Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Er habe in der Schweiz eine Pizzeria gesucht, sagt ein Neapolitaner – das Gericht sagt, er habe eine Bank überfallen



Ein vorbestrafter Bankräuber aus Italien muss für sechs Jahre ins Gefängnis, weil er in Beckenried NW eine Bank überfallen und weitere Raube im Aargau und in Zürich geplant hatte. Zu dem Schluss ist nach dem Nidwaldner Kantonsgericht auch das Obergericht gekommen.

Das Nidwaldner Obergericht wies die Berufung des 62-Jährigen ab und bestätigte das Urteil der ersten Instanz, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Urteilsdispositiv hervorgeht. Der Schuldspruch ist noch nicht rechtskräftig.

Bankräuber

Die Gerichte erachten es angesichts zahlreicher Indizien – wie Zeugenaussagen und Analysen von Videobildern – als erwiesen, dass der Italiener am 25. März 2013 bewaffnet mit einem Komplizen die Kantonalbank in Beckenried überfallen hatte.

Lokalitäten für eine Pizzeria gesucht

Der Verteidiger hatte vor den Gerichten einen Freispruch und 71'000 Franken Entschädigung verlangt. Er wies von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Indizien als «Vermutungen und unzulässige Querverbindungen» zurück. Der Beschuldigte selber wies sämtliche Anschuldigungen zurück. Er sei als Kleiderverkäufer in der Schweiz unterwegs gewesen und habe Lokalitäten für eine Pizzeria gesucht.

Der Mann aus der Region Neapel wurde im Dezember 2014 vom Kantonsgericht nach einem Indizienprozess wegen Raubes und strafbarer Vorbereitungshandlungen verurteilt. Er soll für sechs Jahre ins Gefängnis. Das Gericht war vollumfänglich den Anträgen der Staatsanwaltschaft gefolgt.

Bankangestellte gefesselt

Die Gerichte erachten es angesichts zahlreicher Indizien – wie Zeugenaussagen und Analysen von Videobildern – als erwiesen, dass der Italiener am 25. März 2013 bewaffnet mit einem Komplizen die Kantonalbank in Beckenried überfallen hatte. Dabei wurden drei Bankangestellte gefesselt und im Bad eingesperrt. Die Täter flüchteten mit gut 200'000 Franken Bargeld.

Zudem war der Beschuldigte im Oktober und November 2013 erneut aus Neapel in die Schweiz eingereist und hatte Banken in den Kantonen Aargau und Zürich ausgekundschaftet. Entsprechende Adresseinträge fand die Staatsanwaltschaft im Navigationsgerät des Mannes. 

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen wegen Mafia?

Als die Polizei den Mann verhaftete, stellte sie in seinem Zimmer in einer Jugendherberge in Zürich unter anderem ein Diktafon mit Banküberfall-Vokabular und Verbrecheruntensilen sicher.

Der Prozess in Nidwalden gegen den in Italien mehrfach wegen Raubes vorbestraften Mann fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. So war der Mann in Italien gemäss Medienberichten mit Banden-Komplizen an mehreren bewaffneten Banküberfällen beteiligt. Eine mögliche Verbindung zur Mafia erwähnte die Anklage nicht explizit. (whr/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Anni Lanz wollte suizidgefährdetem Flüchtling helfen – Bundesgericht bestätigt Strafe

An einem Wintertag wollte Anni Lanz einen frierenden abgewiesenen Asylbewerber von Italien zurück in die Schweiz holen. Jetzt hat das Bundesgericht die Strafe wegen Förderung der illegalen Einreise gegen die älteste Flüchtlingshelferin der Schweiz bestätigt. Lanz prüft nun, das Urteil beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg anzufechten.

Anni Lanz fackelte nicht lange. Als die heute 74-jährige Baslerin erfuhr, dass Tom (Name geändert), ein von der Schweiz nach Italien abgeschobener afghanischer Asylbewerber, am 24. Februar 2018 bei Minustemperaturen im Bahnhof Domodossola gestrandet war, fuhren Toms Schwager und sie an den Ort des Geschehens. Sie wollten den jungen Mann, der zuvor mehrere Suizidversuche begangen hatte, wieder in die Schweiz zurückbringen. Die älteste Flüchtlingshelferin der Schweiz sah an diesem Samstag, …

Artikel lesen
Link zum Artikel