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Die SP kopiert Obama

Wahlkampf à la USA hält jetzt auch in der Schweiz Einzug – dank Flatrate-Abos und aktiven Genossen.

antonio fumagalli



Ein Artikel der

«Grüezi, mein Name ist Stefan Kurt. Ich bin Mitglied der SP und rufe Sie im Hinblick auf die Kantonsratswahlen vom 12. April an.» Die Frau am anderen Ende ist verdutzt, sie beginnt laut zu lachen. Kurt lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. «Vor vier Jahren hatten wir eine tiefe Stimmbeteiligung, die möchten wir jetzt in die Höhe schrauben. Haben Sie denn schon gewählt?» Die Frau lacht noch immer. Bis sie ihre Worte findet, dauert es ein paar Sekunden. 

President Barack Obama and first lady Michelle Obama wave as they emerge from Air Force One at Logan Airport in Boston Monday, March. 30, 2015. Obama is speaking at the dedication for the $79 million Edward M. Kennedy Institute for the United States Senate, which sits next to the presidential library of Kennedy’s brother, John F. Kennedy. (AP Photo/Josh Reynolds)

Aktive Wählerwerbung: Vorbild Obama lässt grüssen. Bild: AP/FR25426 AP

Sie unterstütze schon ihr ganzes Leben lang die SP und habe auch dieses Mal nichts anderes vor. Dass man sie dafür persönlich anrufe, das finde sie nun aber schon «ziemlich speziell», sagt sie. Kurt bedankt sich höflich, verabschiedet sich und trägt die Erkenntnisse in die Datenbank ein. Der nächste Anruf steht an. 

Gespräche wie dieses sind die Ausnahme, die meisten verlaufen harmonischer. «Nur ein kleiner Anteil der Personen reagiert befremdet», sagt die Zürcher SP-Kantonsrätin Mattea Meyer. Der Grund dafür liegt auch in der Vorgehensweise der Genossen: Kontaktiert werden nur Sympathisanten, also zum Beispiel Personen, die mal eine Initiative unterschrieben haben. «Es bringt nichts, einfach mal herumzutelefonieren. Wir möchten unsere potenziellen Wähler an die Urne bringen», so Meyer. 

100'000 Stimmbürger will die SP ans Telefon kriegen – dies das offizielle Ziel der Partei im Hinblick auf die nationalen Wahlen von Oktober. Zürich und Luzern, wo diesen Frühling auf kantonaler Ebene gewählt wird beziehungsweise wurde, dienen als Testlauf für die grosse Kampagne, die nach den Sommerferien startet.  

Im Callcenter der SP

Hälfte des Budgets eingesetzt

Wie das genau funktionieren soll, zeigte sich am Samstag in der Alten Kaserne von Winterthur. Rund 40 Personen jeglichen Alters sitzen im ganzen Raum verteilt an Einzeltischen. Vor sich einen Computer, in der Hand einen Schreibstift. Man wähnt sich an einer Uni-Prüfung – wenn nicht jeder ein Handy am Ohr hätte. Stimmenwirrwarr erfüllt den Raum.  

Was chaotisch wirkt, ist generalstabsmässig geplant: Die SP wirft nicht weniger als die Hälfte ihres Budgets für die nationalen Wahlen 2015 in die Waagschale, rund 700'000 Franken. Zwei Mitarbeiter sind das ganze Jahr über dafür abbestellt. Ein Informatiker hat eigens ein Online-Tool dafür entwickelt, damit zum Beispiel nicht die gleichen Personen mehrfach kontaktiert werden. Der grösste Teil der Arbeit – die eigentlichen Telefonanrufe – wird allerdings von freiwilligen Parteimitgliedern ausgeführt. 

In Zürich und Luzern liessen sich immerhin 800 Personen, also rund 15 Prozent der Mitglieder, dazu motivieren. Bis anhin haben sie rund 20'000 Gespräche geführt. 

Dass das in dieser Dimension überhaupt möglich ist, verdankt die SP nicht zuletzt dem veränderten Konsumverhalten. Viele Mitglieder besitzen ein Flatrate-Abonnement und bezahlen nicht für jeden Anruf zusätzlich. Entsprechend verwenden fast alle ihr privates Handy. Das ist nicht ohne Nebenwirkungen: «Nach dem letzten Aktionstag klingelte mein Telefon am Abend fast im Minutentakt – das waren alles Leute, die ich am Nachmittag nicht erreicht hatte», sagt Parteimitglied Kurt. 

Solch gross angelegte Telefonkampagnen kennt man bislang insbesondere aus den USA. Präsident Barack Obama setzte bei seinen beiden Kandidaturen auch auf diese Strategie. In der Schweiz ist die Welle aber noch nicht flächendeckend angekommen – und wird sie vermutlich auch nie. «Bei uns entscheiden die kantonalen Sektionen, wie sie ihre Kampagne gestalten wollen. Telefonanrufe sind nur eines von vielen Mitteln», sagt CVP-Kommunikationschef Thomas Jauch. FDP-Mediensprecher Georg Därendinger: «Eine Telefonkampagne ist nicht unser Stil. Wir sprechen lieber direkt vor Ort mit den Bürgern.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Linus Luchs 31.03.2015 13:28
    Highlight Highlight Wenn sich die Genossen auf ihre historischen Kernthemen besinnen und eine prägnante Opposition zur neoliberalen Agenda bilden würden, müssten sie niemanden telefonisch belästigen. Stattdessen lassen sie das neue Nachrichtendienstgesetz durch den Nationalrat passieren und nehmen den Schnüfelstaat in Kauf. Hauptsache, vor den Wahlen denkt niemand, ein SP-Mitglied sei gegen Terrorismusbekämpfung.
    • Chewbacca 31.03.2015 16:52
      Highlight Highlight Die SP-Fraktion hat mit Ausnahme von Jositisch bei der Schlussabstimmung gegen das neue NDG gestimmt. Von Schnüfelstaat-Befürwortung kann also nicht die Rede sein.
    • Linus Luchs 31.03.2015 18:50
      Highlight Highlight Das habe ich anders gelesen, Herr Wicki, aber wenn das so ist, sei der SP exkl. Jositsch gedankt. Auch wenn es nichts genützt hat.
      Bald wird von Johann Schneider-Ammann und seinen neoliberalen Komplizen das Freihandelsabkommen mit den USA gepusht werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich dann endlich die SP gut wahrnehmbar und vielleicht sogar erfolgreich gegen den Verkauf der Demokratie wehren würde.
  • Howard271 31.03.2015 10:27
    Highlight Highlight Naja, ein Versuch ist's ja wert...
  • zombie1969 31.03.2015 09:39
    Highlight Highlight Bei dem Grossen Zapfenstreich für die Aufnahme von 100.000 Syrer werden die Grünen mit Vokabeln wie Klamotte und Klamauk nicht auskommen. Oder suchen die Grünen immer noch nach einem Begriff, der die Obergrenze ihrer Peinlichkeit markieren könnte...
    • Lowend 31.03.2015 12:20
      Highlight Highlight Es scheint dich bei deiner Hetze gegen die Grünen nicht zu stören, dass es im Artikel um die Sozialdemokraten geht, aber wie wir wissen, müssen die rechten Kampfkommentatoren alles was links der svp ist, in den Dreck ziehen.. Echt nur langweilig, weil es sich bei deinem Postings um reine, recht extreme Agitation und Propagandalügen handelt.
  • Zeit_Genosse 31.03.2015 08:24
    Highlight Highlight Liebe SP.
    Die CH ist nicht die USA. Telefonkampagnen haben in den USA lange Tradition und die US-Amerikaner sind für Telefonkontakte viel offener als die Schweizer, die es lästig finden, zwischen Anrufen eines Meinungsforschungsinstitutes und einer Krankenkasse oder Versicherung noch kurz vor dem Znacht mit der SP zu reden. Aber diese Erfahrung macht die SP. Die Schweizerische Höfflichkeit beim Telefonkontakt darf nicht mit Zustimmung verwechselt werden. Die Schweizer hängen nicht sofort auf, sondern sagen ein paar nette Worte und hören kurz zu. Im Grunde geht es ja allen Parteien um Propaganda, um die sogenannte politische Mobilisierung. Die einen kommen mit Plakaten von Messerstechern oder schwarzen Schafen (alle wissen jetzt wer gemeint ist) und die anderen mit Telefonanrufen.

    "Wer hat mich doch gestern angerufen? Ich weiss es nicht mehr. Die rufen sicher nochmals an, wenn die von mir etwas wollen."
    • weisse Giraffe 31.03.2015 09:20
      Highlight Highlight Ich sage es mal so: wer mich im Wahlkampf anruft, kann meine Stimme vergessen.

      Ich *hasse* telefonieren.
    • zettie94 31.03.2015 14:22
      Highlight Highlight Es geht ja hier nicht primär um den Gewinn von neuen Wählern, sondern vor allem darum, die vorhandene Wählerschaft zu mobilisieren, damit diese auch wirklich wählen gehen. Es werden also keine Leute angerufen, welche sowieso nie SP wählen würden. Deshalb denke ich, ist die Kampagne durchaus erfolgsversprechend.
  • klugundweise 31.03.2015 08:00
    Highlight Highlight Allemal wesentlich sympathischer als 3-fach-weltformatierte Plakate oder ganze Zeitungsseiten mit nichtssagenden Köpfen oder Stiefel-Messer-Sujets!
    Doch ehrlich gesagt: mit einem SP-Anrufer würde ich noch ein Witzlein machen, würde mich einer von der SVP belästigen, würde ich ihn zusammensch....
  • Durtydawg 31.03.2015 07:16
    Highlight Highlight Und die SP wird zum Callcenter. Als würde man nicht schon genug lästige Werbeanrufe kriegen. Die Verschleierung durch private Telefonnummern ist fast schon irreführend.
  • Harold 31.03.2015 06:41
    Highlight Highlight "Kontaktiert werden nur Sympathisanten, also zum Beispiel Personen, die mal eine Initiative unterschrieben haben." Es ist übrigens gemäss Gesetz illegal, Daten von Unterschriftensammlungen zu sammeln und für andere politischen Zwecke zu verwenden... nur so.
    • Sylvie Fee Matter (1) 31.03.2015 10:01
      Highlight Highlight Falsch. Wenn es bei Petitionen, Initiativen etc. ein "Ich möchte über weitere Kampagnen informiert werden"-Kästchen hat und dieses angekreuzt wird, darf die Adresse verwendet werden.

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