergarten...
  • Der Bademeister 29.07.2015 20:42
    Highlight Highlight Italien hat es nötig.Stichwort Schengen.Des Weiteren werden oft Zahlungen an CH Unternehmen von der Steuerbehörde aufgerechnet.In Italien sind wir auf einer schwarzen Liste.Da sind mir die D und A Nachbarn lieber als die selbstherlichen I.
    • KriZZtoFF 29.07.2015 21:09
      Highlight Highlight Man dürfte den Italienern als Denkzettel ruhig auf legaler Basis einen reinbrennen.

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