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Der Vaterschaftsurlaub ist viel teurer als gedacht – sagt das Seco

11.06.2019, 08:5011.06.2019, 15:48

Worum geht's?

Die Schweiz gehört zu den europäischen Schlusslichtern, wenn es um einen bezahlten Vaterschaftsurlaub geht. Deswegen lancierten 160 Schweizer Organisationen eine Vaterschaftsurlaubs-Initiative, die einen bezahlten Urlaub von vier Wochen fordert. Das würde 420 Millionen Franken jährlich kosten, sagt das Initiativkomitee. Weil die Initiative so viel Zuspruch erhielt, konterte die ständerätliche Sozialkommission mit einem indirekten Gegenvorschlag von zwei Wochen Urlaub. Das würde noch 224 Millionen Franken jährlich kosten, schätzt das Bundesamt für Sozialversicherungen.

Oder doch teurer?

Den 224 Millionen Franken widerspricht nun das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die wahren Kosten würden bei 1,1 Milliarden Franken liegen – für zwei Wochen Vaterschaftsurlaub.

Wieso so teuer?

Das Seco begründet die hohe Zahl mit den indirekten Kosten, die entstehen, wenn Väter am Arbeitsplatz fehlen. Zu den indirekten Kosten gehören zum Beispiel der Organisationsaufwand, die Kosten für eine Ersatzlösung und für Überstunden anderer Mitarbeiter, sagt Pascal Muller, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Seco zum «Tagesanzeiger». Er ist Sekretär des KMU-Forums, das den Bundesrat berät. Ziel ist eine gewerbefreundliche Politik.

Woher kommen die Zahlen?

Die 1,1 Milliarden Franken stammen von einer Studie zu den Abwesenheiten von Eltern pflegebedürftiger Kinder. Das Beratungsbüro B.S.S. hat die Kosten für einen vom Bundesrat geplanten Betreuungsurlaub geschätzt. Letztes Jahr wurde diese Studie veröffentlicht – und kam zum Schluss, dass die indirekten Kosten von Abwesenheiten das Doppelte bis Vierfache der direkten Kosten betrage. Das heisst also: Bei direkten Kosten von 224 Mio. Franken entspricht das 672 bis 1120 Millionen Franken.

Was sagt die Politik?

SP-Nationalrat Adrian Wüthrich, Präsident «Vaterschaftsurlaub jetzt»:

«Mit den indirekten Kosten argumentieren dieselben Kreise, die sagen, Väter könnten Ferien nehmen und selber für einen Urlaub sorgen. Da würden genau die gleichen indirekten Kosten entstehen.»

Er sagt ausserdem zum «Tagesanzeiger», dass die Wirtschaft schon entlastet werde, weil Armeeangehörige immer weniger Diensttage leisten müssen. Anderer Meinung ist da Josef Dittli:

FDP-Ständerat Josef Dittli

«Je kleiner ein Unternehmen ist, desto schwieriger ist es, die Kosten einer Abwesenheit zu kompensieren. Dazu [für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf] braucht es längerfristige Massnahmen wie einen kostendeckenden Steuerabzug für Fremdbetreuungskosten und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten.»

Was passiert jetzt?

Wüthrich sagt gegenüber dem «Tagesanzeiger», dass er davon ausgehe, dass der Gegenvorschlag mit zwei Wochen Urlaub trotzdem eine Mehrheit findet. Dieser kommt nämlich nur zum Zug, falls die Initiative zurückgezogen würde oder an der Urne scheitert. Die Initiative kommt wohl nächstes Jahr vors Volk. (jaw)

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Vier Wochen Vaterschaftsurlaub – bald Realität in Neuenburg

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144 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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DailyGuy
11.06.2019 09:02registriert Dezember 2015
Wir können uns jedes Jahr für einen Grossteil der Männer zwischen 20 und 34 ein WK von 3 Wochen leisten. Dort fehlen die Männer auch, und es kommt auch zu finanziellen Umkosten für die Firmen. Meist ist der WK nicht einmal wirklich produktiv.
Ein bis zwei Mal Vaterschaftsurlaub für je zwei Wochen ist aber für die Unternehmen eine zu grosse Belastung.

Diese fadenscheinige Begründung finde ich schrecklich und im Grundsatz nur eine Farce.
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space_tourist
11.06.2019 09:08registriert April 2019
Jeder dienstpflichtige Schweizer fehlt pro Jahr mehrere Wochen wegen WK oder Zivildienst. Sprich eine Firma die einen dienstpflichtigen Schweizer anstellt, ist sich bewusst, dass dieser mehrere Wochen pro Jahr nicht zur Arbeit erscheint. Sollte also kein Problem sein dieses Bewusstsein auf Väter auszudehnen...
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Zahlenheini
11.06.2019 11:09registriert Juli 2018
Und jetzt bitte noch gern die Kosten der tiefen Fertilitätsrate berechnen, liebes SECO. Der Mangel an Nachwuchs schafft eine milliardenschwere Finanzierungslücke der AHV. Aber klar, wir können Fachkräfte auch importieren. Nur passt das den gleichen Politikern nicht, die gegen progressive Familienpolitik sind. Mit immer weniger Nachwuchs werden uns die Rekruten für die heilige Kuh Militär übrigens von selber ausgehen, liebe Bürgerlichen...
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