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Zürich

Tauben-Politik in Schweizer Städten – bald stimmt Basel darüber ab

In Bern gepflegt, in Zürich gekeult, in Basel ein Politikum: Der Umgang mit den Tauben

Der Zürcher Weg stösst an seine Grenzen, dagegen hat Bern Erfolg. Nun entscheidet Basel an der Urne, welchen Weg die Stadt künftig einschlagen soll. Die Stadttauben-Initiative kommt vors Volk.
27.05.2026, 15:2927.05.2026, 16:56
Nastasja Hofmann / ch media
Tauben
Stadttauben prägen das Stadtbild – doch über den richtigen Umgang mit ihnen herrscht Uneinigkeit.Bild: zvg

Im April verbreitete sich ein Video vom Zürcher Stadelhofenplatz rasch in den sozialen Medien. Darauf zu sehen ist, wie Wildhüter Stadttauben einfangen und unter einer Abdeckung keulen. Das Video stammt von einer Passantin, die den Vorgang mitfilmte.

Es entfachte die Diskussion darüber, wie verschiedene Städte ihr Taubenproblem angehen und welche Lösungen angemessen sind. Es sind Fragen, die im Kanton Basel-Stadt aktuell heiss diskutiert werden. Denn bald befindet das Basler Stimmvolk über die sogenannte Stadttauben-Initiative.

Im Abstimmungskampf stehen sich der Kanton und das Initiativkomitee gegenüber. Dabei richtet sich der Blick auch auf andere Schweizer Städte und deren Umgang mit Stadttauben.

Das Modell Zürich funktioniert nicht

Das Video, das die Tötung zahlreicher Tauben in der Stadt Zürich dokumentiert, berührte viele Menschen. Als Reaktion organisierten Tierschützer eine Kundgebung mit der Forderung, flächendeckend Taubenschläge einzurichten, anstatt die Tiere zu keulen. Zudem reichten Vertreterinnen der Grünen im Zürcher Gemeinderat eine Motion ein, die eine tierfreundlichere Regulierung fordert.

Unbestritten ist, dass Zürich wie viele andere Städte gegen das Taubenproblem vorgehen muss. Allein in der Stadt Zürich leben rund 16'000 Tiere. Besonders störend für Bevölkerung und Behörden ist der Taubenkot: Rund 80 Tonnen scheiden die Tiere jährlich aus. Das verschmutzt Plätze, Fassaden und Mauerwerke. Auch die vielerorts angebrachten Spikes und Netze, die das Nisten verhindern sollen, prägen das Stadtbild negativ.

Demonstration gegen Tauben-Tötungen in Zürich, 18.04.2026.
Menschen auf einer Kundgebung gegen Tauben-Tötungen in Zürich.Bild: Stadttauben Schweiz

Das Ziel ist es deshalb, den Taubenbestand nachhaltig zu verringern. Allein durch das Töten der Tiere gelingt das jedoch nicht. Aufgrund ihres starken Brutverhaltens rücken schnell neue Vögel nach. Trotzdem wird das Keulen von einigen Städten – nicht nur von Zürich – als Massnahme an Hotspots noch eingesetzt.

Das Modell Bern – eine Erfolgsgeschichte

Ein deutlich tierfreundlicheres Modell verfolgt die Stadt Bern. Und das mit grossem Erfolg. Seit 2011 kümmert sich der Tierpark Bern um die Taubenpopulation. In Taubenschlägen werden die Stadttauben gefüttert. Ausserdem haben sie dort einen sauberen und hygienischen Nistplatz. Damit werden die Tiere an die Schläge gebunden und kehren immer wieder an denselben Ort zurück.

Um den Bestand langfristig unter Kontrolle zu halten, werden die Eier in den Schlägen durch Attrappen ersetzt und die männlichen Tiere werden sterilisiert. So konnte Bern den Bestand auf rund 1500 stabilisieren. Noch in den 80er- und 90er-Jahren siedelten etwa 10'000 Stadttauben in Bern.

Basel und die Diskussion nach der richtigen Anzahl Taubenschläge

Auch in Basel wird der richtige Umgang mit den Vögeln emotional diskutiert. Der Bestand der Tauben wird auf ungefähr 8000 geschätzt, genaue Zahlen existieren gemäss Kanton aber nicht. Bisher wurde die Regierung dem Problem nicht Herr. Die sichtbaren Massnahmen wie Spikes und Vogelnetze reichen ebenso wenig aus wie die jährlich 200 bis 300 getöteten Tiere.

Tauben suchen im Kies des Stadelhoferplatz nach Futter fotografiert am Freitag, 17. April 2026 in Zuerich. Nachdem die Stadt den Bestand regulierte, hat der Verein Stadttauben eine Motion zum Schutz d ...
Rund 80 Tonnen Kot pro Jahr scheiden die Zürcher Tauben aus.Bild: keystone

Deshalb hat sich vor rund drei Jahren ein Komitee eingeschaltet, das «endlich eine echte Lösung für das Taubenproblem in Basel» fordert. Die tragende Figur der Initiative ist Komitee-Präsidentin Renée Winkler. Gemeinsam mit ihrem bunt zusammengewürfelten Team machte sie mit verschiedenen Aktionen auf sich aufmerksam: An der Basler Fasnacht traten die Mitglieder etwa beim Kinderumzug in Taubenkostümen auf, beim Sammeln von Unterschriften trugen sie Taubenflügel. Innerhalb von vier Monaten waren die 3000 Unterschriften zusammen.

Mit ihrer Initiative fordern sie mindestens einen Taubenschlag pro Quartier und ein striktes Fütterungsverbot ausserhalb der Schläge. Ausserdem sollen Tauben nur noch getötet werden dürfen, wenn sie krank oder verletzt sind. Eine Sterilisierung, wie sie in Bern vorgenommen wird, ist indes kein Thema. Die Populationskontrolle soll einzig über den Eiertausch gegen Attrappen erfolgen.

Für den Kanton sind das zu viele Taubenschläge, deren Bewirtschaftung zu teuer und die Wirkung zu ungewiss. Die Regierung möchte im abgeschwächten Gegenvorschlag deshalb ein Pilotprojekt durchbringen. Dieses sieht während vier Jahren fünf Taubenschläge vor. Als Begleitmassnahme sollen Tauben zudem weiterhin getötet werden dürfen.

Für das Komitee rund um Renée Winkler ist nicht verständlich, dass die Regierung auf einen Gegenvorschlag pocht. Sie befürchten, dass der Pilotversuch nach den vier Jahren als gescheitert hingestellt und das Projekt Taubenschläge ganz begraben wird. Deshalb setzen sie sich kurz vor den Abstimmungen mit aller Kraft gegen den Gegenvorschlag ein. Ob die Stadt Basel eher den Zürcher Weg einschlägt oder sich dem Berner Modell nähert, entscheidet das Stimmvolk am 14. Juni. (aargauerzeitung.ch)

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