Schweiz
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Der Kampf der aufmüpfigen Veganerin

Nach den Kirchenglocken jetzt der Kampf gegen Kuhglocken 

Nach den Kirchenglocken hat die Veganerin Nancy Holten aus dem Aargau nun auch den Kuhglocken den Kampf angesagt. 

Thomas Wehrli / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Für viele ist sie ein rotes Tuch: Nancy Holten, 40, dreifache Mutter, Veganerin. Die gebürtige Holländerin, die seit sechs Jahren in Gipf-Oberfrick im Aargau lebt, sagt, was sie denkt, und nimmt dabei auch auf gewachsene Traditionen keine Rücksicht. 

Das frühmorgendliche Läuten der Kirchenglocken? Stört mich, sagt Holten – und reichte letzte Woche eine Immissionsklage gegen das 6-Uhr-Läuten bei der Gemeinde ein. 

Die Kuhglocken? Stören mich, sagt Holten – und lanciert auf Facebook die offene Gruppe «Kuhglocken out». 

Nicht der Lärm ist es diesmal, der die umtriebige Wahl-Fricktalerin zum Handeln bewegt, sondern das Tierwohl. «Kein Mensch läuft freiwillig mit einer Glocke um den Hals herum», sagt sie. «Und was man selber nicht will, darf man auch anderen Lebewesen nicht antun.» 

ETH-Studie als Kronzeugin 

Holten geht sogar noch einen Schritt weiter und verurteilt die alte Kuhglocken-Tradition, die für viele noch immer ein Stück Schweiz, ein Stück Heimat bedeutet, gar als Tierquälerei. Als Kronzeugin für ihre These führt sie eine Studie der ETH Zürich ins Feld, über welche die «Tagesschau» vor rund drei Monaten vorab berichtet hatte. 

Ein ETH-Team hängte gut 100 Kühen drei Tage lang eine mittelgrosse Glocke um den Hals. Fazit: Die Kühe frassen weniger und legten sich seltener hin. Schuld daran sei auch der Lärmpegel von über 100 Dezibel, erklärte Studienleiterin Edna Hillmann gegenüber der «Tagesschau». 

«Das ist in etwa so laut, wie wenn wir uns einen Presslufthammer direkt ans Ohr halten würden», ereifert sich Holten. Das sei für die Kühe «eine absolute Zumutung», eine «Rücksichtslosigkeit des Menschen», die sie nicht goutiert. 

Die Menschen wachzurütteln, sei ihre Antriebsfeder, «ich will das Bewusstsein für dieses Unrecht schärfen». Nur weil Kühe so gutmütig seien und sich Glocken umhängen liessen, «heisst das noch lange nicht, dass sie es auch wollen». Dass Kuhglocken neben dem Traditionsmoment durchaus auch ihren Sinn haben, nämlich dafür zu sorgen, dass man die Kühe auch nachts oder bei Nebel auf der Weide findet, lässt Holten nicht gelten. «Das mag vielleicht noch bei einigen wenigen Alpweiden so sein. Aber die meisten Weiden sind heute eingezäunt. Und da sticht dieses Argument nicht mehr.» 

Für Holten sind die Kuhglocken eine Tradition von gestern, die es im Heute zu hinterfragen gilt. «Wenn ein Bauer sagt: Eine Kuh ohne Glocke ist keine richtige Kuh, dann sträuben sich mir die Nackenhaare.» Das sei hanebüchen, «ein völliger Irrsinn». 

Holten redet sich in Fahrt. «Oder haben Sie das Gefühl, eine Kuh freue sich, wenn die Glocke ihren Hals wund scheuert?» Sie sei nicht gegen Traditionen, «aber diese dürfen nicht auf Kosten eines mitfühlenden Lebewesens gelebt werden». Indem man die Glocken-Tradition aufgebe, schaffe man den Raum für einen neuen Brauch. Dass sie mit ihrer Glocken-Sicht noch recht alleine dasteht – der Facebook-Gruppe sind bis gestern Sonntag erst 30 Mitglieder beigetreten – stört sie nicht. Zum einen sei die Gruppe erst im Aufbau. «Zum anderen kann man nur etwas bewegen, wenn man sich bewegt.» 

Facebook als Protest-Plattform 

Gewählt hat sie Facebook als Anti-Glocken-Plattform, weil es ein geniales Mittel sei, um sich zu vernetzen. «Man findet auch bei Randthemen schnell und leicht Gleichgesinnte.» Zudem könne jeder, der wolle, eine gewisse Anonymität bewahren. «Ich verstehe, dass sich nicht alle so gerne exponieren, wie ich es tue.» Ihnen gäben die sozialen Medien «die Plattform, um ihren Protest kundzutun». Holten ist auch klar, dass viele ihr Engagement gegen die Kuhglocken – angesichts der globalen Herausforderungen – für belanglos halten. «Ich habe das Glück, dass ich mich nicht um die Grundbedürfnisse sorgen muss, sondern meine ganze Energie für andere einsetzen kann.» 

Dass sie dies vorab für Tiere tut, hängt eng mit ihrer Denk- und Lebensweise zusammen. Seit acht Jahren leben sie und ihre drei Kinder vegetarisch, seit sieben Jahren «weitgehend vegan». Die pflanzliche Ernährung biete die Möglichkeit, «den Kreislauf der Tierausbeutung zu durchbrechen». Tiere sind für Holten kein nutzbares Gut, sondern «empathische Lebewesen mit den gleichen Rechten auf Unversehrtheit, wie wir Menschen sie haben». Holten wird für ihre Ansichten zum Teil belächelt, zum Teil offen angefeindet (wie beim Kirchenglocken-Streit). Sie nimmt es in Kauf. «Für die Sache.» 

Halten Sie Kuhglocken auch für Tierquälerei?

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ChSt 26.11.2016 18:53
    Highlight Highlight Ich war, auf Grund meiner Arbeit, viele Jahre in verschiedenen Ländern zuhause, aber es kam mir nie in den Sinn etwas in diesen Ländern zu ändern.
    Obwohl mir gewisse Sachen nicht gefielen.
    Ich war einfach nur dankbar, akzeptiert zu werden.
    (7 Jahre Teneriffa, 5 Jahre Montreal, 11 Jahre São Paulo) .
  • christianlaurin 30.12.2014 13:24
    Highlight Highlight Manchmal sind wir ganz schön heurerlisch! Viele Kommentare sagen die Frau soll bitte sehr ruhig bleiben weil sie Ausländer ist. Was ist das dann für eine Einstellung? Früher fanden Leute die Idee von Sklaven oder das nur Männer wählen können recht gut. Ich will nicht sagen das die Kuhglocke Vergleichbar ist sondern Zeiten ändern sich und leider probieren manche Schweizer die Uhr mit alle Wucht zu stoppen.
  • winu63 30.12.2014 12:09
    Highlight Highlight Die liebe Frau Holden sollte zuerst vor der eigenen Haustüre misten.
    Sie soll nicht Motzen, sondern das Gastrecht hier geniessen.
    • Cojasan 30.12.2014 14:04
      Highlight Highlight Holten.. mein lieber. Holten!!!!!
  • zombie1969 29.12.2014 23:23
    Highlight Highlight Welchen Einfluss Glockengeläut wirklich auf die Tiere hat, sollte man mal ernsthaft untersuchen.
    http://www.aargauerzeitung.ch/kommentare/gastkommentar/glocken-schaden-kuehen-akademiker-und-ihre-studien-128440823
  • Jol Bear 29.12.2014 18:25
    Highlight Highlight In der Tat sind die Glocken in eingezäunten, kleineren Weiden in der Nähe von Siedlungsgebieten nicht nötig und viele Bauern verzichten aus Rücksicht auf die Bewohner bereits darauf. Auf Alpweiden erfüllen die Glocken jedoch weiterhin ihren ursprünglichen Zweck. Nun, die Frau beruft sich auf eine ETH-Studie. Beim heutigen Subventionsbeitragsdschungel wäre es nicht verwunderlich, wenn der Bund jenen Bauern, die bewusst auf Kuhglocken verzichten, demnächst einen Zusatzbeitrag pro Kuh ohne Glocke ausrichten wird (Begründung: Verminderung der Lärmemissionen). Jene aber, die ihren Kühen weiterhin eine Glocke umhängen, bekommen dann ebenfalls einen Beitrag: wegen Bereitschaft zur Erhaltung alter Traditionen...
  • jamaika 29.12.2014 14:44
    Highlight Highlight etz langts dä langsam.....diä söll mal ihre Kanarievogel usem Chäfi befreie.....
  • Schlagerpeter 29.12.2014 12:29
    Highlight Highlight Die Dame soll ihre veganen Bananenschachteln packen und zusammen mit ihren Familienmitglieder die Schweiz ganz leise verlassen.
  • everSin 29.12.2014 11:41
    Highlight Highlight war das jetzt nicht ein satire-artikel? ich frage in vollem ernst - ich finde den pinken, sternförmigen sticker nicht 0o
  • Markus Noach Meister 29.12.2014 11:04
    Highlight Highlight Postwendend zurück nach Holland,mit einer Glocke um den Hals!
  • Darude Sandstorm 29.12.2014 10:35
    Highlight Highlight Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln. (Mahadma Gandhi)
  • Alfons Gschwind 29.12.2014 10:17
    Highlight Highlight <<...sondern meine ganze Energie für andere einsetzen kann.>>
    Achja? Sie setzen sich auch bei den Kirchenglocken für andere ein?
    Es geht bei der ganzen Sache doch nur um die Profilierung der gelangweilten Frau Holten, damit sie auch ja in allen Medien kommt mit ihrem "Engagement".
  • The oder ich 29.12.2014 09:32
    Highlight Highlight Immerhin wissen wir dank Frau Holten, wie sich die Afrikaner im 18./19. Jahrhundert gefühlt haben müssen, als ihnen die Missionare die Welt erklären kamen und alle ihre Traditionen als falsch, unmoralisch und böse brandmarkten.
  • Freddie248 29.12.2014 08:02
    Highlight Highlight Holten stört mich. Darf ich sie jetzt anzeigen?
    Nun wegen den Glocken hat sie nicht unrecht. Aber bei uns (Bauerndorf) gibt es kaum noch Glocken. Und wenn, dann nur bei den Tieren, die häufig abhauen. Sonst hängen die Glocken im Stall.
    • Pascal Mona 29.12.2014 10:58
      Highlight Highlight Absolut Ihrer Meinung. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, kein einziger der 8 Bauernhöfe im Wiler hat den Kühen noch Glocken angelegt, höchstens einige den Rindern bei welchen halt die Gefahr des "Abhauens" ganz einfach besteht! Zum Glück wohne ich nicht im Aargau, sonst müsste ich mich auch noch ab dieser Frau aufregen...

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