DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Zürcher Arzt soll 18-Jährige bei Untersuchung geschändet haben

15.10.2021, 18:0216.10.2021, 12:59

Ein ehemals im Kanton Zürich tätiger Hausarzt hat sich am Freitag vor dem Zürcher Obergericht gegen den Vorwurf der Schändung gewehrt. Er soll eine junge Patientin, die wegen Erkältungssymptomen zu ihm kam, ohne medizinische Notwendigkeit vaginal untersucht haben. Ihm droht ein lebenslanges Berufsverbot.

Der 51-jährige Deutsche legte gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom November 2020 Berufung ein. Das Gericht hatte ihn wegen Schändung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt.

Der Arzt wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Der Arzt wehrt sich gegen die Vorwürfe.symbolbild: shutterstock

Zudem verhängte das Gericht ein lebenslanges Berufsverbot. Die Zürcher Gesundheitsdirektion entzog ihm daraufhin auch die Praxisbewilligung.

Er sei deshalb gegenwärtig nicht berufstätig, sagte der Beschuldigte am Freitag vor dem Obergericht. Der Vorfall, der ihm zur Last gelegt wurde, ereignete sich im Oktober 2019 in einem Ärztezentrum im Kanton Zürich. Der Arzt untersuchte dort eine Patientin, die normalerweise von einem Kollegen in der Praxis betreut wird. Dieser war jedoch nicht verfügbar.

Mit Erkältungssymptomen in die Praxis

Die Frau, eine damals 18-jährige Schweizerin, klagte über Erkältungssymptome und brauchte ein ärztliches Zeugnis. Der Arzt nahm an ihr jedoch ausführlichere Untersuchungen vor – inklusive einer analen Untersuchung und einer Untersuchung der Vagina.

Der Mediziner begründete sein Vorgehen mit Beschwerden, welche die Frau bei mehreren früheren Arztbesuchen in den vorangegangenen Wochen und Monaten gehabt hatte. Im Patientendossier seien unter anderem Bauchschmerzen und Blut im Stuhl erwähnt worden. Eine Ursache sei nie gefunden worden.

«Die Vorwürfe gegen mich stimmen nicht.»
Der Beschuldigte in seinem Schlusswort

«Ich wollte mit den vorgenommenen Untersuchungen verschiedene mögliche Ursachen ausschliessen, beispielsweise eine Blinddarmentzündung oder eine Eileiterschwangerschaft», sagte der Arzt bei der Befragung. Er nahm vor Obergericht zum ersten Mal Stellung zu den Vorwürfen. In der Vorinstanz machte er von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch.

Als Arzt sei es seine Pflicht gewesen, die Patientin auf mögliche Erkrankungen, die ein rasches Handeln erfordern würden, zu untersuchen.

Angeblich in Vorgespräch angekündigt

Er habe der Patientin auch in einem Vorgespräch ausführlich erklärt, welche Untersuchungen er zu machen gedenke. Sie habe keine Einwände geäussert, auch nicht bezüglich der analen und vaginalen Untersuchung.

Anders tönte dies in den Schilderungen der Privatklägerin und ihrer Anwältin. Sie sei überrascht gewesen, als der Arzt nach der analen Untersuchung sie auch noch vaginal untersucht habe. Dazu führte er unter anderem einen oder mehrere Finger ein.

Die Klägerin und ihre Anwältin waren ob der Untersuchungen des Arztes überrascht.
Die Klägerin und ihre Anwältin waren ob der Untersuchungen des Arztes überrascht.symbolbild: shutterstock

Die Staatsanwältin forderte eine Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. Der Beschuldigte sei wegen Schändung zu verurteilen, seine nun vor Obergericht erstmals vorgebrachten Erklärungen seien nicht glaubwürdig. Bei der vaginalen Untersuchung habe es sich um einen sexuellen Übergriff gehandelt, der als Schändung zu ahnden sei.

Lücke im Patientendossier

Dafür spricht laut Staatsanwältin unter anderem der Umstand, dass der Hausarzt seine Untersuchungen an der Patientin in ihrem Dossier sehr ausführlich dokumentiert habe – bis auf die vaginale Untersuchung, die komplett fehle.

Zudem habe das Ärztezentrum den Beschuldigten wegen des Vorfalls entlassen – mit der Begründung, er habe einen sexuellen Übergriff begangen. Diese Kündigung habe er akzeptiert.

«Die Vorwürfe gegen mich stimmen nicht», sagte der Beschuldigte in seinem Schlusswort. Er würde sehr gerne wieder als Hausarzt arbeiten, so wie er es jahrelang getan habe.

Das Obergericht hat sein Urteil noch nicht gefällt. Dieses wird den Beteiligten voraussichtlich in der kommenden Woche schriftlich zugestellt. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Wenn Essen Angst macht – 14 sehr spezifische Food-Phobien

1 / 15
Wenn Essen Angst macht – 14 sehr spezifische Food-Phobien
quelle: chicken.ca / chicken.ca
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Der Medizintourismus in Istanbul boomt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Politologe erklärt, warum das Covid-Gesetz noch deutlicher angenommen wurde als im Juni
Warum die Gegner des Covid-Gesetzes noch weniger Chancen hatten als im Juni und wieso die Pflege-Initiantinnen richtig gepokert haben, erklärt Urs Bieri, Politologe bei gfs.bern im Interview.

Herr Bieri, die Umfragen zeigten zwar ein deutliches Ja zum Covid-19-Gesetz, dennoch haben viele bis zu den ersten Hochrechnungen gezittert. Sie auch?
Urs Bieri: Unsere Umfragen sind gut und professionell und wir haben mit dem gleichen Messverfahren gearbeitet, wie bereits bei der Covid-Abstimmung im Juni. Dort haben wir das Abstimmungsresultat bereits sehr genau vorausgesagt. Ich war darum entspannt.

Zur Story