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Das war nix. Die Dortmunder Spieler nach der 0:4-Niederlage in München.
Das war nix. Die Dortmunder Spieler nach der 0:4-Niederlage in München.Bild: EPA
Analyse

3 akute Probleme – warum Dortmund aktuell kein Meisterkandidat ist

12.11.2019, 10:1912.11.2019, 12:18
Arne Siegmund / watson.de

Dortmunds Trainer Lucien Favre wirkte nach dem Abpfiff niedergeschlagen und etwas hilflos, als er vor die Mikrofone der Reporter trat. Der Schweizer konnte nicht so richtig fassen, warum sein Team einen derart schwachen Auftritt gegen Bayern München hinlegte und mit 0:4 unterging.

«Bayern war viel besser als wir. Wir waren nicht gut, das war eine Enttäuschung», versuchte sich Favre bei Sky in einer Spielanalyse: «Wir waren nicht ängstlich, sie waren besser, sie waren gut beim Ballbesitz. Sie waren bei der Ballannahme viel schneller als wir. Wir haben in den ersten 25 Minuten fast alle Bälle verloren. Eine sehr, sehr schwache Leistung.»

Die Highlights des Bundesliga-Spitzenspiels.Video: YouTube/DAZN Bundesliga

Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc wollte es nicht mal so nennen: Eine «Nicht-Leistung» sei es vielmehr gewesen. Abschliessend stellte Zorc fest: «Das war überhaupt kein Fussball.» Doch was war es dann? Die Vorstellung gegen den Rekordmeister war ein Warnzeichen dafür, dass Borussia Dortmund in der aktuellen Konstellation offenbar keinen Titel gewinnen kann.

Wir haben drei akute BVB-Probleme analysiert:

Favre ist super, aber ist er auch ein Meistermacher?

Nun könnte man sagen: Es liegt am Trainer und an seinem System. So wie dies immer der erste Impuls ist, wenn es bei einer Mannschaft mal nicht so läuft. Doch das wäre zu einfach. Die drei Spiele vor der Bayern-Pleite konnte der BVB unter Favre ja gewinnen. Gegen Inter Mailand schaffte es das Team in der Champions League sogar, nach einem 0:2-Rückstand zurückzukommen und das Spiel zu einem 3:2 zu drehen. Eigentlich scheint die Mannschaft in der Lage zu sein, sich selbst in schier ausweglosen Lagen aufzubäumen.

Die Ansicht, dass die jüngste Niederlage gegen Bayern an Favre lag, teilt übrigens auch Zorc nicht: «Den Trainer würde ich komplett rausnehmen, fragen Sie die Spieler.» Sein Bemühen dahinter? Leicht zu durchschauen: Das Letzte, was Zorc nach diesem Offenbarungseid noch benötigt, ist eine neue Diskussion um Lucien Favre. Die gab es bereits in dieser Saison, doch führte sie zu nichts, aktuell kommt auch niemand ernsthaft in Frage, der besser ist und ihn ablösen könnte.

Favre muss Kollege Flick zum Sieg gratulieren.
Favre muss Kollege Flick zum Sieg gratulieren.Bild: dpa

Favre ist ein sehr guter Trainer. Punkt. Das Problem ist aber: Beim BVB ist er nicht der Aufbauhelfer, der er bei seinen vorherigen Stationen Hertha BSC oder Borussia Mönchengladbach war. Dort verlieh er seinen Teams jeweils defensive Stabilität, die Auftrieb gab; aus grauen Mäusen formte er Spitzenteams.

In Dortmund hat er nun andere Voraussetzungen, ist nun als Meistermacher einer Topmannschaft gefragt, soll dominant auftreten. In vielen der vergangenen Partien, das Spiel gegen Inter mal ausgenommen, war der BVB allerdings offensiv sehr schwach. Zu oft bleiben Dribblings kurz hinter der Mittellinie stecken, das war auch gegen Bayern so. Auch beim 2:1-Sieg gegen Gladbach im Oktober war Dortmund die meiste Zeit extrem harmlos.

Nach der 0:4-Pleite in München störte sich Favre aber am Samstagabend vor allem an der «Art und Weise», wie seine Spieler das Spiel verloren hatten. Denn die Spieler gehören ja auch dazu, zum grossen Ganzen, zum Erfolg einer Mannschaft.

Kader ist nur in der Breite besser geworden

Zorcs «Fragen Sie die Spieler» und Favres Probleme mit der «Art und Weise» seiner Akteure offenbaren ein weiteres akutes BVB-Problem: Das Team ist doch nicht so gut wie gedacht. Im Sommer jubelten viele Experten und Fans den Dortmunder Kader hoch, nachdem die Borussia mit Julian Brandt, Nico Schulz, Mats Hummels und Thorgan Hazard vier Stars aus dem Hut zauberte.

Nach elf Spieltagen in der Bundesliga muss man nun aber sagen: Die Neuzugänge haben zwar die Breite verbessert, aber nicht die Spitze des Kaders. Hazard ist nicht mehr als ein guter Bundesliga-Spieler, Brandt funktioniert nur, wenn er auf der richtigen Position spielt und Schulz hat sich zuvor noch nie international gemessen. Ausserdem fehlt ein wuchtiger Zielstürmer, der den Strafraum besetzt und Flanken verwandeln kann.

Die Enttäuschung steht den BVB-Spielern ins Gesicht geschrieben.
Die Enttäuschung steht den BVB-Spielern ins Gesicht geschrieben.Bild: EPA

Hinzu kommt, dass junge Spieler wie Achraf Hakimi und Jadon Sancho, zwei von Dortmunds besten Scorern, schon viel Last auf den Schultern tragen müssen, obwohl sie in ihrem Alter immer noch Leistungseinbrüche haben – was völlig normal ist. Auch der Schweizer Innenverteidiger Manuel Akanji, bereits seit 2018 beim BVB, scheint aktuell nicht die Klasse und die Führungsqualität zu haben, die Dortmund titelreif machen würde. Auch Asse wie Weltmeister Mario Götze oder der international erfahrene Axel Witsel, der als Führungsspieler geholt wurde, stachen gegen Bayern nicht.

Einzig der erfahrene Mats Hummels zeigte, dass er Verantwortung übernehmen und seine Mitspieler pushen kann. Hummels war es auch, der nach dem Abpfiff Klartext redete: «Diese Niederlage war ein Zeichen für uns, dass wir keine Toptruppe sind». Ja, ergänzte er, «wir können eine sein, an unseren guten Tagen, aber eine Topmannschaft ist das auch an schlechten».

Ein Topteam mit Meister-Ambitionen war Borussia Dortmund am Samstagabend in München in der Tat nicht.

BVB-Bosse und Favre sprechen nicht die gleiche Sprache

Die sportlichen Leistungen des BVB könnten gemessen an den eigenen Ansprüchen grösser sein. Die Klub-Bosse, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Manager Zorc, gaben vor der Saison selbstbewusst das Ziel Meisterschaft aus. Womit wir bei Problem Nummer drei wären: Watzke will Meister werden, Zorc will Meister werden. Und Lucien Favre? Der tippte vor der Saison, dass Bayern München Meister wird. Während die Führungsetage also die Meisterschale als Saisonziel nennt, ist der Trainer eher kleinlaut und zurückhaltend – aber so ist er nun mal, der stoische Schweizer.

Erstmal durchatmen: Aki Watzke.
Erstmal durchatmen: Aki Watzke.Bild: EPA

Auch das Gerede vom «Männerfussball», den Zorc vor dem Bayern-Spiel forderte, scheint Favre nicht gefallen zu haben. Abgesehen von der Frage, ob der gewählte Begriff noch zeitgemäss ist: Als Sky-Reporter Patrick Wasserziehr Favre vor dem Spiel auf den «Männerfussball» ansprach, reagierte der Schweizer mit einem schrillen «Waaaas!?» – als könnte er damit überhaupt nichts anfangen.

Watzke kündigte mittlerweile an, dass er plane, sich «in der kommenden Woche im Rahmen unserer Runde mit der sportlichen Leitung zusammenzusetzen». Das sagte er gegenüber der «Funke Mediengruppe». Dabei solle der «Ist-Zustand» der Dortmunder Mannschaft genau analysiert werden. Es gibt viel zu tun in Dortmund. Denn irgendwie passt vieles gerade nicht zusammen.

(mit Material von sid)

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8 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tom Brady
12.11.2019 10:43registriert Januar 2019
Klar, herausragend spielt der BVB in dieser Saison nicht. Das neue Team bzw. die neuen Spieler (vor allem Brandt und Hazard) müssen sich noch finden.

Ich bin aber noch immer der Meinung, dass viel zu viel Drama gemacht wird. Die Bundesliga ist eng und spannend, was auch gut so ist. Dortmund ist 2 Punkte hinter Rang zwei. In der CL ist man auf Achtelfinalkurs. Im Pokal ist man im Achtelfinale und hat den BuLi-Leader rausgeworfen. Also bitte... Ruhe bewahren
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FCZBVB180
12.11.2019 11:36registriert März 2016
Naja Punkt 2 gemischt mit Punkt 3 treffen es am besten. Hätte Bayern die gleichen Spieler verpflichtet, wäre das wahrscheinlich als eine riesen Flop-Transferperiode betitelt worden und bei Dortmund erwartet man die Meisterschaft. Bayern konnte beim Stand von 2:0 einen Coutinho und Thiago einwechseln. Sie sind besser und haben auch der bessere Kader. Und hier kommt dann auch Punkt 3 ins Spiel...
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zellweger_fussballgott
12.11.2019 12:06registriert November 2017
Favre wurde mit dem FCZ Meister vor dem damals schon etwas grösserem FCB. Also sollte man aufhören zu sagen, Favre sei kein Meistertrainer.
Für einen Meistertitel muss vieles stimmen.
Ich weiss nicht, ob die mutige Zielsetzung (Meister), das grosse Lob über die Transfers und die Erfahrung der letzten Saison (in der Rückrunde) so gut zusammenpassen. Letzte Saison hängt wahrscheinlich noch in den Köpfen, der Spieler. Denn als es drauf an kam, blieben die Resultate aus. Mit der neuen Zielsetzung müssen die Resultate nun über die ganze Saison stimmen. Denke es ist zu viel Druck für sie.
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