Riesiger Real-Frust nach Camavinga-Rot: «Schiri wusste nicht einmal, dass …»
Es läuft die 86. Minute in der Münchner Allianz Arena, Real Madrid führt 3:2, die Verlängerung naht, als Eduardo Camavinga Gegenspieler Harry Kane foult und dann den Ball aufliest und etwas wegwirft. Schiedsrichter Slavko Vincic zeigt ihm die Gelbe Karte, dreht sich weg und zückt dann erst die Rote Karte, mit der er den französischen Mittelfeldspieler vom Platz schickt. Nicht nur Camavinga reagiert mit Unverständnis, auch weitere Real-Stars wie Kylian Mbappé oder Arda Güler können es nicht fassen.
«Der Schiedsrichter wusste nicht einmal, dass er eine Karte hatte, und hat damit ein sehr schönes, sehr ausgeglichenes Spiel auf höchstem Niveau ruiniert», wütet Trainer Alvaro Arbeloa nach dem Spiel beim Sender «Movistar+». Es sei klar, dass man einen Spieler wegen so etwas nicht vom Platz stellen könne. «Es war ein Fehler des Schiedsrichters. Unbegreiflich. Es tut einfach weh», so der 43-Jährige.
Der frühere Schweizer Stürmer Alex Frei stimmt Arbeloa bei Blue zu: «Für sowas gibst du keine Gelbe Karte!» Das harte Urteil des Experten? «Ich behaupte, dass Vincic nächste Saison maximal die erste Runde in der Conference-League-Qualifikation pfeifen wird – dann ist fertig.» Schiri-Experte Adrien Jacottet vermutet wie Arbeloa, dass Vincic vergessen hatte, dass Camavinga bereits verwarnt war: «Ich bin mir sicher, dass er diese Gelbe nicht gegeben hätte, wenn er es gewusst hätte.»
Wenige Minuten nach dem Platzverweis steht es dann 3:3. Luis Diaz spielt einen Doppelpass mit Jamal Musiala und zieht vom Strafraumrand ab. Der Schuss des Kolumbianers wird von Real-Verteidiger Eder Militão noch leicht abgefälscht und schlägt im Tor ein. Nun ist Bayern wieder weiter – bei Real Madrid scheint die Luft raus, der Ärger über den Schiedsrichterentscheid ist zu gross. Als in der 94. Minute dann auch Michael Olise noch trifft, ist der Fall klar: Bayern steht im Halbfinal, Real Madrid ist nach 180 spektakulären Minuten über Hin- und Rückspiel ausgeschieden.
Nach dem Schlusspfiff entlädt sich die Wut der Königlichen. Mehrere Spieler beschweren sich beim Schiedsrichter, Güler sieht ebenfalls noch die Rote Karte. Sie fühlen sich um den Halbfinal-Einzug betrogen.
Doch auch die Bayern hatten gutes Recht, sich über den slowenischen Unparteiischen zu beschweren. Beim Stand von 1:1 – ein katastrophaler Fehlpass von Manuel Neuer in Gülers Füsse und ein Kopfball von Aleksander Pavlovic nach einer Ecke, bei der Real-Goalie Andrij Lunin ebenfalls nicht gut aussah, sorgten für die beiden Tore – pfeift Vincic ein vermeintliches Foul an Real-Spieler Brahim Diaz.
In der Wiederholung erkennt man jedoch, dass Aussenverteidiger Konrad Laimer den marokkanischen Nationalspieler gar nicht berührte. Schiri-Experte Jaccottet versteht den Bayern-Ärger: «Hier ist definitiv überhaupt kein Kontakt vorhanden. Das ist eine klare Schwalbe.» Real-Youngster Güler knallt den Ball unbeeindruckt zum 2:1 ins Tor der Bayern.
Neun Minuten später gleicht Bayern dank Harry Kane erneut aus und geht gesamthaft wieder in Führung. Noch vor der Pause erfolgt aber die Antwort von Starstürmer Kylian Mbappé – es ist die nächste umstrittene Szene des Spiels. Denn vor dem Treffer des 27-Jährigen rammte Antonio Rüdiger Bayern-Verteidiger Josip Stanisic. Der Kroate bleibt am Boden liegen, die Bayern reklamieren Foul – Trainer Vincent Kompany gar so sehr, dass er die Gelbe Karte sieht und deshalb im Halbfinal-Hinspiel gegen PSG gesperrt ist.
Für Nati-Rekordtorschütze Frei ist die Aufregung gerechtfertigt: «Also, wenn das kein Foul ist …» Ex-Schiri Jacottet sieht dies auch so, findet es aber richtig, dass der VAR nicht eingreift. «Der VAR kann hier nur intervenieren, wenn es eine Rote Karte ist – was es für mich nicht ist – oder wenn genau diese Aktion zum Ballgewinn für das Tor führt. Auch das ist nicht der Fall», so Jacottet.
Nach einem weiteren hervorragenden Fussballspiel bleibt also die Erkenntnis, dass Schiedsrichter Slavko Vincic nicht mit dem Niveau von Bayern München und Real Madrid mithalten konnte – den Ausgang des Spiels aber nicht entscheidend beeinflusste, weil er auf beiden Seiten grobe Fehlentscheidungen traf.
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