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epa06208710 Stuttgart's Christian Gentner (C) is stretchered off the pitch after being injured during the German Bundesliga soccer match between VfB Stuttgart and VfL Wolfsburg in Stuttgart, Germany, 16 September 2017.  EPA/DANIEL KOPATSCH EMBARGO CONDITIONS - ATTENTION: Due to the accreditation guidelines, the DFL only permits the publication and utilisation of up to 15 pictures per match on the internet and in online media during the match.

Schwere Kopfverletzungen: Christian Gentner muss mit der Trage vom Platz gebracht werden. Bild: EPA/EPA

Der Fall Gentner – darf ein Torhüter so in den Luftkampf gehen?

Stuttgarts Christian Gentner hat beim Spiel gegen Wolfsburg mehrere Gesichtsbrüche erlitten. Während der VfB leichte Entwarnung gibt, ist in Deutschland eine hitzige Diskussion um den Vorfall entbrannt. Foul oder kein Foul ist die Frage.



Es war der Schockmoment des 4. Bundesliga-Spieltags: Im Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem VfL Wolfsburg läuft die 84. Minute. Wolfsburg-Keeper Koen Casteels pflückt eine hohe Flanke in den Strafraum runter, springt dabei Stuttgarts Captain Christian Gentner mit dem Knie voraus ins Gesicht.

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Casteels trifft Gentner mit voller Wucht. Video: streamable

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Die Szene aus einem anderen Blickwinkel. Video: streamable

Gentner bleibt mit blutüberströmtem Gesicht minutenlang liegen. Das rechte Auge schwoll sofort zu, die Nase war verschoben. Ausserdem hatte der fünffache deutsche Nationalspieler seine Zunge verschluckt. Doch die schnell anwesenden Ärzte reagierten sofort und holten dem bewusstlosen Gentner die Zunge wieder aus dem Hals. «Das waren dramatische Momente, wir hatten Riesenangst, dass was passiert ist, was bleibende Schäden hinterlassen könnte», schilderte VfB-Trainer Hannes Wolf die Szene nach dem Spiel.

Am Abend folgte die Diagnose: Gentner hat sich beim Zusammenprall mit dem Benaglio-Nachfolger den unteren und seitlichen Augenhöhlenboden, das Nasenbein sowie den Oberkiefer gebrochen. Er wird in den nächsten Tagen operiert und dem VfB mehrere Wochen fehlen. Am Montag gab er selbst auf Instagram Entwarnung: «Zuallererst mal die wichtigste Info für viele, die sich Sorgen gemacht haben: Es geht mir sehr gut. Ich habe den einen oder anderen Bruch im Gesicht, aber nichts, was nicht wieder zu korrigieren wäre.»

Foul oder kein Foul?

Bereits unmittelbar nach Spielschluss gingen die Diskussionen los. Die zentrale Frage: Darf ein Torhüter so in einen Luft-Zweikampf gehen? Mit vollem Risiko und angezogenem Knie? Muss sich Gentner selber schützen? Oder ist es ohnehin ein Foul, wenn der Torhüter den Gegner mit dem Knie trifft?

Schiedsrichter Guido Winkmann bewertete die Szene während des Spiels als «unglücklichen Zusammenprall» und pfiff kein Foul. Auch Video-Schiedsrichter Deniz Aytekin griff nicht ein. DFB-Schiedsrichtermanager Hellmut Krug verteidigte seine Kollegen. Er taxierte die Entscheidung von Winkmann und Aytekin als «regeltechnisch grenzwertig, aber vertretbar».

Koen Casteels kommentierte seine Aktion nach dem Spiel so:

«Ich schaue nach dem Ball und fauste ihn weg und genau in dem Moment treffe ich auch Gentner. Wenn das Foul ist, muss man die ganze Jugendausbildung umstellen, ab fünf, sechs Jahren. Schon da wird dir beigebracht, dass du das linke Knie mitnimmst, wenn du mit rechts hochgehst, 99 Prozent der Torhüter machen das so.»

Wolfsburg-Keeper Koen Casteels

epa06208704 Stuttgart's Christian Gentner (bottom) lies on the pitch after being injured during the German Bundesliga soccer match between VfB Stuttgart and VfL Wolfsburg in Stuttgart, Germany, 16 September 2017.  EPA/DANIEL KOPATSCH EMBARGO CONDITIONS - ATTENTION: Due to the accreditation guidelines, the DFL only permits the publication and utilisation of up to 15 pictures per match on the internet and in online media during the match.

Gentner bleibt nach dem Zusammenprall bewusstlos am Boden liegen. Bild: EPA/EPA

Anders sah es Ex-Schiedsrichter und Sky-Experte Markus Merk. «Das ist auf jeden Fall ein Foul. Und es es auf keinen Fall vertretbar» Casteels habe «sein Knie als Waffe benutzt» und hätte mindestens Gelb, wenn nicht Rot sehen müssen. So sah es auch Ex-Kollege Bernd Heynemann in der Talk-Sendung «Doppelpass».

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Auch im Doppelpass wurde kontrovers über den Zusammenprall diskutiert. Video: YouTube/SPORT1

Uneinigkeit herrschte im VfB-Trainerteam. Während Stuttgarts Torhütertrainer Marco Langner Casteels Aktion als «schulbuchmässig» taxierte, war es für Cheftrainer Wolf ein «klares Foul».

«Ich muss Casteels in Schutz nehmen. Er kommt für einen Torwart sehr gut raus. Er sieht, dass da ein Pulk ist, springt schulbuchmässig ab. Ich lehre es genauso: Wenn man raus geht, dann mit voller Wucht. Schliesslich bin ich als Torwart Einzelkämpfer. Man kämpft gegen 16, 18 Feldspieler. Wenn der Torwart ungeschützt hoch geht, kriegt er einen mit.»

Stuttgarts Torhütertrainer Marco Langner

«Fussball ist Risikosport, ja. Aber man muss schon sehen, dass wir solche Verletzungen nicht in Kauf nehmen. Wir müssen nicht den Leuten unser Knie ins Gesicht halten und sagen: ‹Das ist halt so.› Für mich ein klares Foul, weil das Knie auf 1,90 Meter nichts verloren hat. Man kann auch hochspringen, ohne das Knie ganz oben zu haben. Zumal Christian in dem Moment auch keine Bedrohung für Casteels war.»

Stuttgart-Trainer Hannes Wolf

Und wo liegt nun die Wahrheit? Schwierig, hier eine den Regeln entsprechende, eindeutige Beurteilung abzugeben. Deshalb liegt die Wahrheit wohl im Auge des Betrachters.

Wie siehst du die Aktion von Casteels gegen Gentner?

VfB-Sportvorstand Michael Reschke glaubt, dass der Vorfall dennoch etwas Gutes mit sich bringt und zu einem Umdenken führen könnte: «Diese Situation wird nachhaltig sein. Ich glaube, dass Casteels im nächsten Spiel nicht noch einmal so eine Aktion haben wird und dass auch viele andere Bundesliga-Torhüter sich überlegen werden, wie sie in Zukunft rauslaufen, zumindest nicht in dieser letzten Aggressivität.»

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