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Floyd Mayweather Jr. speaks with the media during a news conference Wednesday, April 29, 2015, in Las Vegas. Mayweather will face Manny Pacquiao in a welterweight boxing match in Las Vegas on May 2. (AP Photo/John Locher)

Alle Welt schaut auf den Kampf des Jahrhunderts. Auch ich. Aber ich schaue mit müden Augen. Bild: John Locher/AP/KEYSTONE

6 Gründe, weshalb mich der «Superfight» von Floyd Mayweather gegen Manny Pacquiao jetzt nicht so mega aus den Socken haut 



Mayweather trifft zum Jahrhundertkampf in der MGM Grand Arena ein, doch auch sein Gegner ist schon in Las Vegas

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Mayweather vs. Pacquiao: Das Vorgeplänkel zum Jahrhundertkampf
quelle: x00642 / steve marcus
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Wenn in der Nacht auf Sonntag Manny «Pac-Man» Pacquiao, WBO-Titelhalter, in Las Vegas auf Floyd «Money» Mayweather, Titelhalter der Verbände WBA und WBC, trifft, dann ist das DER Superfight der letzten Jahre. 

Als alter Boxfan müsste ich eigentlich aus dem Häuschen sein. Doch ich bin es nicht. Der kommerziell erfolgreichste Boxkampf der Geschichte (das kann man jetzt schon sagen) berührt mich irgendwie wenig. Weshalb? Deshalb:

1. In der Schweiz muss man fast schon ein Hacker sein, um den Kampf zu sehen

Cablecom: nope. Swisscom-TV: njet. Teleclub: Fehlanzeige. SRF: sowieso nicht. In der Schweiz den «Kampf des Jahrhunderts» zu sehen, ist gar nicht einfach. Kunden von Sky Deutschland können den Kampf via Sky Select und Pay-per-view ... Oh. Als Schweizer kann man ja gar nicht Kunde von Sky Deutschland sein. 

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Screenshot: Sky- Chat

Da wird wohl wieder irgendein krakeliger Live-Stream aus den Niederungen des Internets bemüht werden müssen.

Uncool.

Und das zu einer Unzeit am Sonntagmorgen (3.30 Uhr). Falls übrigens jemand einen einfachen Weg kennt, den Kampf in einer erträglichen Qualität zu sehen, bitte im Kommentarfeld melden! 

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Screenshots customer foren von Upc cablecom und Swisscom TV

2. Steter Tropfen höhlt den Stein

Seit Jahren wünsche ich mir diesen Kampf. Seit Jahren wird verhandelt. 2010 näherten sich die beiden Parteien vielversprechend an, doch dann gerieten sie sich wieder in die Haare. Und das war's dann. Bis heute.

Es ist, wie wenn man sich nach monatelanger Flirterei seiner Angebeteten eröffnet und einen Korb kriegt. Wenn dieselbe Dame fünf Jahre später angedackelt kommt, schlagen die Glückshormone auch keine Purzelbäume mehr.

3. Boxen befindet sich im Würgegriff von MMA

Was tut man, wenn man von der Liebe enttäuscht wird? Man sucht sich eine neue. So erging es auch mir. Und das leichte Mädchen, das mich und viele andere enttäuschte Boxfans mit offenen Armen empfing, hiess Mixed Martial Arts (MMA). MMA ist vielseitiger, unberechenbarer, schneller und vor allem eines: aufregender. MMA ist Kampfsport in 3D. Sich nun plötzlich wieder für die 2D-Variante begeistern zu müssen, fällt mir schwer. Auch wenn die Ausgangslage derart vielversprechend ist.

4. Mayweather und Pacquiao haben ihre besten Jahre hinter sich

Manny Pacquiao ist 36 Jahre alt, hat eine K.o.-Quote von fast 60 Prozent – und trotzdem liegt sein letzter frühzeitiger Sieg sechs Jahre zurück. Von seinen letzten fünf Kämpfen verlor er zwei (gegen Timothy Bradley & Juan Manuel Marquez). Auch wenn sein letzter Kampf gegen den zuvor unbesiegten Algieri mit sechs Niederschlägen durchaus sehenswert war, ist «Pac-Man» nicht mehr im besten Alter.     

Das waren noch Zeiten: Auszug aus Pacquiaos Kampfrekord: Marquez, Diaz, De La Hoya, Hatton, Cotto – alle waren sie chancenlos gegen «Pac Man». Doch das war 2008 und 2009

Bild

bild: screenshot: boxrec.com

Konterspezialist Mayweather blieb in seinen 47 Kämpfen bisher unbesiegt. Das ist eindrücklich. Sehr eindrücklich. Und er gilt zurecht als bester «Pound for Pound»-Boxer. Mayweathers letzter K.o. (gegen Ortiz) liegt aber auch schon vier Jahre zurück und war nicht gerade Ruhmreich: Ortiz entschuldigte sich für eine unfaire Aktion – und Mayweather verdankte ihm die Umarmung mit einem Haken und einer finalen Rechten.

5. Ein Fight für die Elite

16'500 Plätze fasst das MGM Grand. Davon gingen nur gerade 1000 in den öffentlichen Verkauf. Der Rest wurde unter die beiden Lager aufgeteilt, die Casino-Besitzer, die Promoter. Die sympathischen Leute halt. 

Von den 1000 Tickets ging keines unter 1500 Dollar weg. Zwei Plätze in der ersten Reihe kosten 360'000 Dollar.

90 Dollar bezahlen US-Amerikaner, um den Kampf per Pay-per-View zu schauen. Das ist Rekord. Trotzdem werden drei Millionen Amerikaner sich den Spass leisten.

Die Vermarktung von Sportanlässen nimmt immer bizarrere Formen an. Für mich wird nicht erst bei diesem Event eine Linie übertreten und es fällt mir immer schwerer, mich vor diesem Hintergrund für die eigentlichen sportlichen Wettkämpfe zu begeistern. Aber vielleicht bin es ja nur ich. 

Animiertes GIF GIF abspielen

So elegant wie er boxt, so elegant skatet Floyd Mayweather durch seine bescheidene Behausung.  gif: watson via Youtube/HBOBoxing

6. Mayweather mag ich nicht, aber leider wird er gewinnen

Manny Pacquiao ist ein Sympathieträger, ein bescheidener, gottesfürchtiger Mann, der sich aus den Slums hochgekämpft hat, heute als redlicher Politiker gefeiert wird und auch schon den Vorschlag aufbrachte, die Gagen wohltätigen Zwecken zukommen zu lassen – in seinem Fall sind das immerhin 120 Millionen Dollar. So wird er wenigstens den Medien verkauft.

Gar 180 Millionen wird Floyd Mayweather einstreichen. Auch er hat sich aus der Gosse hochgeprügelt, posiert heute aber lieber vor seinen drei Veyrons und seinem Privatjet. Er ist der Bad Guy in diesem Fight. Denn jeder gute Boxkampf braucht eine Affiche. Und «Gut gegen Böse» ist die klare Nr. 2 nach «Schwarz gegen Weiss».

Mayweather wird von einigen Experten als grösster Boxer aller Zeiten gehandelt. Einer davon ist leider auch er selber. Und immer wenn enormes Talent mit einem enormen Ego gepaart wird, ist das einfach nicht sehr liebenswürdig. Vorgeschichte hin oder her.

Wenn also Mayweather nach zwölf Runden gegen Pacquiao als Sieger feststeht, dann hat ausser einem bereits jetzt schon steinreichen Grossmaul niemand gewonnen.

Und deshalb werde ich den Kampf vermutlich ausschlafen.

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