DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Im Kanton Zürich soll das anonymisierte Bewerbungsverfahren eingeführt werden. (Symbolbild)
Im Kanton Zürich soll das anonymisierte Bewerbungsverfahren eingeführt werden. (Symbolbild)
Bild: KEYSTONE

Kein Foto, kein Name: Kanton Zürich soll Job-Bewerbungen nur anonym prüfen dürfen

Ob jemand vom Kanton Zürich zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, soll nicht mehr anhand von Foto, Alter, Nationalität oder Geschlecht entschieden werden. Dies fordert ein Vorstoss von GLP, Grünen und SP.
25.08.2020, 15:1325.08.2020, 15:23

Der Kanton Zürich soll bei der Vergabe neuer Jobs in der Verwaltung in Zukunft auf ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren setzen. Bewerberinnen und Bewerber sollen weder Geschlecht noch Nationalität oder ein Bild der Bewerbung beifügen müssen.

Eingereicht wurde dieser Vorschlag von den drei Kantonsrätinnen Melissa Näf (GLP), Birgit Tognella-Geertsen (SP) und Silvia Rigoni (Grüne). Der Vorstoss sei auf Initiative der Jungen Grünliberalen entstanden, schreibt Co-Präsidentin Viviane Kägi in einer Mitteilung.

Anonymität statt «Bewerbungs-Tinder» gefordert

Die drei Politikerinnen erhoffen sich durch eine Änderung im Personalgesetz, dass es zu «mehr Chancengerechtigkeit» im Bewerbungsverfahren kommt. Beklagt wird, dass nach wie vor Migrantinnen und Migranten mehr Bewerbungen schreiben müssten als Schweizerinnen und Schweizer, um überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

«Die Erstauswahl von Bewerbungsdossiers gleicht heute teilweise einem ‹Bewerbungs-Tinder›.»
Melissa Näf

Gefordert wird, dass neben Nationalität, Geschlecht, Aussehen auch der Zivilstand und der Name im ersten Bewerbungsschritt anonymisiert werden. Die GLP-Politikerin Melissa Näf spricht von einer Art «Bewerbungs-Tinder»: So würden heute nach wie vor «eigentlich irrelevante Dinge» darüber entscheiden, ob das Bewerbungsdossier weiterkommt oder nicht.

Im Ausland häufiger Standard

Solche anonymisierte Bewerbungsverfahren werden in anderen Ländern wie den USA bereits eingesetzt, um Gleichbehandlung zu verbessern und Diskriminierung zu verhindern. Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) befürwortet die Einführung solcher Standards bereits seit geraumer Zeit.

Bislang aber ohne grossen Erfolg. Der Telekommunikationskonzern Swisscom bietet seit 2015 anonyme Bewerbungen über eine spezielle E-Mail-Adresse an. Gross genutzt wurden sie aber von Jobinteressierten noch nicht – in den ersten zwei Jahren wurde keine einzige Bewerbung über diesen Weg eingereicht.

2010 scheiterte ein ähnlicher Vorstoss im Grossen Stadtrat in Luzern. Der damalige Stadtpräsident Urs W. Studer stritt im Parlament ab, dass die Stadt ein Problem mit der Diskriminierung habe. Man entschied sich stattdessen, eine «Charta» einzuführen, um Führungspersonen bei der Stadt zu sensibilisieren und zu schulen. (pit)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

10 Dinge, die du kennst, wenn du zu wenig Ferien hast

1 / 12
10 Dinge, die du kennst, wenn du zu wenig Ferien hast
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wenn Vorstellungsgespräche ehrlich wären...

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Nach Facebook-Hetze gegen Merkel: 40-jähriger Corona-Schwurbler verurteilt

Der gelernte Gärtner war Mitglied einer geschlossenen, etwa 5000 Mitglieder umfassenden Facebook-Gruppe, in der auch zu Gewalt gegen «Asylanten und Migranten» aufgerufen wurde.

Ein Berliner Facebook-Nutzer ist nach Hetze gegen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Der 40-Jährige habe sich der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten, der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten sowie der Volksverhetzung schuldig gemacht, begründete das Amtsgericht Berlin-Tiergarten am Donnerstag. Der Angeklagte hatte zuvor gestanden und erklärt, er habe sich «übelst über die Corona-Massnahmen …

Artikel lesen
Link zum Artikel